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Bernd Petelkau
"Es bleibt immer ein Restrisiko"

Fall Henriette Reker: "Es bleibt immer ein Restrisiko"
Bernd Petelkau sprach mit unserer Redaktion. FOTO: dpa, obe
Köln. Der Kölner CDU-Chef Bernd Petelkau ist ein enger Vertrauter von Henriette Reker. Personenschutz für alle Politiker hält er nicht für realistisch. Taten wie diese vom Samstag lassen sich kaum vermeiden, sagt er im Interview mit unserer Redaktion. Von Thomas Reisener

Herr Petelkau, haben Sie jetzt Angst?

Petelkau Ich war Augenzeuge und stand keine zwei Meter von dem schrecklichen Attentat entfernt. Ich habe nicht direkt Angst. Aber das liegt daran, dass ich zufällig Glück gehabt habe, und weil den ersten ärztlichen Berichten zufolge auch alles gut ausgegangen ist. Aber es kann auch sein, dass der Schock erst mit ein paar Tagen Verzögerung wirkt.

Hat das Attentat Köln verändert?

Petelkau Die Kölner Politik stand immer schon über die Parteigrenzen hinweg eng beieinander. Wir konnten immer schon bei allem politischen Streit auch ein Kölsch miteinander trinken. Auch die Bevölkerung lebt hier in der Stadt eine ausgeprägte Willkommenskultur. Der Attentäter wollte Hass und Gewalt säen - das hat er nicht geschafft. Das hat auch die große Solidarität aller Parteien und der Bevölkerung spontan nach dem Attentat gezeigt.

Politiker genießen in der Bevölkerung nicht das höchste Ansehen. Hat das Attentat daran etwas geändert?

Petelkau Das wird man sehen. Ich glaube schon, dass dieses schlimme Ereignis den Menschen vor Augen geführt hat, dass auch Politiker verwundbare und verletzbare Menschen sind, die sich in ihren Wünschen und Ängsten nicht von anderen Menschen unterscheiden. Das wird jetzt vielleicht wieder stärker gesehen.

Brauchen Politiker mehr Schutz?

Petelkau Das geht nicht. Das kann man nicht realisieren. Es bleibt immer ein Restrisiko. Das perfide war ja: Der Attentäter hat Frau Reker um eine Rose gebeten, und sie hat ihm die Rose geschenkt. Er hat dann im Gegenzug das Messer gezückt. Das können sie nicht verhindern. Auch nicht durch Personenschützer.

Die Tat war offenbar fremdenfeindlich motiviert. Überfordert die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin die Menschen?

Petelkau Nein. Was wir als Politik schaffen müssen: Wir müssen wieder zur Tagesordnung übergehen. Das Flüchtlingsthema überstrahlt derzeit alle Debatten. Das verzerrt die Wahrnehmung. Die wenigsten Kölner sind von der Flüchtlingsthematik persönlich betroffen. Nicht einmal die, die direkt neben Flüchtlingsquartieren leben. Ich weiß das, weil ich viel mit den Bürgern dieser Stadt spreche.

Frau Reker ist ja noch im Krankenhaus. Wer regiert nun die Stadt?

Petelkau Der Krankenbericht aus der Klinik war ja sehr positiv. Wir hoffen alle, dass sie schnell genesen wird. Es wird keine lange Vakanz geben, wenn überhaupt. Den Rest regelt die Gemeindeordnung. Der Stadtdirektor ist Vertreter der Oberbürgermeisterin.

Quelle: RP
 
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