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Ende der Igelstation in Köln-Pulheim
"Wir haben eine moralische Pflicht, Igeln in Not zu helfen"

Zu Besuch in der Igel-Intensivstation
Düsseldorf . 40 Jahre lang hat Karin Oehl eine Igelstation in Köln-Pulheim betrieben. Nun muss sie sie aus gesundheitlichen Gründen schließen und sucht einen Nachfolger. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt sie, warum Igel die tollsten Tiere der Welt sind und was man als Igel-Retter können sollte.  Von Susanne Hamann

Frau Oehl, Sie betreiben seit 40 Jahren eine Igelstation. Wie kommt man auf so eine Idee?

Karin Oehl Dazu bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Ich habe damals ein Iltis-Baby großgezogen und anschließend ausgewildert. Als ich einer meiner Freundinnen davon erzählt habe, sagte die, ich solle nicht traurig sein, sie würde sich um Igel kümmern und würde mir welche mitbringen. Kurz darauf hatte ich vier Igel in der Wohnung. Danach hat sich das langsam aufgebaut. Ich habe mir immer mehr Wissen über Igel angeeignet, und als die Freundin aufgehört hat, sich um die Tiere zu kümmern, habe ich den Job übernommen.

Und was hat sie an den Igeln so fasziniert?

Oehl Igel sind schon seit jeher große Sympathieträger. Sie kommen schon seit der Römerzeit in Märchen vor. Auch Wilhelm Tell hat Gedichte über sie geschrieben. Er ist einfach ein freundlicher, nachtaktiver kleiner Kobold. Kein Schmusetier, aber ein liebenswürdiger Insektenfresser, der so besonders ist, weil man ihn so selten sieht. 

Karin Oehl betreibt seit 40 Jahren eine Igelstation in Köln-Puhlheim. FOTO: Sarah Biere

Wie viele Tiere haben Sie im Durchschnitt in Ihrer Igelstation?

Oehl Über das gesamte Jahr verteilt ungefähr 400. In Hochzeiten sind es bis zu 50 Tiere in einem Monat. 

Jetzt wollen Sie die Station schließen, obwohl Sie die Tiere so mögen?

Oehl Ich muss sie schließen, ja. Ich bin jetzt 73 Jahre alt und meine Gesundheit macht das nicht mehr mit. Nach mehreren Rückenoperationen kann ich mich beispielsweise einfach nicht mehr gut bücken. Deshalb will ich die Station zum Frühjahr 2018 schließen und suche jetzt einen Nachfolger. 

Was muss ein Nachfolger denn können?

Oehl Liebe alleine reicht tatsächlich nicht, man muss sich schon einiges an Sachverstand für die Tiere aneignen. Denn Fütterung und Pflege sind nur ein Teil. Die meisten Tiere werden verletzt zu uns gebracht. Deshalb muss man sich beispielsweise auch mit Medikamenten auskennen. Wir sind zwar kein öffentliches Tierheim, aber wir stehen trotzdem unter der Kontrolle des Veterinäramtes und haben immer wieder Sachkundeprüfungen. Das müsste ein Nachfolger auch leisten können. 

Wie müssen Igel gehalten werden? Kann man das in einem Privathaus überhaupt leisten?

Oehl Gleich vorweg, am liebsten wäre mir, die Station würde von einem Tierheim übernommen, dass zusätzlich eine Igelstation aufmachen möchte. Aber grundsätzlich kann das jeder machen, der bereit ist, sich die nötige Sachkunde anzueignen. Man muss wissen, dass man verletzte Igel bei Zimmerwärme zum Beispiel im Keller halten muss – im Wohnzimmer würden sie nachts zu viel Lärm machen. Und dass gesunde Igel, die man vor dem Winter nicht mehr rechtzeitig auswildern kann, einen kalten Raum für den Winterschlaf brauchen. 

Warum sind die meisten Igel, die zu Ihnen gebracht werden verletzt?

Oehl Weil wir mit unserem Landschaftsverbrauch ihren natürlichen Lebensraum kaputt und zu einer Gefahr für die Tiere machen. Verletzungen holen sich die Tiere an Rasenmähern, landwirtschaftlichen Maschinen und kaputten Zäunen. Auch Bissverletzungen von Hunden sehen wir hier häufig. Es kommt so zu offenen Brüchen und schweren Fleischwunden. Andere Tiere sind ausgehungert. Denn den Igeln wird durch die Insektizide, die in der Landwirtschaft gesprüht werden, die Nahrungsvielfalt genommen. Deswegen bin ich auch der Meinung, dass wir eine ethische und moralische Pflicht haben, einem Igel in Not zu helfen.

Und im Idealfall werden die Tiere am Schluss wieder ausgewildert?

Oehl Ja. Mein Anliegen ist es auf jeden Fall, die Tiere wieder in die Natur zurückzugeben. Viele Menschen verstehen unser Anliegen falsch. Sie meinen, sie können die Tiere einfach hier abgeben und dann bleiben sie hier wie in einem Tierheim. Dem ist aber nicht so. Schon gar nicht in dieser Saison. Bis wir endgültig schließen, nehmen wir keine gesunden Tiere mehr an, sondern nur noch solche, die verletzt sind. Sonst schaffe ich das nicht mehr. 

Wenn Sie sich vorstellen können, die Igelstation für Frau Oehl fortzuführen, melden Sie sich gerne unter folgenden Mailadresse bei ihr: nc-oehlch@netcologne.de

(ham)
 
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