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Bildung
Erste Flüchtlinge bei den Ford-Werken

Köln. Joshua Michael und Tarik Muhamed Idriss sind die ersten Flüchtlinge, die sich bei Ford über das EQ-Programm für das Berufsleben qualifizieren.

Es war ein langer Weg hierher. "Da habe ich sechs Jahre verloren, die ich jetzt mit viel Lernen so gut wie möglich wieder aufholen möchte", sagt Tarik Muhamed Idriss hochmotiviert. 2010 entschloss er sich, alleine seine Heimat Eritrea zu verlassen. "Ich musste zum Militärdienst. Das bedeutet bei uns, ein Leben lang Soldat zu sein und im Krieg zu leben. Das wollte ich nicht", erklärt der heute 26-Jährige.

Über den Sudan kommt er nach Libyen und von dort bewältigt er mit dem Boot die gefährliche Meerespassage nach Italien. Später erreicht er über Frankreich seine neue Heimat Deutschland. Und auch hier dauert es lange, bis er endlich ins Berufsleben einsteigen kann. "Alleine der Asylantrag hat ein halbes Jahr in Anspruch genommen. Außerdem musste ich ja erst die Sprache lernen. Ich habe viel Zeit verloren, jetzt bin ich aber auf dem richtigen Weg."

Zusammen mit zwei weiteren Flüchtlingen wurde er bei Ford in das EQ-Programm aufgenommen - ein Vorpraktikum mit dem Ziel, junge Erwachsene so zu schulen, dass sie im Verlauf des maximal elfmonatigen Praktikums eine Lehrstelle, sei es bei Ford oder bei einem anderen Unternehmen, finden. Für Tarik Muhamed Idriss hat sich dieses Angebot nach knapp drei Monaten schon ausgezahlt - er hat gerade bei Ford eine Umschulung als Industriemechaniker begonnen.

Diesen Weg hat der in Pakistan geborene Joshua Michael, der mit seiner Familie mit dem Flugzeug von Karaci über Dubai nach Frankfurt kam, noch vor sich. "Eigentlich wollte ich gerne an die Uni, aber mein Abitur wird hier leider nur als Realschulabschluss anerkannt. Deshalb habe ich mich für eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker entschieden und suche aktuell noch eine Stelle", sagt der 20-Jährige. Seit März sind er und die beiden anderen Teilnehmer die ersten Flüchtlinge, die am EQ-Programm teilnehmen, das es bereits seit 1974 gibt. "Ein Teilnehmer hat das Programm bereits beendet, weil er einen Ausbildungsplatz in Aussicht hat", berichtet Volker Theißen, der bei Ford den Bereich Aus- und Weiterbildung leitet. Zum nächsten Programmstart im Oktober wird das Programm um weitere 24 Plätze aufgestockt, die speziell für Flüchtlinge reserviert werden.

Zum Programm gehören sozialpädagogischer Unterricht sowie Unterricht an der Berufsschule. Drei Tage in der Woche arbeiten die Teilnehmer im Betrieb mit. Für die teilnehmenden Flüchtlinge gibt es zusätzlich noch Deutschunterricht.

Joshua Michael und Tarik Muhamed Idriss sind vom Programm überzeugt: "Das spielt eine große Rolle auf dem Weg zu meinem Traumberuf. Mein Deutsch ist besser geworden und ich habe viele andere junge Leute kennengelernt, aber auch Mitarbeiter, die schon 30 Jahre bei Ford sind - das sind Vorbilder für mich. Gut war das auch für meine Zuverlässigkeit. Der Tag fängt bei uns sehr früh an, aber ich bin noch nie zu spät gekommen", sagt Idriss. Der Kontakt zu den Kollegen gefällt dem 26-Jährigen: "Die sind alle sehr nett, man respektiert sich. Und wenn man einen Fehler gemacht hat, bekommt man keinen Ärger, sondern Tipps, wie man es richtig macht."

Stephan Eppinger

Quelle: RP
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