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"Jeden Tag eine Herausforderung"

Köln. Schauspiel-Intendant Stefan Bachmann will in seiner dritten Spielzeit auch die Baustelle am Offenbachplatz bespielen. Das Depot in Mülheim hat für ihn und sein Team auch nach der Fertigstellung des Opernquartiers eine Bedeutung. Von Das Interview Führte Stephan Eppinger

Herr Bachmann, wie fällt Ihre Bilanz nach zwei Spielzeiten am Schauspiel in Köln aus?

StefanBachmann Zweigeteilt. Auf der einen Seite bin ich gescheitert, weil es mir nicht möglich war, unser Stammhaus am Offenbachplatz zu eröffnen. Auf der anderen Seite ist es meinem Team und mir gelungen, aus unserer Spielstätte, dem Depot in Köln-Mülheim, einen kulturellen Treffpunkt zu machen, ein Kraftfeld des Theaters. Die Zuschauer strömen auf die "falsche" Rheinseite und bauen ihre Vorurteile gegenüber dem Bezirk und seiner bunten Bevölkerung ab.

Bei der Präsentation der neuen Spielzeit taten Sie sich schwer mit dem Wort "Interim".

Bachmann Ich habe gebeten, ihn nicht mehr zu benutzen, denn der Begriff "Interim" ist durch die Verzögerung der Sanierungsmaßnahmen obsolet geworden. Wir werden am Ende vielleicht sechs Jahre in Mülheim gewesen sein. Das sind keine Jahre, die wir irgendwie überbrücken, sondern wir machen mit aller Kraft im Hier und Jetzt Theater.

Wie wird das Depot das Schauspiel in Köln verändern?

Bachmann Ich vergleiche unsere Abwesenheit vom Mutterhaus gerne mit einer Heldenreise, also einem Abenteuer, von dem der Held nicht mehr als der zurückkommt, als der er aufgebrochen ist. Das Schauspiel ist aus seiner angestammten zentralen Position mitten in der Stadt herausgerissen und strebt nun um so mehr in diese Position, in dem es sich heftig in das Stadtgeschehen einmischt. In einer gewissen Weise befinden wir uns in einer Art Dauerkrise, die wiederum ein extrem fruchtbarer Nährboden für unsere Kunst und die Themen ist.

Was bedeutet das Depot in Mülheim für das Schauspiel?

Bachmann Es ist und bleibt jeden Tag eine Herausforderung. Das Depot ist nicht für den Repertoirebetrieb mit dem regulären Spielplan eines Stadttheaters ausgerüstet. Dass wir dies trotzdem unserem Publikum anbieten können, ist nur durch eine besondere Kraftanstrengung aller Mitarbeiter möglich. Trotzdem macht die Arbeit hier Spaß, denn das Theatermachen an diesem besonderen Ort ist besonders sinnfällig.

Wie sind Sie an die neue Spielzeit 2016/17 herangegangen?

Bachmann Wir werden, im Gegensatz zur aktuellen Saison, die ja anders gedacht war und deshalb verspätet angefangen hat, wieder eine deutlich längere Spielzeit haben. Wir machen 21 Produktionen, das ist für uns sehr viel. Außerdem bespielen wir die Baustelle, es entsteht für eine Spielzeit die "Außenspielstätte am Offenbachplatz".

Wie wird das Bespielen der Großbaustelle konkret aussehen?

Bachmann Junge Regisseure inszenieren junge Stücke. Ausschließlich Ur-und Erstaufführungen. Damit erhält dieser Ort auch wieder, neben allen baulich-finanziellen Diskussionen, seine eigentliche Bedeutung zurück. Es wird ein Signal sein für die Kölner Bürger, meine Mitarbeiter und letztlich auch für die Arbeiter auf der Baustelle: Fies hier ist nicht einfach nur ein Fass ohne Boden, sondern hier wird dereinst wieder Kultur stattfinden.

Was passiert mit dem Depot, wenn das Schauspiel zurück an den Offenbachplatz kann?

Bachmann Ich plädiere dafür, diesen Kulturort zu erhalten. Aus dem Depot könnte ein Probebühnenzentrum entstehen, ein zentrales Lager für die diversen Fundusse der Bühnen Köln, eine rechtsrheinische Spielstätte inklusive Bürgerbühne. So könnte auch der "Carlsgarten", unser Urban-Gardening-Projekt vor dem Depot, erhalten bleiben. Dies alles ist komplett durchgeplant und -gerechnet.

Quelle: RP
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