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Flughafen Köln/Bonn
So erlebte ein Fluggast 20 Stunden Wartezeit

Flughafen Köln/Bonn: Meerbuscher wartete 20 Stunden auf Abflug mit Onur Air
20 Stunden wartete ein Meerbuscher auf seinen Flug mit Onur Air. FOTO: Onur Air
Köln. Statt Urlaubssonne gab es für Claus Grotenburg am Sonntag künstliches Licht: Einen Tag lang wartete er am Flughafen Köln/Bonn auf den Abflug einer Maschine nach Antalya. Besonders kritisch sieht der Meerbuscher das Verhalten der Fluggesellschaft Onur Air. Von Helene Pawlitzki

"Wie den letzten Dreck" habe man ihn und die anderen Passagiere behandelt, sagt Claus Grotenburg. Zusammen mit über 300 anderen Fluggästen hatten seine 15-jährige Tochter und er am Sonntag um 3.40 Uhr nach Antalya fliegen wollen. Doch wegen technischer Probleme verzögerte sich das Boarding - um 16 Stunden. "Von Seiten der Onur Air gab es keinerlei Informationen", kritisiert der 49-Jährige. "Alle zwei Stunden hieß es: In zwei Stunden gibt es neue Infos." Die Fluggesellschaft habe über Stunden keinen Vertreter vor Ort gehabt. Die Firma AHS, die das Boarding im Auftrag von Onur Air hätte durchführen sollen, sei "hilfreich, aber ahnungslos" gewesen.

Neben Informationen hätte sich Grotenburg Verpflegung gewünscht - aber auch da habe es gehapert. Gegen 12 Uhr seien die Passagiere mit Bussen in ein Hotel in Königswinter gefahren worden. Doch nach einem kleinen Frühstück und einer Stunde auf dem Zimmer seien seine Tochter und er geweckt worden. "Es hieß, die Busse seien wieder da und es gebe neue Informationen am Flughafen." Doch am Gate hätten die Fluggäste wiederum etwa anderthalb Stunden warten müssen. Bei dieser Gelegenheit seien auch Verzehrgutscheine im Wert von zehn Euro ausgeteilt worden.

Aus Sicherheitsgründen Reise abgebrochen

Bahn- und Flugverspätungen: Diese Rechte haben Sie FOTO: AP

Gegen 19 Uhr durften die mehr als 300 Passagiere schließlich das Flugzeug betreten. Doch bei der Fahrt zur Startbahn fiel offenbar eine Kontrolleuchte aus. Daraufhin fuhr der Pilot die Maschine wieder zurück zum Gate. "Da gab es im Flieger natürlich große Aufregung", erinnert sich Grotenburg. Die Bundespolizei kam an Bord und beruhigte die Lage. "Man hat uns dann gesagt: Jeder muss für sich überlegen, ob er fliegen will." Er habe sich für die Sicherheit seiner Tochter entschieden, weil er nicht geglaubt habe, dass die Airline das Problem in den Griff kriegen werde.

Wie er verließ etwa die Hälfte der Passagiere das Flugzeug. Doch auf ihr Gepäck warteten die Reisenden vergeblich. Ein inzwischen eingetroffener Vertreter von Onur Air habe gesagt, der Pilot weigere sich, Koffer und Taschen auszuladen. Grotenburg und seine Tochter mussten also am nächsten Morgen noch einmal zum Flughafen Köln/Bonn kommen. "Unser Gepäck stand unbewacht in der Gegend herum." Das Fazit des Meerbuschers: "Eine bodenlose Frechheit."

Kritik an Flughafen und der Airline

Auch, dass der Flughafen Köln/Bonn tagsüber keine Vertreter zu den Wartenden geschickt habe, ärgere ihn, so Grotenburg. Flughafensprecher Alexander Weise wies auf Anfrage unserer Redaktion diese Kritik jedoch zurück. "Als abends klar war, dass der Flieger erneut nicht starten kann, haben wir Wasser, Decken und Kissen ausgeteilt." Eigentlich sei das die Aufgabe des Boarding-Dienstleisters AHS gewesen. AHS selbst wollte sich auf Anfrage mit Hinweis auf die Verträge mit Onur Air nicht äußern.

Aybars Balabaner, der Europachef von Onur Air, äußerte auf Anfrage Bedauern über die Geschehnisse am Sonntag. "Mir tut es leid, dass das passiert ist - gerade zu dieser Jahreszeit und als viele Kinder unter den Passagieren waren", sagte er. Er bitte jedoch um Verständnis dafür, dass Diagnose und Lösung der technischen Probleme sehr zeitintensiv gewesen seien. Man habe an verschiedenen Standorten nach Reparaturteilen gesucht. Eine so große Maschine wie die am Sonntag eingesetzte A330 zu ersetzen, sei sehr kompliziert. "Am Ende geht Sicherheit vor." Zu den Informations- und Versorgungsrichtlinien seiner Airline sagte Balabaner, eigentlich müssten alle vier Stunden Versorgungsgutscheine verteilt werden. Warum das unterblieben sei, sei ihm nicht bekannt.

Mehrere Urlaubstage verloren

Claus Grotenburg will sich auf jeden Fall um Entschädigung durch die Fluglinie bemühen. Das dürfte allerdings noch etwas dauern. Zunächst wollen seine Tochter und er sich von ihrem stressigen Sonntag am Flughafen erholen: in Antalya, wo sie die restlichen vier Urlaubstage verbringen. Fliegen werden sie diesmal nicht mit Onur Air.

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