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Köln
Generation unter dem Hakenkreuz

Köln: Generation unter dem Hakenkreuz
Ein Teil der neuen Ausstellung widmet sich den Lebenswelten und Erziehungsinstanzen in der NS-Zeit. Dazu gehört neben dem Elternhaus und der Kirche auch die Schule. Gerade die Volksschule bereitete der Ideologie der Nazis und ihrer Jugendorganisationen den Boden für eine erfolgreiche Arbeit. FOTO: Stephan Eppinger
Köln. Neue Ausstellung im Kölner NS-Dok widmet sich der Hitlerjugend. Vier Jahre Forschungsarbeit stecken in der Schau Insgesamt wurden 45 Zeitzeugen befragt. Nach dem 12. März soll die Austellung auf Wanderschaft gehen. Von Stephan Eppinger

Kinder, die stolz preußische Pickelhauben tragen, oder versuchen, militärische Grüße nachzuahmen - Sie waren für das NS-Regime das "Volk von morgen" und besonderer Adressat der groß angelegten NS-Propaganda. Für sie mussten Organisationsformen gefunden werden, um möglichst perfekt die Indoktrination wirken zu lassen. Gefunden wurde diese in der Hitlerjugend (HJ) und im Bund deutscher Mädel (BDM). Waren es 1932 noch 108 000 Zehn- bis 18-Jährige in der HJ, zählt die Organisation 1939 knapp 8,7 Millionen Mitglieder.

Mit einer Sonderausstellung widmet sich das NS-Dok am Appellhofplatz unter dem Titel "Jugend im Gleichschritt" dem Thema Hitlerjugend. Hier ist eine wissenschaftliche Arbeit aus dem Jahr 1955 immer noch das Standartwerk. Weitere, neue Forschungsergebnisse gibt es kaum. "Das Bild, das wir bis heute von dieser Jugendorganisation vorfinden, ist immer noch von der NS-Ideologie geprägt und vermittelt das Bild der formierten Jugend, wo alle im Gleichschritt marschieren", sagt Kurator Martin Rüther.

Vier Jahre forschen er und andere Historiker des NS-Dok für diese Schau, die als Wanderausstellung künftig auf Reisen gehen soll. "Die Quellenlage zur Hitlerjugend ist desaströs, besonders was die unteren Ebenen der Organisation angeht. Nach Kriegsende wurden viele Unterlagen zerstört. So ist der reale Alltag nur schwer darstellbar", sagt Rüther. Diese Lücke sollte im Forschungsprojekt mit der Befragung von Zeitzeugen geschlossen werden. Insgesamt gab es 45 Gesprächspartner. Ihre Aussagen sind das Herzstück der Ausstellung, die bis zum 12. März zu sehen ist.

Das Bild, das sich ergab, ist äußerst vielfältig. So finden sich gerade auf dem Land Situationen, wo es den Nazis mit ihrer Jugendorganisation nur bedingt gelungen ist, alte Strukturen aufzubrechen und wo die HJ-Uniformen nur dann getragen wurden, wenn hochrangige Funktionsträger vor Ort waren. Dagegen verstanden viele Mädchen die Angebote des BDM als eine Art Befreiung, da es für sie vor der Nazizeit kaum Möglichkeiten gab, aktiv zu werden und beispielsweise offen Sport zu treiben.

Perfide waren die Methoden der Nazis, um mit der HJ und ihren Aktivitäten ihre Ideologie zu transportieren. Dies geschah beispielsweise mit den Liedern, die dort gesungen wurden und deren Texten den Zeitzeugen bis heute Wort für Wort im Gedächtnis geblieben sind. Aus anfänglichen "Räuber und Gendarmspielen" wurde schon bald eine eiskalt geplante Vorbereitung der Jugend auf den bevorstehenden Krieg. Das zeigt sich unter anderem in Schießübungen zur Wehrertüchtigung. Gezielt wurden bei den jungen Menschen Hemmungen abgebaut, wenn es darum ging, gegenüber möglichen Gegnern Gewalt bis zum Töten anzuwenden. Viele zogen so angespornt begeistert in den Krieg.

Aufgebaut ist die Ausstellung in mehreren Themenblöcken. Der erste widmet sich nicht direkt der HJ, sondern den Lebenswelten und Erziehungsinstanzen, mit denen die Jugend im Dritten Reich aufwuchs. Es geht um das Elternhaus, um die Schule und um die Kirche. So war die Volksschule einer der Motoren für die Jugendbewegung der Nazis, weil dort Werbung dafür gemacht wurde. Beleuchtet wird auch der Unterschied vom Leben in der Stadt und auf dem Land. In späteren Abschnitten geht es um den Aufbau sowie die Arbeit und Ziele der Hitlerjugend.

Die gesamte Ausstellung ist auch per Web-App zugänglich, wo auch die Filme mit den Zeitzeugen abgerufen werden können.

Quelle: RP
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