| 14.26 Uhr

Kölns Ex-Regierungspräsident zu Übergriffen
Antwerpes: "Das interessiert die Kölner nicht"

Übergriffe in Köln: Was wir wissen – was wir nicht wissen
Übergriffe in Köln: Was wir wissen – was wir nicht wissen
Köln. Die Übergriffe gegen Frauen auf dem Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht haben deutschlandweit für Aufsehen und Empörung gesorgt. Sogar die "New York Times" berichtet darüber auf ihrer Titelseite. Der SPD-Politiker Franz-Josef Antwerpes, der von 1978 bis 1999 Kölner Regierungspräsident war, hat dagegen eine eigene Sicht der Dinge. Fragen an den 81-Jährigen, der publizistisch tätig ist. Von Detlev Hüwel

Herr Antwerpes, schaden die Übergriffe dem Image der Stadt Köln dauerhaft?

Antwerpes Das glaube ich nicht. Ähnliches hat es ja auch in anderen Städten gegeben, wenn auch nicht in seiner so dramatischen Dichte. Ich glaube dennoch nicht, dass sich das negativ auswirkt.

Dennoch: Wenn vom Kölner Hauptbahnhof die Rede ist, überkommt einen derzeit schon ein Schauer…

Antwerpes Das ist vorübergehend. Glauben Sie nur ja nicht, dass das die Kölner auf die Dauer interessiert, wie der Hauptbahnhof einzuschätzen ist. Die Kölner interessieren sich für solche Ereignisse nur am Rande. Für den normalen Kölner ist das nichts Besonderes.

Das überrascht. Wenn man sich die Kölner Zeitungen anschaut…

Antwerpes Das sagt nichts. Die Kölner Zeitungen sind nicht das Sprachrohr der Leute.

Sie sagen also, die Berichte über die Übergriffe in der Silvesternacht prallen an den Kölnern ab. Sind die Kölner so?

Antwerpes Ja. Das muss man deutlich sagen. Durch solche Ereignisse sind die nicht aus der Ruhe zu bringen.

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat den Frauen geraten, eine Armeslänge weit auf Distanz zu Männern zu gehen. Wie haben Sie das empfunden?

Antwerpes Das sind Vorschläge, die kommen aus dem Herzen und haben wenig mit Vernunft zu tun.

Was wäre vernünftig, mehr Polizeipräsenz?

Antwerpes Darauf wird es hinauslaufen. Die Zahl der Polizisten war am Silvesterabend zu gering.

Frau Reker ist für ihre Verhaltensempfehlung heftig kritisiert worden. Das ist kein guter Start für die neue OB, oder?

Antwerpes Nein. Das ist kein Super-Start. Sie hat wohl selbst gemerkt, dass sie übers Ziel hinausgeschossen ist.

Ist sie für das Kölner Spitzenamt die richtige Person?

Antwerpes Das kann man jetzt noch nicht sagen. Das wird sich an anderen Dingen zeigen, vor allem daran, wie sie die Stadtverwaltung führt und ob sie sich durchsetzen kann.

Detlev Hüwel stellte die Fragen.

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