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Köln
"Janz schön jeheim" ist janz schön klasse

Köln. Das aktuelle Divertissementchen der "Cäcilia Wolkenburg", der Bühnenspielgemeinschaft des Kölner Männer-Gesang-Vereins, feierte eine umjubelte Premiere. Das kölsche Singspiel findet erstmals im "Weißen Zelt" in Deutz statt. Von Monika Salchert

Das Geheimnis um "Janz schön jeheim" ist gelüftet: Das aktuelle Divertissementchen der "Cäcilia Wolkenburg" (Zillchen) zählt zu den besten Produktionen des "Zillchens" der vergangenen Jahre. Und das will schon etwas heißen, denn auch für die jüngsten Produktionen gab es ausnahmslos Bestnoten.

"Janz schön jeheim" ist das fünfte Stück, das Autor und Regisseur Kalle Kubik für die "Cäcilia Wolkenburg", die Bühnenspielgemeinschaft des Kölner Männer-Gesang-Vereins (KMGV), geschrieben und in Szene gesetzt hat. Diesmal geht es um eine Spionage-Komödie, in der zwei Zentren der Macht aufeinanderprallen: das "Weiße Haus" in Washington und die "Akademie für kölschen und internationalen Humor" in Köln. Den amerikanischen Abhörspezialisten sind höchstverdächtige Pläne aus dem Rheinland zu Ohren gekommen. Die Kölner möchten eine Weltherrschaft des Humors errichten. Näheres soll Top-Spion Edgar Snow vor Ort erspitzeln. Der NSA-Mann landet kurz vor Weiberfastnacht in Köln.

Das "Zillchen" ist in diesem Jahr im "Weißen Zelt" gelandet. Das steht auf dem Barmer Platz in Deutz. Eigentlich wollte der KMGV mit "Janz schön jeheim" an seine alte Wirkungsstätte, die Kölner Oper, zurückkehren. Doch dieses "Zentrum der Musikmacht" am Offenbachplatz bleibt auf noch unbestimmte Zeit abhörsicher. Derzeit ist nicht klar, wann die Sanierung des Opernhauses fertig sein wird und wann dort die ersten Töne wieder erklingen werden.

Die "Cäcilia Wolkenburg" zog von der Oper zunächst in den Musical-Dome und nun ins Festzelt nach Deutz. Fast scheint es, dass die Akteure den Widrigkeiten, die jeder Ortswechsel mit sich bringt, mit noch mehr Spielfreude, Engagement und Kraft begegnen. "Janz schön jeheim" ist ein kölsches Singspiel, bei dem rund 100 Darsteller mitwirken als Solisten und Mitglieder des Chores und des Balletts. Alle Rollen werden von Männern gespielt.

Im Mittelpunkt des Divertissementchens steht natürlich die Musik. Der musikalische Arrangeur Thomas Guthoff serviert eine gekonnte Mixtur aus kölschen Evergreens, Westernmelodien und klassischen Stücken. Das Ganze wunderbar begleitet von den Bergischen Symphonikern unter der Leitung von Bernhard Steiner. Das Publikum spendete mehrmals Szenenapplaus für die Ideen der Bühnenbildnerin Bettina Neuhaus. Pfiffige Projektionen lassen vergessen, dass im Zelt wenig Raum für opulente Bühnenbilder ist. Dennoch schafft es Bettina Neuhaus, ein Flugzeug (jedenfalls ein Teilstück) nebst Gangway auf die Bühne zu zaubern.

Ein Traum in jedem Divertissementchen sind die Kostüme von Judith Peter. Diesmal galt es, Spione und Spitzentänzer, Präsidenten und Passanten sowie Enten und Entertainer in Szene zu setzen. Großartig. In der Zusammenarbeit mit der Choreographin Michaela Niederhagen steigert sich das Zillchen-Ballett Jahr für Jahr. Diesmal gab es sogar einen Rollschuhtanz. Das Ballett gehört zweifellos zu den Publikumslieblingen. So wie Peter-Wolfram Wallraff. Seine Mimik und seine schauspielerische Ausdruckskraft sind umwerfend komisch. Bestnoten verdienen auch die Solisten Dieter Hagen, Dirk Pütz und Johannes Stolz.

Bei "Janz schön jeheim" gibt es ein Wiedersehen und Wiederhören mit einem "verlorenen Sohn". Der frühere Bass der "Cäcilia Wolkenburg" Jürgen Nimptsch hat wieder Zeit für das "Zillchen" und das Divertissementchen. Die fehlte ihm in den vergangenen Jahren als Oberbürgermeister von Bonn.

Quelle: RP
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