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Köln
Eine Hommage an Käthe Kollwitz

Köln. Kultur-Tipp für die Ferien: Vor mehr als 30 Jahren wurde das einzigartige Museum am Kölner Neumarkt gegründet. Es wurde am 40. Todestag der deutschen Künstlerin eröffnet. Aktuell wird ihr plastisches Werk am Neumarkt gezeigt. Von Stephan Eppinger

Ein Museum als Teil eines Geldinstituts - damit beschritt man beim Käthe Kollwitz Museum vor mehr als 30 Jahren Neuland. Dabei war die Kulturinstitution nicht nur organisatorisch und finanziell Bestandteil der Kreissparkasse: "Anfangs musste der Schalterraum durchquert werden, um ins Museum zu gelangen", sagt Direktorin Hannelore Fischer. Heute bringt ein Aufzug die Besucher auch am Wochenende von der Neumarktpassage in die 1989 eröffneten Räume hoch über dem Platz. Eine Treppe im Eingangsbereich der fünften Etage markiert die Grenze zwischen dem Alt- und dem Neubau.

Entstanden war die Idee zum Museum, weil die in Köln lebenden Enkelinnen der Künstlerin 1983 ihr geerbtes Konvolut an 60 Zeichnungen verkaufen wollten. Dieses lag verteilt in der Stuttgarter Staatsgalerie und im Wallraf-Richartz-Museum. Beide Häuser waren finanziell nicht in der Lage, die Privatkollektion zu kaufen. Der damalige Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse verhinderte durch den Ankauf schließlich, dass das Werk durch eine Auktion in alle Winde zerstreut wurde. Der Grundstein für das Museum war gelegt.

Zwei Jahre später wurde das Museum im Gebäude der Kreissparkasse am Neumarkt eröffnet. Durch weitere Ankäufe und Schenkungen war die Sammlung auf 120 Zeichnungen, 60 Druckgrafiken und 15 Plastiken von Käthe Kollwitz angewachsen. Heute gehören dem Museum 300 Zeichnungen, 550 druckgrafische Blätter und alle Plakate und das vollständige museal greifbare plastische Werk in frühen Güssen, das aktuell im Mittelpunkt der Sonderausstellung "Gussgeschichte(n)" steht, die noch bis zum 5. Juni zu sehen ist.

Somit verfügt das Haus über die weltweit umfangreichste und geschlossenste Kollwitz-Sammlung. Dazu kommen in Köln noch die Kopie des trauernden Elternpaares in Alt St. Alban und das Grabrelief Levy auf dem Jüdischen Friedhof in Bocklemünd. Bislang gab es dazu 80 Sonderausstellungen. Gezeigt wurden unter anderem auch Werke von Pablo Picasso, Otto Dix, Henri de Toulouse-Lautrec und Paula Modersohn-Becker. Bei der ersten Sonderschau 1989 kamen direkt 60.000 Besucher ins Museum. Diese kamen aus aller Welt.

Da die Kulturinstitution ein Bereich der Kreissparkasse ist, hat Hannelore Fischer gleich zwei Positionen inne: die der Museumsdirektorin und auch die der Bereichsdirektorin des Kreditinstituts. Seit Anfang an hat Fischer das Museum begleitet. Zu Käthe Kollwitz ist sie über ihre Magister-Arbeit an der Kölner Uni gekommen. "Mein Professor hat mir damals das Thema vorgeschlagen", erzählt sie.

Bis 1995 verzichtete das Museum - auf Wunsch der Kreissparkasse als Träger - auf Eintritt von den Besuchern. Inzwischen hat sich das geändert, das so eingenommene Geld kommt der Initiative zugute, die die Kollwitz-Gedenkstätte Rüdenhof in Moritzburg bei Dresden erhalten will.

Dieses war das Sterbehaus der Künstlerin. "Das ist der letzte Ort, an dem man Kollwitz noch habhaft werden kann. Das Haus, in dem sie lange gelebt hat, wurde im Krieg zerstört", sagt Fischer. Außerdem finanziert der Museumsträger seit 1992 den Käthe-Kollwitz-Preis der Berliner Akademie der Künste.

Quelle: RP
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