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Angriff auf OB-Kandidatin Henriette Reker
Attentäter soll rechtsextreme Vergangenheit haben

Henriette Reker:  Täter soll rechtsextreme Vergangenheit haben
Ein Foto der Tatwaffe hängt bei der Pressekonferenz zum Attentat auf Reker im Polizeipräsidium an einer Wand. FOTO: dpa, hka htf
Köln. Die Polizei in Köln hat auf einer Pressekonferenz Informationen zum Täter bekanntgegeben. Demnach sei er polizeilich nicht bekannt gewesen. Nachbarn beschrieben ihn zudem als unauffällig. Am Abend wird bekannt, dass der Täter eine Neonazi-Vergangenheit hat. Auch das Motiv für die Tat scheint klar: Der Mann handelte aus Fremdenhass. Von C. Schwerdtfeger und U. Felten

Der 44-Jährige, der am Samstagmorgen auf einem Wochenmarkt im Kölner Stadtteil Braunsfeld ein Attentat auf OB-Kandidatin Henriette Reker verübt hatte, sei unter anderem von einem Bundespolizisten überwältigt worden. Dieser sei zufällig am Tatort gewesen.

"Zum jetzigen Zeitpunkt deuten die Zeugenaussagen (...) darauf hin, dass in der Tat fremdenfeindliche Motive des Täters ausschlaggebend waren", sagte der ermittelnde Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn. Auch der festgenommene Täter selbst habe fremdenfeindliche Motive für den Grund seiner Tat angegeben, betonten die Ermittler.

Attentate auf Politiker in Deutschland FOTO: ap

Der Attentäter sei von Beruf Maler und Lackierer gewesen, allerdings seit vielen Jahren arbeitslos und Hartz-IV-Empfänger. Er lebte alleine im Stadtteil Nippes. Am Abend wurde er von einem Psychiater begutachtet.

Der festgenommene Mann mit deutscher Staatsangehörigkeit hatte nach Angaben der Ermittler zwei Messer bei sich und griff Reker gezielt an. Der Angreifer habe für die Tat fremdenfeindliche Motive angegeben, sagte Norbert Wagner, Leiter Direktion Kriminalität. Nach der Festnahme habe er allgemeine Angaben zur Flüchtlingspolitik gemacht, den Namen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dabei nicht erwähnt. Die Polizei teilte am Abend, dass der Angreifer weiter in ihrem Gewahrsam sei. Am Sonntag werde der Staatsanwalt weitere Entscheidungen treffen.

OB-Kandidatin Reker in Köln bei Messerangriff verletzt FOTO: ANC-NEWS

Täter soll schon vor 20 Jahren Kontakt zur rechten Szene gehabt haben

Einem Bericht von "Spiegel Online" zufolge hatte der Täter vor Jahren Kontakte in die rechtsextremen Szene. Der aus Bonn stammende Mann soll sich Anfang der 90er Jahre in den Reihen der später verbotenen rechtsextremen Freiheitlichen Deutschen Arbeitspartei (FAP) engagiert haben. Sowohl 1993 als auch 1994 hat der Mann demnach an Rudolf-Hess-Gedenkmärschen in Fulda und Luxemburg teilgenommen. Die FAP galt als besonders aggressive Neonazi-Partei, aus deren Reihen auch rassistische Gewalttaten verübt wurden.

Entsetzen in Köln nach Attentat auf Reker FOTO: dpa, fg htf

Der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers bestätigte, was unsere Redaktion bereits zuvor gemeldet hatte: "Es gab im Vorfeld keine Anschlagsdrohung." Reker habe ernsthafte Verletzungen im Halsbereich erlitten. "Aktuell ist sie stabil, aber nicht über den Berg" , betonte  Albers.

Reker war in der Stadt Köln für die Flüchtlingspolitik zuständig. Gleich nach der Tat sagte der Täter: "Ich musste es tun. Ich schütze euch alle." Kölns aktueller OB Jürgen Roters (SPD) sagte auf der Pressekonferenz, dass er tief erschüttert sei. "Ich kann es nicht fassen", sagte er. Die Stadt halte den Atem an. "Diese Tat ist nicht nachzuvollziehen. Es war nicht nur ein Anschlag auf das Leben von Reker, sondern auch ein Anschlag auf die Demokratie." 

Fünf Notärzte im Einsatz

Der Notruf bei der Feuerwehr war am Morgen um 9.04 Uhr eingegangen. Zunächst hieß es nur, dass eine Frau verletzt und ein Mann mit einem Messer gesehen wurde, erklärte ein Sprecher der Feuerwehr. Sechs Minuten und 35 Sekunden später sei der erste Rettungswagen am Tatort angekommen. Später waren insgesamt fünf Notärzte im Einsatz, darunter der Arzt des Rettungshubschraubers.

Es gibt zwei Schwerverletzte, darunter Reker, zwei Menschen mit mittelschweren Verletzungen und einen Leichtverletzten. Zu den Opfern gehören auch eine Kölner CDU-Politikerin und eine FDP-Ratsfrau, außerdem zwei Bürger, die sich zufällig am Wahlkampfstand aufhielten.

Die Wahl findet trotz des Attentats wie geplant am Sonntag statt. Die Wahlleiterin Gabriele Klug appellierte an die Kölner, nach dem Angriff auf Reker auf jeden Fall wählen zu gehen. Alle Parteien stoppten aber den Wahlkampf. Fritz Schramma (CDU), Kölns früherer Oberbürgermeister, ließ im WDR verlauten, Reker werde am Sonntag auf der Intensivstation ihre Stimme abgeben.

Am Samstagabend setzten die Spitzen der NRW-Politik ein Zeichen gegen Gewalt. Vor dem Kölner Historischen Rathaus begannen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), NRW-CDU-Chef Armin Laschet, der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner sowie Grünen-Politiker eine Menschenkette zu bilden. "Wir stehen hier zusammen als Demokraten, um ein Zeichen zu setzen gegen diese verabscheuungswürdige Tat", sagte Kraft.

Alle aktuellen Informationen zum Angriff auf Henriette Reker finden Sie hier.

mit Agenturmaterial

(RP/dpa)
 
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