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Prozess in Köln
Familienvater raubte Homosexuelle aus

Prozess in Köln: Familienvater raubte Homosexuelle aus
Vor dem Kölner Justizgebäude (Symbolbild) FOTO: Hauser
Köln. Immer wieder hat ein 45-Jähriger homosexuelle Männer auf Parkplätzen zum Sex getroffen und sie dann ausgeraubt. Nun muss sich der dreifache Familienvater vor dem Kölner Landgericht verantworten.  Von Claudia Hauser, Köln

Zehn Jahre sind vergangen, seit Uwe G. (Namen geändert) auf einem Parkplatz an der A57 bei Köln-Worringen ausgeraubt wurde. Aber der Sozialpädagoge erinnert sich noch gut daran. "Der Parkplatz ist in der Schwulenszene bekannt, man trifft sich dort zum Sex", sagt der 33-Jährige am Dienstag im Kölner Landgericht.

Er sei jung gewesen damals, habe gerade erste sexuelle Erfahrungen gemacht und war "sicher auch ziemlich naiv", wie er sagt. Und so ließ er Louis K. in sein Auto steigen, die beiden kamen sich näher, doch Uwe G. bemerkte, dass der Fremde währenddessen an seiner Tasche auf dem Rücksitz herumnestelte, seine Geldbörse herausnahm und eine Kamera bereits in seiner Jacke versteckt hatte. Er stellte ihn vor dem Auto zur Rede, da sprühte Louis K. ihm Reizgas ins Gesicht. "Ich bin zurück zum Auto getaumelt, irgendwie losgefahren", sagt Uwe G. Louis K. habe noch gegen die Fahrertür getreten. "Ich wollte da nur noch weg."

Anonyme Treffen auf Autobahnparkplätzen

Uwe G. ist nicht das einzige Opfer des heute 45-jährigen Angeklagten, der sich nun wegen schweren räuberischen Diebstahls verantworten muss. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm einen zweiten Fall vor, bei Prozessauftakt wird deutlich, dass es noch sehr viel mehr sein dürften – aus Scham könnten die weiteren Opfer aber auf eine Anzeige verzichtet haben.

Fest steht, dass Louis K. drei Jahre nach dem Überfall auf Uwe G. an einem Parkplatz an der A44 bei Aachen dem heute 38 Jahre alten Mike W. signalisiert hat, dass er Sex mit ihm haben will. "Er sah nicht verkehrt aus, da dachte ich mir: Guck ihn dir mal an", sagt Mike W. Die Männer gingen in ein Gebüsch. "Er tat so, als wollte er Sex, da hörte ich auf einmal Geld klimpern und sah meinen Geldbeutel auf dem Boden liegen." Alles bis auf einen abgerissenen Hosenknopf sei weg gewesen, sagt der Zeuge.

Louis K. habe ihm weismachen wollen, die Börse sei von allein aus der Tasche gefallen, aus Schein ging Mike W. darauf ein, eine Taschenlampe aus seinem Auto zu holen, um das Geld zu suchen. "Ich dachte nur: Nichts wie raus aus dem Dunkeln, wer weiß, was der sonst macht."

Am Auto angekommen packte Mike W. Louis K. am Kragen und versuchte mit der anderen Hand, die Polizei anzurufen. Doch Louis K. habe ihm das Handy aus der Hand geschlagen, ihm Pfefferspray in die Augen gesprüht. Der Täter konnte wieder mitsamt Beute entkommen – doch er verlor dabei seine Baseballkappe, an der die Ermittler später DNA sichern konnten.

Mike W. sagt: "Ich dachte mir damals, dass der Typ die Masche bestimmt öfters abzieht und bin in den Tagen danach einige szenebekannte Parkplätze abgefahren." Und tatsächlich erkannte er den Angeklagten auf einem Parkplatz bei Kerpen wieder und rief die Polizei. Doch als ein Streifenwagen kam, war der Verdächtige spurlos verschwunden.

Opfer lehnt eine Entschuldigung ab

Der Angeklagte gesteht die Taten am ersten Prozesstag und entschuldigt sich bei den beiden Opfern: "Es tut mir furchtbar leid." Doch Mike W. lehnt die Entschuldigung ab. Er habe ihn damals auf dem Parkplatz bei Kerpen noch einmal angemacht, er selbst sei aber nicht ausgestiegen. "Aber ich hatte eine andere Frisur und ein anderes Auto: Du hast mich nicht erkannt", sagt er zum Angeklagten. Die Entschuldigung könne er sich also sparen.

Was genau den Angeklagten zu den Taten getrieben hat, bleibt unklar. Er hat bereits eine Haftstrafe verbüßt, weil er einen Homosexuellen in einem Sex-Kino beraubt und auch ihn mit Reizgas verletzt hat. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob der dreifache Familienvater etwas gegen Homosexuelle habe, reagiert er nur mit einem Kopfschütteln.

Ein Urteil wird für den 24. August erwartet.