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Mathias Herrmann im Interview
"Einen Mord würde ich nicht decken"

Mathias Herrmann im Interview: "Einen Mord würde ich nicht decken"
Mathias Herrmann wurde im Fernsehen unter anderem als Anwalt bei "Ein Fall für Zwei" im ZDF und als Staatsanwalt bei "Cobra 11" bei RTL bekannt. Herrmann steht aber auch regelmäßig bei Filmen vor der Kamera und arbeitet als Schauspieler am Theater sowie als Sprecher für Hörbücher. FOTO: Stephan Eppinger
Köln. Bis zum 6. November steht Mathias Herrmann mit Ingolf Lück und Jochen Horst mit "Unsere Frauen" im Theater am Dom auf der Bühne. In dem Stück geht es um die Freundschaft dreier Männer in einer Extremsituation. Von Stephan Eppinger

Worum geht es in dem Stück "Unsere Frauen", das noch bis zum 6. November im Theater am Dom läuft?

Mathias Herrmann: Drei langjährige Freunde treffen sich regelmäßig zum gemeinsamen Kartenspielen. Max, der Radiologe, Paul, ein Rheumatologe und Simon, der Frisör. Ärgerlicherweise trifft Simon diesmal aber eine Stunde zu spät ein und gesteht den beiden anderen, dass er versehentlich seine Frau umgebracht hat. Und jetzt? Die Polizei verständigen, meint Max. Ins Ausland fliehen, meint Paul. Oder ihm ein Alibi verschaffen? Es entspinnt sich ein Hin und Her aus Argumenten, Hilflosigkeit und wahnwitzigen Vorschlägen. Soll man den Freund zu einem Geständnis überreden? Ihm helfen, indem man für ihn lügt? Die Frage, wie weit man in einer Freundschaft gehen darf, zieht sich als roter Faden durchs Stück. Wir finden unsere ruhigen besinnlichen Momente genau wie Situationen, die zum Brüllen komisch sind, soviel darf ich verraten. Dass das Ganze völlig überraschend endet auch, mehr aber nicht.

Welchen Part übernehmen Sie in dem Stück?

Herrmann: Den des armen gebeutelten Mörders. Der erste Frisör in meiner Vita.

Zwei ihrer bekanntesten Fernsehrollen sind die des Rechtsanwaltes in "Ein Fall für Zwei" und die des schillernden Staatsanwaltes bei "Cobra 11". Wechseln Sie plötzlich die Seiten?

Herrmann: Nein, nein. Ich bin ja Schauspieler und lebe von der Abwechslung. In den vergangenen 30 Jahren gab es wirklich eine Fülle unterschiedlicher Charaktere, die ich gespielt habe. Darin liegt der Reiz. Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich ein Mörder war oder wie viele unterschiedliche Tode ich vor der Kamera und auf der Bühne gestorben bin.

Ist es schwer, den eigenen Tod zu spielen?

Herrmann: Nicht nur beim Sterben will man gut vorbereitet sein. Da braucht es Recherche, Gespräche mit Ärzten. Was genau geschieht körperlich, wenn man erstickt, wie fällt man, wenn man standrechtlich erschossen wird? Da will ich schon genau sein. Gleiches gilt für die Darstellung von Behinderungen oder Handicaps wie z.B. Stottern. Im Publikum oder vor der Leinwand sitzen gegebenenfalls Menschen, die selbst betroffen sind. Denen will ich nicht auf die Füße treten.

Was bedeutet Ihnen ganz persönlich Freundschaft?

Herrmann: Ich bin in der glücklichen Lage, ein paar wirkliche Freunde zu haben. Sowas ist natürlich über Jahre gewachsen. Es gibt da ein fast grenzenloses Vertrauen, das Gefühl, einander zu verstehen und aufgehoben zu sein. Man kann sich eben aufeinander verlassen. Und selbst wenn man sich längere Zeit nicht sehen konnte, knüpft man, wie selbstverständlich, wieder da an, wo man auseinandergegangen war.

Was würden Sie privat für einen guten Freund tun? Wo liegen die Grenzen?

Herrmann: Also einen Mord, wie im Stück, würde ich nicht decken. Ich habe selbst zu viele Krimis gesehen, gelesen und gespielt, als dass ich nicht wüsste, dass am Ende doch alles herauskommt. Einen Freund in einer solchen Situation würde ich natürlich regelmäßig im Gefängnis besuchen.

www.theateramdom.de

Quelle: RP
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