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Vergewaltigungsprozess in Köln
"Das war ein schwerer Fehler"

In Wiener Steffie kennengelernt: Soldat gesteht Vergewaltigung in Köln
Der Angeklagte mit seinem Anwalt vor Gericht. FOTO: Claudia Hauser
Köln. Im April wurde eine 32 Jahre alte Frau in ihrer Wohnung in Köln vergewaltigt. Ein 26-jähriger Bundeswehrsoldat hat die Tat nun gestanden. Kennengelernt hatten sich Opfer und Täter in der Altstadtkneipe "Wiener Steffie".  Von Claudia Hauser, Köln

Begonnen hatte es als lustiger Abend: Über einen gemeinsamen Freund hatten die beiden zueinander gefunden, man tanzte, lachte und trank zu dritt in der "Wiener Steffie". Doch die Nacht des 29. April endete für die 32-jährige Stefanie K. (alle Namen geändert) mit einer Vergewaltigung in ihrer eigenen Wohnung.

Seit Mittwoch muss sich der 26-jährige Lukas T. für die Tat vor dem Kölner Landgericht verantworten. Er ist Soldat bei der Bundeswehr, war schon zweimal beim Auslandseinsatz in Afghanistan, kein Typ, der mit Alkohol oder Drogen Probleme hat oder bisher mit dem Gesetz in Konflikt kam, eher zielstrebig, stabiles Elternhaus. Nie Probleme, Frauen kennenzulernen, wie er sagt.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Stefanie K. gewürgt und vergewaltigt zu haben, nachdem sie ihm erlaubt hatte, auf ihrem Sofa zu übernachten. Laut Anklage riss sie sich während der Tat los, lief mit ihrem Handy ins Bad und rief von dort ihre Freundin an, die im selben Haus wohnt, und die Polizei.

Lukas T. räumt am ersten Prozesstag alle Vorwürfe ein – und erspart damit dem Opfer, vor Gericht alles noch einmal erzählen zu müssen. Ihr Anwalt geht aus dem Saal und sagt Stefanie K., sie könne nach Hause gehen. Lukas T. unterbricht seine Einlassung mehrmals, weil er seine Tränen nicht zurückhalten kann. Seine Eltern und sein Bruder sitzen hinten im Saal.

Todesangst und schlaflose Nächte

 "Ich kann nicht sagen, warum ich Stefanies Aufforderung, aufzuhören, nicht ernst genommen habe", sagt er. Er habe das Gefühl gehabt, sie sei einverstanden damit, als er sich zu ihr ins Bett gelegt habe. Laut Anklage habe sie erst geduldet, dass er sich zu ihr gelegt habe, habe aber keinen Sex gewollt. "Du tust mir weh, lass es!", soll sie gesagt haben. Er könne sich zwar erinnern, dass er seine Hände an ihrem Hals hatte, aber bewusst gewürgt habe er sie nicht. "Ich kann das aber nicht ausschließen", sagt er.

Stefanie K. sollte eigentlich vor Gericht erzählen, wie es ihr geht. Stattdessen erzählt der Anwalt des Opfers, wie es für sie weiterging nach der Tat. "Sie hatte in jener Nacht Todesangst", sagt er. Noch heute könne sie allenfalls zwei Stunden schlafen, erlebe die Tat in ihren Träumen wieder und wieder. Die zweifache Mutter traue sich abends nicht mehr raus, habe Angst-, Schuld- und Schamgefühle und meide den Umgang mit Männern. Er fordert ein Schmerzensgeld von mindestens 6000 Euro.

Gegen den Angeklagten läuft parallel zum Prozess ein dienstrechtliches Disziplinarverfahren. Der Feldwebel wurde vorläufig des Dienstes enthoben, sein Gehalt wird einbehalten. "Ich habe am 29. April zum ersten Mal seit vier Monaten wieder Alkohol getrunken", sagt er. "Das hätte ich besser nicht getan." Er hatte Whisky-Cola getrunken mit seinem Freund, später im Club einige Kölsch, sein Blutalkoholwert muss bei 1,8 bis zwei Promille gelegen haben, wie ein Gutachter sagt. Beim Opfer hätte er sich gerne am ersten Prozesstag entschuldigt, sagt Lukas T. "Ich habe einen schweren Fehler gemacht."

Ein Urteil vor dem Kölner Landgericht wird am 30. August erwartet. 

 
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