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Köln
Josef Frings war der rheinische Kardinal

Köln. Der in Neuss geborene ehemalige Erzbischof von Köln war Seelsorger, Diplomat und Brückenbauer. Der Autor Friedhelm Ruf würdigt den "Leutepriester" Josef Kardinal Frings in einem lesenswerten Buch des Bachem Verlages. Von Monika Salchert

Josef Kardinal Frings war einer der bedeutendsten Bischöfe in Deutschland. Er war von 1942 bis 1969 Erzbischof von Köln, leitete die Diözese also von den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges bis zu den ersten Jahren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Der deutsche Bischof gehörte zu den einflussreichsten Kirchenvätern des von Papst Johannes XXIII. einberufenen Konzils. Begleitet und beraten wurde Kardinal Frings damals von seinem Sekretär Hubert Luthe, dem späteren Bischof von Essen "Ruhrbischof", und dem jungen Geistlichen Josef Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI.

An den am 17. Dezember 1978 gestorbenen Seelsorger erinnert das gerade erschienene Buch "Der rheinische Kardinal". Der Autor Friedhelm Ruf zeichnet ein wunderbares Porträt des 1887 in Neuss geborenen Geistlichen. Er würdigt die Lebensleistung des Erzbischofs, der stets blieb, was er schon als Theologiestudent hatte werden wollen: ein Leutepriester. Sein erstes Priesteramt führte ihn 1910 in die neugegründete Pfarre St. Pius im Arbeiterviertel Köln-Zollstock.

In Köln wurde der Kardinal vor allem wegen seines Eintretens für die Not leidende Bevölkerung in der Nachkriegszeit verehrt. Unvergessen ist seine Predigt Silvester 1946 in der Kirche St. Engelbert in Köln-Riehl. In dieser Predigt sagte der Erzbischof unter anderem: "Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann."

Die Wirkung dieser Worte auf die hungernden und frierenden Menschen ist bekannt. Viele interpretierten die Predigt als quasi bischöfliche Erlaubnis, zum Beispiel Kohlen aus den Güterzügen zu stehlen. Es entstand in der Folge sogar eine eigene Wortschöpfung für dieses "Organisieren", die sich zumindest im rheinischen Sprachgebrauch erhalten hat. Es wurde nicht gestohlen, sondern man ging "fringsen". Der Kardinal soll nicht glücklich über diese Wirkung seiner Predigt gewesen sein, zumal sie nur auf diese Sätze reduziert wurde. Während Passagen wie: "Aber ich glaube, dass in vielen Fällen weit darüber hinausgegangen worden ist. Und da gibt es nur einen Weg: unverzüglich unrechtes Gut zurückzugeben, sonst gibt es keine Verzeihung bei Gott" wohl überhört wurden.

"Der Rheinische Kardinal", Bachem Verlag Köln, 29,95 Euro

Quelle: RP
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