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Nach Flucht aus Brauhaus
JVA Aachen zeigt Bewacher von geflohenem Sextäter an

Stationen der Flucht des Sexualstraftäters
Stationen der Flucht des Sexualstraftäters FOTO: dpa, hk wst
Düsseldorf. Der während eines Freigangs entkommene Straftäter Peter B. ist auch am Samstag noch auf der Flucht. Freitag gab es einen Zeugenhinweis aus Bonn: 80 Polizisten durchkämmten die Rheinauen nach dem verurteilten Vergewaltiger. Zudem hat die JVA Aachen Anzeige gegen zwei Justizvollzugsbeamte gestellt.

Am Samstag gibt es noch keine  Spur von Peter B. "Die Suche nach ihm geht weiter", sagte ein Sprecher der Polizei am Samstagmorgen. Ein Jogger wollte den in Köln geflohenen Sexualstraftäter B. am Freitag in Bonn gesehen haben. Der Zeuge wollte den Gesuchten nach Informationen unserer Redaktion linksrheinisch nahe der Südbrücke in der Bonner Rheinaue identifiziert haben. Die Polizei suchte daraufhin ab 9.30 Uhr das Gelände nach dem Verdächtigen ab. Auch ein Hubschrauber war im Einsatz. Die Suche wurde aber gegen 12.20 Uhr erfolglos abgebrochen. "Die von dem Zeugen beschriebene Person konnte nicht angetroffen werden", sagte ein Polizeisprecher. Man habe die gesamte Rheinaue abgesucht - auch rechtsrheinisch.

Nach der Flucht hat die JVA Aachen nach Angaben des NRW-Justizministeriums Strafanzeige gegen zwei Justizvollzugsbeamte gestellt. Es gehe darum zu prüfen, ob ihr Verhalten möglicherweise den Straftatbestand der Gefangenenbefreiung erfülle, sagte ein Sprecher.

Unterschiedliche Versionen zu Fluchthergang

Trotz Großfahndung fehlte von dem in Köln bei einem Freigang entkommenen Sexualstraftäter zwei Tage lang jede Spur. Der unter anderem wegen Vergewaltigung verurteilte Peter B. war am Mittwoch bei einem von zwei Justizvollzugsbeamten beaufsichtigten Ausgang im Kölner Brauhaus Früh geflohen - während eines Toilettengangs. Der Leitung der JVA Aachen zufolge soll dies geschehen sein, als sich auch der begleitende Justizvollzugsbeamte erleichterte und deshalb mit dem Rücken zur Kabinentür gestanden haben soll. Der WDR indes berichtete, dass B. ohne Begleitung auf die Toilette gegangen sein soll. Seine beiden Bewacher seien später hektisch durch die Gaststätte gelaufen und hätten dem Personal erklärt, dass sie einen Mann auf der Toilette suchten. Dies hätten Augenzeugen berichtet. "Wir prüfen beide Versionen", sagte ein Sprecher des Justizministeriums. Man habe vorerst aber keinen Grund, den Justizvollzugbeamten nicht zu glauben.

Mit ihrer Anzeige reagiere die JVA Aachen auch auf die Medienberichte, sagte die Leiterin der JVA, Reina Blikslager. Sie halte dieses Vorgehen für ihre Pflicht. "Letzten Endes muss es auch zum Schutz der Bediensteten aufgeklärt werden", sagte Blikslager. Die Staatsanwaltschaft Köln hat die Ermittlungen gegen die Beamten aufgenommen.

Auch in Hamburg gab es einen Einsatz

Die Bonner Polizei ging am Freitag zudem zwei weiteren Hinweisen auf den Aufenthaltsort nach: So wollten Augenzeugen den 58-jährigen Straftäter auch in der Bonner Innenstadt und in Bornheim bei Bonn gesichtet haben, sagte ein Polizeisprecher. Die Suche dort sei aber schnell wieder eingestellt worden. Auch in Hamburg hatte es einen Einsatz gegeben, berichtete die dortige Polizei. Ein Zeuge wollte B. demnach an einem Bahnhof gesehen haben. Auch dieser Einsatz verlief aber ohne Ergebnis.

Die Polizei warnt die Bevölkerung vor dem flüchtigen Peter B. . Er soll nach wie vor ein hohes Gewaltpotenzial haben, weswegen bei ihm auch eine Sicherungsverwahrung angeordnet worden sei. Nach Informationen unserer Redaktion hatte der 58-Jährige im Gefängnis alle Therapien verweigert. Trotzdem genehmigte man ihm den Ausflug ohne Sicherheitsmaßnahmen.

B. ist Diabetiker

Weil Peter B. Diabetiker ist, wird er in den nächsten Tagen auf neues Insulin angewiesen sein. "Heute oder vielleicht morgen bekommt er ein Problem", sagte der Sprecher des Justizministeriums. Sein Insulin soll nach drei Tagen aufgebraucht sein, berichtete die "Bild-Zeitung". Anschließend müsste er sich neues Insulin beschaffen, das verschreibungspflichtig ist.

B. trug bei seiner Flucht zudem 400 Euro bei sich. Eigentlich sollte er sich von diesem Geld bei seinem bewachten Freigang am Mittwoch Kleidung kaufen. Begleitete Freigänge aus der Sicherungsverwahrung sind gesetzlich vorgeschrieben. Bisher hatte sich der Flüchtige dabei nach Angaben der Justizvollzugsanstalt Aachen vorbildlich benommen.

(kl/top/csh/lnw)
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