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Bundesanwaltschaft erwirkt Haftbefehl
Attentäter wählte Henriette Reker gezielt als Opfer aus

Fotos: Henriette Reker – OB in Köln und Attentats-Opfer
Fotos: Henriette Reker – OB in Köln und Attentats-Opfer FOTO: dpa, obe jhe
Köln. Nach der Messerattacke auf die neue Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat nun die Bundesanwaltschaft Haftbefehl gegen den Angreifer erwirkt. Die Behörde wirft ihm versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung aus fremdenfeindlichen Motiven vor. Er habe Reker gezielt als Opfer ausgesucht, sagen die Ermittler.

"Nach den bislang geführten Ermittlungen hat der Beschuldigte Henriette Reker wegen ihres Engagements bei der Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen in Köln gezielt als Tatopfer ausgewählt", teilte die Behörde am Mittwoch in Karlsruhe mit.

Mit seiner Tat habe der Verdächtige ein Zeichen setzen wollen "gegen die aus seiner Sicht immer weiter steigende Anzahl von Ausländern in Deutschland und die dieser Entwicklung zugrunde liegenden politischen Entscheidungen", erklärte die Bundesanwaltschaft. Der 44 Jahre alte Mann habe außerdem vier weitere Menschen verletzen wollen. 

OB-Kandidatin Reker in Köln bei Messerangriff verletzt FOTO: ANC-NEWS

"Die Tat ist damit der vorläufige Höhepunkt in einer ganzen Reihe von Einschüchterungen und Bedrohungen gegen Personen, die sich zugunsten von Flüchtlingen und deren Aufnahme in Deutschland engagieren", heißt es bei der Bundesanwaltschaft. Reker wird als eine "dem Beschuldigten verhasste Symbolfigur" beschrieben, "mit deren Beseitigung ein Klima der Angst bei allen in diesem Bereich engagierten Personen und eine entsprechende Signalwirkung erzeugt werden sollte", wie es in einer Pressemitteilung der Generalbundesanwaltschaft heißt.

Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft Köln die Ermittlungen gegen den Beschuldigten geführt. Am 19. Oktober hatte dann die Bundesanwaltschaft das Ermittlungsverfahren wegen des "spezifischen staatsgefährdenden Charakters der Tat" und der "besonderen Bedeutung des Falls" übernommen.

Entsetzen in Köln nach Attentat auf Reker FOTO: dpa, fg htf

Der Beschuldigte wurde am Dienstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt, der ihm den Haftbefehl eröffnet und die Fortdauer der Untersuchungshaft angeordnet hat.

Die parteilose Henriette Reker war einen Tag vor ihrer Wahl zur Oberbürgermeisterin niedergestochen worden. Sie musste notoperiert werden.

Fotos: NRW-Spitzenpolitiker bilden Menschenkette FOTO: dpa, obe

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(lsa/lnw/AFP)