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"Ming Sprooch"
Google Translate op Kölsch

Populäre Rheinland-Irrtümer
Populäre Rheinland-Irrtümer FOTO: RP, Andreas Bretz
Köln. Manuel Schulz ist der Sohn von "Zugezogenen". Obwohl zu Hause kein Kölsch gesprochen wurde, liebt er den Klang und setzt sich mit der Übersetzungswebsite "Ming Sprooch" für die Völkerverständigung ein - zwischen Köln und dem Rest von Deutschland. Von Verena Patel

"Ming Sprooch" funktioniert ähnlich wie Google Translate: Man kann ein Wort oder einen ganzen Satz eingeben und das System spuckt die Übersetzung aus - allerdings werden Wörter 1:1 übersetzt. Bestimmte Wörter und Redewendungen hat Manuel Schulz, der hauptberuflich als Web-Entwickler arbeitet, eingespeist. "Es gibt auch ganze Zeilen aus kölschen Liedtexten, die ich zugrunde gelegt habe", erklärt der 35-Jährige sein Vorgehen im Gespräch mit unserer Redaktion.

"Kölsche Tön" kann vieles bedeuten

So übersetzt die Software zum Beispiel "Blos dir jet" mit "Blase dir etwas", und wer schon immer darüber rätselte, was der Kölner mit "verzäll" meint, bekommt die Auflösung per Klick: "Erzählung". Auch Klassiker wie "Ich liebe Köln" kann das System einwandfrei übertragen in "Ich Leeve Colonia". Bei "Kölsche Tön" liefert die Website eine Auswahl an möglichen Übersetzungen. "Tön" hat viele Bedeutungen: Neben "Töne" kann es auch "Schwierigkeiten" oder "Späße" heißen. An seine Grenzen stößt der Translator allerdings bei Sätzen wie "Jangk mir aus de Föß" oder "Anna, ming Droppe!".

Die Website "Ming Sprooch" ist an Googles Übersetzungsprogramm Translate angelehnt. FOTO: Sreenshot Ming Sprooch

Seine Motivation für "Ming Sprooch" entstand aus dem eigenen Wunsch, Kölsch besser zu beherrschen, sagt Manuel Schulz. "Mein Vater stammt aus Dresden, meine Mutter aus Heidelberg, also wurde bei uns zu Hause kein Kölsch gesprochen", sagt Schulz, der in Köln-Wahn aufgewachsen ist. "Am Anfang haben sich meine Eltern schwer getan mit der Sprache. Und auch ich selbst würde gern besser Kölsch sprechen, nur leider waren Kölsch-Kurse oft schon ausgebucht, wenn ich mich dafür anmelden wollte."

"Popokopp" bleibt "Popokopp"

An "Ming Sprooch" feilte er etwa ein Jahr lang, bevor die Seite online ging. Auch seitdem kümmert er sich immer wieder um Verbesserungen. So arbeitet der Web-Entwickler derzeit an einem Formular, das User nutzen können, um Übersetzungen vorzuschlagen.

Manuel Schulz ist Web-Entwickler und würde gerne besser Kölsch sprechen. Er hat "Ming Sprooch" erfunden. FOTO: Manuel Schulz

An Schulz' eigenem Lieblingswort auf Kölsch scheitert allerdings die Übersetzungswebsite: "Popokopp" (sinngemäß: "Du bist ne Jeck") ergibt auch auf Hochdeutsch "Popokopp". Doch Schulz hat sich selbst für den Fall, dass bei der Übersetzung etwas schief läuft, etwas einfallen lassen. "Dat es schad! Et jab wohl en Problemsche bei dr Översetzung" ist dann zu lesen. 

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(vpa)
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