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Ibrahim Abou Nagie
Ein Hassprediger und verurteilter Sozialhilfe-Betrüger

Ibrahim Abou Nagie: Hassprediger und verurteilter Sozialhilfe-Betrüger
Ibrahim Abou Nagie stand wegen gewerbsmäßigen Betrugs bereits vor Gericht. FOTO: dpa, hka fdt
Der radikal-islamistische Prediger Ibrahim Abou Nagie aus Köln ist Initiator der Kampagne, die in allen deutsche Haushalten einen Koran platzieren wollte. Bei der Razzia am Dienstag traf die Polizei ihn aber nicht an – Nagie ist mit seiner Mission derzeit in Malaysia unterwegs. Von Claudia Hauser, Köln

Den Koran hatte Ibrahim Abou Nagie immer dabei – auch bei einer Gerichtsverhandlung im Februar dieses Jahres, als er sich in Begleitung seiner beiden Anwälte wegen gewerbsmäßigen Betruges vor dem Kölner Amtsgericht verantworten musste. Im Foyer ließ er sich gerne von den Fotografen ablichten und nickte seinen Anhängern wohlwollend zu, die den Prozess als Zuschauer verfolgten.

Unterstützer verteilten Korane in Fußgängerzonen

Abou Nagies Ziel war es, ein Exemplar des Korans in jeden deutschen Haushalt zu bringen. Seine Kampagne "Lies!" machte die radikal-salafistische Vereinigung "Die wahre Religion" bekannt. In Fußgängerzonen und am Rande von Wochenmärkten verteilten Mitglieder des Vereins kostenlose Korane. Strafbar ist das nicht. Doch für den Verfassungsschutz, der den salafistischen Prediger Abou Nagie seit Jahren beobachtet, ist die Koran-Aktion ohnehin nur ein Mittel, um die verfassungsfeindliche Ideologie des Vereins bekannt zu machen und Unterstützer anzuwerben.

Bilder der Großrazzia gegen Salafisten FOTO: dpa, hpl

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums wurden vor allem junge Männer angeworben, unter denen "eine kämpferisch-aggressive Grundhaltung geschürt wurde". Dies reiche bis zum Aufruf von Gewalt – das Ministerium geht davon aus, dass mindestens 140 Aktivisten und Unterstützer nach Syrien oder in den Irak gereist sind, um sich dem Kampf terroristischer Gruppierungen wie dem "Islamischen Staat" anzuschließen.

Palettenweise Koran-Exemplare beschlagnahmt

Nach dem Verbot der Vereinigung "Die wahre Religion" wurden am frühen Dienstag bundesweit Gebäude durchsucht und Verbotsverfügungen zugestellt. In einer Lagerhalle in Pulheim beschlagnahmten die Beamten palettenweise Koran-Exemplare. Insgesamt wurden allein in Nordrhein-Westfalen 50 Objekte durchsucht. Die Beamten nahmen Computer, Datenträger und Bargeld mit – nach Angaben eines Polizeisprechers wird nun ausgewertet, was dem Vereinsvermögen zugerechnet werden kann. Abou Nagie, der inzwischen nicht mehr in Köln, sondern in Bonn wohnen soll, ist nach Angaben von Ermittlern zur Zeit in Malaysia. Auch dort will der 52-Jährige seine "Lies!"-Aktion publik machen. Er hatte bereits Verteileraktionen in Frankreich, Schweden, Österreich oder Brasilien gestartet. Auch die Wohnung seiner Lebensgefährtin in Bonn wurde durchsucht.

Salafisten verteilen den Koran FOTO: dpa, Henning Kaiser

Betrugsprozess endete mit Verurteilung

Der gebürtige Palästinenser Abou Nagie, der unter anderem von dem Salafistenprediger Sven Lau unterstützt wurde, sammelte immer fleißig Spenden für "Lies!" – er soll aber mehrere zehntausend Euro für private Zwecke genutzt haben. In TV-Berichten wedelte er mit seiner schwarzen Kreditkarte und fuhr einen dicken Mercedes. Der Betrugsprozess im Februar ging nicht gut für ihn aus: Er wurde zu einer Bewährungsstrafe von 13 Monaten verurteilt, weil er unberechtigt Sozialleistungen in Höhe von fast 54.000 Euro bezogen hat. Aus Dokumenten und Urkunden, die das Gericht als Beweise heranzog, ging hervor, dass Abou Nagie fünfmal in Folge Arbeitslosengeld II beantragt und dem Arbeitsamt zwei Konten verschwiegen hatte, auf dem Spendengelder von seinen Anhängern im sechsstelligen Bereich lagen, die er auch für private Zwecke nutzte: Friseurbesuche, Einkäufe bei Edeka oder Tanken.

Abou Nagies Anwälte legten Rechtsmittel gegen das Urteil ein. Nach Angaben der Kölner Staatsanwaltschaft gibt es noch keinen neuen Prozesstermin.

Ein anderes Ermittlungsverfahren gegen den 52-Jährigen war zuvor im Sande verlaufen. Auf einer DVD mit einer Rede Abou Nagies, in der er zum Mord aufgerufen haben soll, waren letztlich keine strafrechtlich relevanten Aussagen zu finden. Das bemerkten die Ermittler allerdings erst kurz vor dem Prozess. Das Verfahren wurde daraufhin eingestellt.

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