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Köln
Entdeckertour an der Südbrücke

Köln. Ausflugstipp: Seit 1910 verbindet die Bahnbrücke für den Güterverkehr das links- und das rechtsrheinische Köln. Ein Besuch des eindrucksvollen Baudenkmals ermöglicht einen besonderen Blick auf die Stadt und ihre Uferbereiche. Von Stephan Eppinger

Die Südbrücke ist in Köln die wohl am wenigsten bekannte Brücke - an ihr hängen kaum Liebesschlösser, und sie ist zumindest für den Autoverkehr auch kein Nadelöhr in der Großstadt. Trotzdem gehört die 1910 von der Königlich-Preußischen Staatseisenbahn für den Güterverkehr fertiggestellte Rheinbrücke zu den spannenden Bauwerken in Köln.

Sie sorgte nach ihrer Eröffnung vor gut 100 Jahren dafür, dass der Güterverkehr von der Hohenzollernbrücke in den Süden der Stadt verbannt werden konnte. Eine Feier zur Eröffnung gab es damals nicht, weil bei der Errichtung des mittleren Brückenbogens acht Arbeiter durch einen schweren Unfall starben.

Heute ist sie mit ihren auffälligen Brückenköpfen ein beliebter Ort für Film- und Fotoaufnahmen, in den rechtsrheinschen Treppenhäusern wird durchaus auch schon mal getanzt oder ein kleines Spontankonzert veranstaltet. Dort treffen sich am breiten Rheinuferstreifen Techno- und Elektrofreaks mit ihren laut wummernden Anlagen, während sich unweit davon Familien für ihr großes Picknick inklusive Grillen treffen oder auf den Poller Wiesen die bunten Drachen in den Himmel steigen.

Die Brücke selbst verfügt über zwei Geh- und Radwege, die gerade am Wochenende sehr rege genutzt werden. Dabei eröffnen sich insbesondere vom nördlichen Weg großartige Perspektiven auf den großen Fluss, den Rheinauhafen und die Altstadt mit dem Dom. Leider hinterlassen viele Besucher auch negative Dinge wie reichlich Müll im Bereich der Brücke.

Während der rechtsrheinische, mit vielen Graffiti verzierte Brückenkopf zum Aufstieg auf die Südbrücke genutzt werden kann, liegen die Bauwerke auf der anderen Uferseite brach. Dort führt nur eine freistehende Treppe zur Brücke hinauf. Der Brückenkopf selbst ist im Oktober vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege zum Denkmal des Monats gewählt worden. Damit soll auf den Zustand des Bauwerks und das künftige Nutzungspotenzial aufmerksam gemacht werden.

Errichtet wurden die imposanten Turm- und Portalbauwerke im neoromanischen Stil auf beiden Seiten des Rheins vom Berliner Architekten Franz Schwechten, der auch am Bau der Hohenzollernbrücke beteiligt war. Nach ihrer Zerstörung durch mehrere Bombentreffer 1945 im Zweiten Weltkrieg wurden sie genauso wie die Brücke selbst von 1946 bis 1950 wieder in vereinfachter Form aufgebaut.

Während die Gehwege zwischen 2009 und 2012 von der Stadt saniert wurden, befindet sich der linksrheinische Brückenkopf nach wie vor in einem Dornröschenschlaf. Die Treppentürme sind nicht öffentlich zugänglich. Über ein Sanierungskonzept müssten die Deutsche Bahn als Besitzerin der Brücke und die Stadt, die die Brückenköpfe einst in Auftrag gegeben hat, verhandeln. Finanziert werden müssten mögliche Arbeiten an den Bauwerken aus kommunalen Mitteln.

Quelle: RP
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