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Kultur
Kammeroper in Pulheim etabliert

Köln. Vor zwei Jahren zog die Kammeroper Köln ins alte Walzwerk in Pulheim. Ein Neustart. Auf dem Programm stehen Oper, Operette, Kleinkunst und Familientheater.

Gerade einmal zwölf Zugminuten sind es vom Dom zur Kölner Kammeroper, die im alten Walzwerk in Pulheim seit zwei Jahren eine neue Heimat gefunden hat. "Zu uns kommen viele Leute, die schon in Rodenkirchen zum Stammpublikum gehörten. Das Einzugsgebiet reicht von Sankt Augustin im Süden bis hinauf ins Ruhrgebiet", sagt Inga Hilsberg. Zusammen mit ihrer Schwester Esther hat sie 1996 die Kammeroper als Tourneetheater gegründet.

"Wir haben beide an der Kölner Musikhochschule studiert und mussten feststellen, dass es für den Nachwuchs kaum Möglichkeit gab, um Praxis beim Übergang von der Ausbildung zum Beruf zu sammeln. Da wir aus einer Unternehmer- und Musikerfamilie stammen, haben wir das dann einfach selbst in die Hand genommen", sagt die Dirigentin.

Von 1997 bis 2007 war sie mit der Kammeroper auf Tour, bevor man in Rodenkirchen eine eigene Spielstätte fand. "Das war unser zweites Standbein, das deutlich mehr Arbeit mit sich brachte."

Mit dem Wunsch, die Räume im Kölner Süden zu erweitern, traten die Schwestern an ihren damaligen Vermieter heran und erfuhren, dass dieser ganz andere Pläne hat und ihr Gebäude abreißen wollte. "Dann haben wir sehr lange nach neuen Räumen gesucht, was nicht einfach war, weil wir neben dem Theatersaal auch ein großes Foyer, Büros und Lagerplatz brauchen."

Durch einen Zufall entdeckten die beiden das Walzwerk unweit des Pulheimer Hauptbahnhofs: "Da waren wir erstmals an einem Samstag und haben direkt am darauffolgenden Montag den Mietvertrag unterschrieben. Nach sechs Monaten Umbauzeit konnten wir 2014 unser Theater neu eröffnen. Wir mussten damals komplett neu starten und auch unser Publikum neu finden."

Beim Umbau wurde der Büroturm entkernt, das Foyer neugestaltet und im Theatersaal eine Bühne eingebaut. Das Programm reicht von der großen Oper wie "La Traviata" über Operette und Musical wie "My Fair Lady" oder "Die lustige Witwe" bis zur Kinderoper mit der kleinen Zauberflöte und Max & Moritz. Dazu kommen Kleinkunst und Familientheater. "Das Ganze ist hier in Pulheim gut angelaufen, darf aber gerne noch mehr werden", zieht Hilsberg eine erste Bilanz.

Wichtig ist ihr, den Nachwuchs zu fördern, und zwar auf und vor der Bühne: "Wir wollen Kindern die Möglichkeit geben, mit Themen wie Oper in Berührung zu kommen", sagt Inga Hilsberg. "Meine Schwester und ich sind an vielen Opernhäusern engagiert und erleben dort sehr häufig ein Ü-70-Publikum. Da muss unbedingt etwas für die Zukunft getan werden." Ebenso wichtig ist es ihr, Kollegen, die mit ihrem Diplom von der Hochschule kommen, die Möglichkeit zu geben, erste und wichtige Berufserfahrung zu sammeln.

Stephan Eppinger

Quelle: RP
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