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Elite-Einheit der Polizei Köln
Kurioses Foto: Höhenübung war wohl Abschiedsfeier

Elite-Einheit der Polizei Köln: Höhenübung war wohl Abschiedsfeier
Einem Hobby-Fotografen fiel die ungewöhnliche Szene im August 2014 ins Auge. Auf dem Pylon der Kölner Severinsbrücke stehen einige Männer, ein Hubschrauber umkreist die Brücke. FOTO: privat
Köln. Das Polizeipräsidium Köln ist in Erklärungsnot. Die angebliche Höhenübung eines Spezialeinsatzkommandos war offenbar nur eine Spaßveranstaltung. Das NRW-Innenministerium prüft den Fall. Von Thomas Reisener

Angeblich war es nur ein ganz normales Training. Trotzdem wird die "Höhenübung" einer Elite-Einheit des Polizeipräsidiums Köln vom 22. August 2014 jetzt neu aufgerollt. Denn offenbar steckte hinter der vermeintlichen "Übung" in Wahrheit eine private Abschiedsfeier. Eine mit Action-Anteil, wie es sich für den Ex-Chef der Kölner Spezialeinheiten, Andreas K., gehört. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) will den Vorgang prüfen.

Ein friedlicher Freitagvormittag am Rheinufer, gutes Wetter. Ein Passant traut seinen Augen nicht: Hoch oben auf dem Brückenpfeiler der Kölner Severinsbrücke springt ihm eine Menschengruppe ins Auge. Mehrere Personen in über als 70 Metern Höhe - begleitet von einem Polizeihubschrauber. Der Spaziergänger hat eine Kamera dabei und fotografiert. In der Vergrößerung sind fünf Personen zu erkennen, einer scheint Fotos zu machen. Die Männer sind augenscheinlich nicht gesichert - ein Sturz aus dieser Höhe wäre tödlich. Der Polizeihubschrauber greift nicht ein.

Der Freizeitfotograf ist sprachlos. Lebensmüde Kletterer? Dreharbeiten für einen Actionfilm? Er schickt die Bilder an eine lokale Zeitungsredaktion. Die Journalisten fragen im Polizeipräsidium Köln nach. Antwort: Beamte eines Kölner Spezialeinsatzkommandos (SEK) hätten trainiert, eventuell vorhandene Höhenangst zu überwinden.

Fast-Roping: Eine Trainingseinheit des SEK am Rhein FOTO: Ralph Matzerath

Nach außen scheint der Vorfall damit abgehakt. Aber intern sorgt der Zeitungsbericht für Aufruhr bei jenen rund 50 Elite-Polizisten, die nach Informationen unserer Redaktion mitmachen sollten. Denn sie hatten abgelehnt, weil sie auf Nachfrage den wahren Zweck der schrägen "Übung" in Erfahrung brachten: ein spektakuläres Abschiedsfoto für den Ex-Chef der Kölner Spezialeinheiten, Andreas K., und seinen Nachfolger Uwe M.

Dafür war die Stimmung in der Direktion "Besondere Aufgaben" damals zu angespannt. Es soll immer wieder Unstimmigkeiten mit der Führungsebene gegeben haben. Die Direktion untersteht Klaus Rüschenschmidt, der im Herbst wegen der Hooligan-Krawalle in Köln auch öffentlich in die Kritik geriet. Bei den Ausschreitungen wurden fast 50 Polizisten verletzt. Zu Rüschenschmidts Direktion gehören auch die Spezialeinheiten (SE) der Kölner Polizei: Unter anderem drei schwer bewaffnete Spezialeinsatzkommandos (SEK), die "Technische Einsatzgruppe" (TEG), die "Verhandlungsgruppe" (VG) und das "Mobile Einsatzkommando" (MEK).

Andreas K., der inzwischen eine Kriminalinspektion innerhalb des Kölner Polizeipräsidiums leitet, hängte das Abschiedsfoto in seinem neuen Büro auf. Es zeigt ihn, seinen Nachfolger Uwe M., den Chef der TEG (Mats B.) und den Leiter SEK/VG (Volker F.). Sie lächeln in luftiger Höhe vor dem Hintergrund der Kölner Skyline in die Kamera. Angeblich war nur einer von ihnen für eine solche Übung ausgebildet.

Auch der Hubschrauber, der die Männer bei ihrem Ausflug auf den Brückenpfeiler begleitet hat, ist nicht für Höhenübungen ausgerüstet: ein BK 117. Dieser Hubschraubertyp überwacht sonst eher den Verkehr. Für Höheneinsätze nutzt die Polizei sonst "Eurocopter 155". Die haben Seilwinden an Bord. "Eine besondere Eignung des Fluggerätes für einen Einsatz beim Höhentraining war nicht erforderlich", erklärt das Polizeipräsidium dazu auf Nachfrage. Die Besatzung habe "Übersichtsaufnahmen von einsatzrelevanten Örtlichkeiten im Kölner Stadtgebiet" gemacht.

Aus der allgemeinen Höhenübung, von der damals die Rede war, wird in der neuen Stellungnahme der Polizei "ein Höhentraining für Führungskräfte der Spezialeinheiten". Warum die Führungskräfte der Spezialeinheiten eine gesonderte Höhenübung brauchen, sagt das Polizeipräsidium nicht. Das Training habe darin bestanden, dass die Teilnehmer über innen angebrachte Leitern durch den Brückenpfeiler die oben liegende Plattform erklimmen.

Und die Sache mit dem Foto? Nach Darstellung des Polizeipräsidiums nur Nebensache: "Das Höhentraining wurde bewusst an diesem Tag durchgeführt, weil daran ausnahmsweise der langjährige, ehemalige Leiter der Spezialeinheiten teilnehmen sollte", so das Präsidium, "ihm sollte ein bei dieser Gelegenheit gefertigtes Bild als Abschiedsgeschenk durch Angehörige der Spezialeinheiten überreicht werden." Der Frage, ob sich Beamte geweigert haben, die Aktion zu begleiten, weicht das Präsidium aus: "Die Teilnahme an dem bezeichneten Höhentraining erfolgte ausschließlich auf freiwilliger Basis." Die Kosten der Übung seien unbekannt. Nach Branchen-Schätzungen kostet allein der Hubschrauber rund 50 Euro pro Minute.

Der Polizei-Experte der CDU im Düsseldorfer Landtag, Gregor Golland, hält die Erklärung des Polizeipräsidiums für "fragwürdig". Für ihn ist "erkennbar, dass hier polizeiliche Infrastruktur für eine sehr gefährliche private Veranstaltung missbraucht wurde", so Golland. Er will sich nun an NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) wenden, "um eine schriftliche Aufarbeitung des Vorgangs für das Parlament zu verlangen", wie Golland ankündigt.

Auf Anfrage unserer Redaktion sieht Innenminister Ralf Jäger nun auch selbst Klärungsbedarf. "Wir haben vom Kölner Polizeipräsidenten einen ausführlichen Bericht zu dem gesamten Vorgang angefordert", sagte sein Sprecher.

Quelle: RP
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