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Geflohener Vergewaltiger
Peter B. darf wohl auch weiterhin das Gefängnis verlassen

Gefasster Vergewaltiger darf auch weiterhin das Gefängnis verlassen
Aus der JVA Aachen wird Peter B. nach Werl verlegt. FOTO: dpa, mb
Köln. Der nach dreitägiger Flucht in Brühl gefasste Vergewaltiger Peter B. wird wohl auch in Zukunft unter Aufsicht das Gefängnis verlassen dürfen. Denn darauf hat er nach Angaben des Justizministeriums einen gesetzlichen Anspruch. 

Gesetzlich habe B. als Sicherungsverwahrter Anspruch auf die sogenannten Ausführungen, sagte der Sprecher des NRW-Justizministeriums, Detlef Feige, am Montag: "Ihm sie zu verwehren, ist sehr schwierig." Der 58-Jährige könne dagegen klagen. Die wahrscheinlichste Variante sei daher, die Sicherungsvorkehrungen bei ihm zu verstärken und ihn bei Verlassen der Justizvollzugsanstalt zu fesseln.

Der verurteilte Vergewaltiger war zwei Justizvollzugsbeamten am Mittwoch in einem Kölner Brauhaus bei einem seiner bewachten Ausflüge entkommen. Nach Angaben der JVA Aachen hatte er sich zuvor stets tadellos verhalten und trug deswegen keine Fessel.

Erst am Samstag wurde er im nahen Brühl wieder gefasst, nachdem er mit einer EC-Karte ein Fahrrad gekauft hatte. Die Karte habe dem 58-Jährigen wohl selbst gehört, sagte Ministeriumssprecher Feige. In der JVA habe er etwas Geld mit einem Job verdient und es in Köln für Kleidung ausgeben wollen. Warum er die Karte allerdings bei sich trug und sie nicht einer der Beamten verwahrte, werde noch geklärt. 

In die JVA Aachen soll der 58-Jährige nun nicht mehr zurückkehren.
Noch am Montag sollte er in das Gefängnis in Werl gebracht werden, erklärte das Ministerium. Über kurz oder lang wäre er sowieso dorthin gekommen, weil Werl alle Sicherungsverwahrten aus NRW übernehme. Die beiden Justizvollzugsbeamten aus Aachen sind selbst mittlerweile ein Fall für die Justiz. Die JVA stellte Strafanzeige gegen sie. Die Prüfung dauere noch an, sagte der Kölner Staatsanwalt Benedikt Kortz.

Keine zusätzliche Strafe für die Flucht

Wo der 58-Jährige während seiner dreitägigen Flucht war, ist noch unklar. Die Ermittler wollten sich dazu am Montag nicht äußern. Die Polizei in Bonn versuchte in diesem Zusammenhang, ein Sexualdelikt an einer Haltestelle in Bornheim aufzuklären, dem am Freitagabend eine 21-Jährige zum Opfer gefallen sei.

Einige von Zeugen beschriebene Merkmale des Angreifers - etwa seine Größe und seine Stiefel - hätten zu dem zu diesem Zeitpunkt noch flüchtigen 58-Jährigen gepasst, sagte ein Polizeisprecher. Andere - wie das geschätzte Alter - allerdings nicht. In seiner Vernehmung habe der Mann bestritten, für die Tat verantwortlich zu sein. Es werde weiterhin in alle Richtungen ermittelt.

Sollte sich der 58-Jährige auf seiner Flucht nichts haben zuschulden kommen lassen, droht ihm kein neuer Prozess. Eine Flucht ist nach Angaben des Ministeriums nicht strafbar.

 

(dpa)
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