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Nach Anschlag auf Henriette Reker
Spontane Solidaritätskundgebung in der Schildergasse

Solidaritätskundgebung nach Attentat auf Reker
Solidaritätskundgebung nach Attentat auf Reker FOTO: dpa, obe htf
Köln. Nach dem Anschlag auf die Kölner OB-Spitzenkandidatin Henriette Reker sind am Samstag um 14 Uhr Mitglieder aller Parteien und rund 200 Bürger auf einer spontanen Solidaritätskundgebung in der Kölner Schildergasse zusammen gekommen. Am Abend soll es vor dem Rathaus eine weitere Kundgebung mit den Spitzen der NRW-Regierung und Parteien  geben. Von Thomas Reisener

"Ich habe heute mit der Bundeskanzlerin telefoniert. Sie ist tief betroffen", sagte CDU-Chef Armin Laschet. Die parteipolitischen Interessen müssten jetzt hinter dem demokratischen Gesamtinteresse zurückstehen. "Die ganze Bundesrepublik ist schockiert", so Laschet. Die Düsseldorfer Regierungspräsidentin Anne Lütkes (Grüne) rief die Kölner dazu auf, "jetzt erst recht dafür zu sorgen, dass das morgen eine gute Wahl wird." Lütkes, die in Köln das Wählerbündnis "Wählerinitiative Reker - WIR" unterstützt, sagte: "Gehen Sie wählen. Köln darf sich weder von Verrückten noch von Extremen unter Druck setzen lassen."

Am Vormittag hatte ein 44-jähriger Mann Henriette Reker attackiert. Augenzeugen sagen später, dass er zwei Messer bei sich trug und die OB-Kandidatin gezielt angegriffen habe. Ein Stich trifft die 58-Jährige in den Hals, sie wird schwer verletzt und muss notoperiert werden. Ersten Ermittlungen zufolge war Fremdenhass das Motiv für die Bluttat.

Ähnlich wie Lütkes und Laschet äußerten sich auf der Kundgebung auch Vertreter aller anderen Parteien, die im Kölner Stadtrat vertreten sind. FDP-Fraktionschef Ralph Sterck, der am Vormittag Augenzeuge des Attentats war, berichtete am Rande der Kundgebung gegenüber Passanten weitere Details. "Der kam auf Frau Reker zu und fragte, ob sie eine Rose von ihm annehmen würde. Da sagt ja jeder erstmal ja. Dann hat er ein Messer gezogen", so Sterck. Die stellvertretende Vorsitzende der SPD in Köln, Gabriele Hammelrath bedankte sich bei Passanten, die spontan bei der Kundgebung stehenblieben und zum Teil noch gar nichts von dem Attentat wussten. "Ich finde es mutig und gut, dass Sie jetzt hier mit uns für ein demokratisches Köln demonstrieren", sagte Hammelrath. 

Ganz wohl war den Wahlkämpfern bei der Kundgebung nicht. "Lass uns aussen herum aufstellen. Falls sowas gleich nochmal passiert", sagte zum Beispiel ein CDU-Wahlkämpfer zu seinen Parteifreunden, die daraufhin tatsächlich ausschwärmten. Auch der Kölner CDU-Chef Bernd Petelkau, der am Vormittag ebenfalls Augenzeuge des Attentats war, stand noch sichtlich unter dem Einfluss der schlimmen Ereignisse. Die meisten Parteifreunde und Bürger, die ihn ansprachen, wies Petelkau kopfschüttelnd ab. Kurz nach der Kundgebung brachten ihn Freunde nach Hause.

Carsten Hegermann, der nichts mit dem Kölner Wahlkampf zu tun hat und "zufällig beim Einkaufsbummel" an der Kundgebung vorbeikam, brachte die Stimmung vieler Bürger gestern in der Kölner Innenstadt so auf den Punkt: "Ich interessiere mich nicht für Politik. Aber selbst ich habe verstanden, dass Politiker sich für die Allgemeinheit einsetzen. Das muss ein Irrer gewesen sein."

Kundgebung am Abend

Am Samstagabend ab 18 Uhr kommen die Spitzen der NRW-Regierung und Parteien in Köln zu einer weiteren Solidaritätskundgebung zusammen. Vor dem Kölner Rathaus wollen sie unter dem Motto "Demokraten gegen Gewalt" eine Menschenkette bilden, wie eine Sprecherin der Staatskanzlei mitteilte. An der Kundgebung nehmen unter anderem Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), NRW-CDU-Chef Armin Laschet, der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner sowie Grünen-Politiker teil.

(RPO)
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