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Ausstellung
Eine Stadt im Rausch der Spiele

Ausstellung: Eine Stadt im Rausch der Spiele
In der Ausstellung verbinden sich analoge Spielewelten wie die Zinnsoldaten mit digitalen Computerspielen wie beim h ier gezeigten Level "Macht & Abstraktion". FOTO: Stephan Eppinger
Köln. Das Museum für angewandte Kunst verbindet die Theaterwelt mit der digitalen Welt der Computerspiele. Die Schau ist bis zum 4. Februar in Köln zu sehen.

KÖLN Wenn heute die Computerspielmesse Gamescom in Deutz eröffnet wird, werden wieder tausende meist junge Besucher die Hallen stürmen. Aus der virtuellen Spielewelt ist längst eine globale Milliardenindustrie geworden. Eröffnet wird die Messe von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ob sie in ihrer raren Freizeit am Computer zockt, am Handy spielt oder sich auf klassische Dinge wie Schach oder "Mensch ärgere Dich nicht" konzentriert, ist nicht bekannt. Sicher ist nur, dass Spiele in den verschiedensten Formen die Menschheit schon sehr lange begleiten.

Das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) widmet seine Sonderausstellung dem Thema Spielen in all seinen Facetten. "Im Spielrausch. Von Königinnen, Pixelmonstern und Drachentötern" wird von heute bis zum 4. Februar präsentiert.

Die Welt des Spielens ist voll von Sieg und Niederlage, Jagd und Verfolgung oder Rätsel und Eroberung. Avatare, Puppen sowie Spielfiguren agieren als Stellvertreter auf Bildschirmen, Bühnen und Brettern. Diese Figuren bringen ein Set an Fähigkeiten und Eigenschaften mit und erlauben den Spielenden Freiräume und Superkräfte.

Die Ausstellung "Im Spielrausch" stellt genau diese Mechanismen aus und präsentiert die kulturelle Verortung von Spielen, ihre Funktion ebenso wie ihre historische Entwicklung anhand real erfahrbarer Exponate wie Masken, Puppen, Spielfiguren, Spielfeldern, Screenshots, Trailern, Requisiten oder Textbüchern.

Die Schau ist in sechs thematisch unterschiedliche Levels unterteilt und eröffnet durch überraschende Gegenüberstellungen neue Perspektiven auf die verschiedenen Spielwelten. Dabei wird die analoge Spielewelt immer wieder der digitalen gegenübergestellt.

Im Level "Verwandlung & Verkörperung" tauchen die Besucher in die Welt der Rollenspiele ein. Action-Rollenspiele wie "Diablo III" für Computer und Konsolen knüpfen dabei an ein reiches Repertoire älterer und neuerer (Spiel-)Figuren an. Schon im 19. Jahrhundert lieferte das Papiertheater (Toy-Theatre) Kataloge und Schnittbögen mit definierten Figuren. Auch traditionelle Masken, Handpuppen oder Marionetten bieten wie Avatare ein Spiel jenseits gewohnter körperlicher und sozialer Rollen.

Das Level "Macht & Abstraktion" manifestiert sich wie in keinem anderen Spiel im Schachspiel. Lange Tradition haben Spielzeugsoldaten aus Zinn oder Papier. Ein schachbasiertes Kriegsspiel mit Spielbrett und Papierfiguren entwickelte 1780 der Braunschweiger Mathematiker Johann C. L. Hellwig, das 1812 für Friedrich Wilhelm III. zu einem umfangreichen Spieltisch erweitert wurde. Machtinsignien, die das Spielgeschehen auf Barockbühnen krönten, finden sich wiederum in Strategiespielen für den Computer wie "Crusader Kings 2" wieder, deren Spieloberfläche von Machtsymbolen eingerahmt ist.

Zum Wesen des Spielens gehören Spielfreude und Ausgelassenheit genauso wie der spielerische Rausch und der Exzess. Diese vermeintlichen "Schattenseiten" des Spiels werden im Level "Rausch & Exzess" beleuchtet. Die Kostümfiguren Basil Crages für das sogenannte "Rausch-Ballett" von 1909 stehen stellvertretend für die Ausgelassenheit und den rauschhaften Konsum in den Cabarets und Music Halls des frühen 20. Jahrhunderts. Im Clip von Robbie Cooper wird durch einen Perspektivenwechsel die tunnelhafte Sogwirkung von Videospielen verdeutlicht. Er zeigt "versunkene" jugendliche Spieler aus einer Frontalansicht. Dabei sind die jeweils dazugehörenden Computerspiele nur als Ton präsent. An einer Station kann beim Computerspiel "Proun" auch gespielt werden. Dort begibt sich der Besucher auf die Reise durch die abstrakten Bildwelten des Künstlers Piet Mondrian.

Service Makk, An der Rechtschule 2, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

Stephan Eppinger

Quelle: RP
 
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