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Früherer Erzbischof von Köln
Kardinal Meisner in Sankt Gereon aufgebahrt

Früherer Erzbischof von Köln: Kardinal Meisner in Sankt Gereon aufgebahrt
Der Leichnam des früheren Kölner Erzbischofs ist in der Kölner Kirche Sankt Gereon aufgebahrt. FOTO: dpa, ve fdt
Köln. Abschied von Kardinal Joachim Meisner: Seit Freitagabend ist der frühere Kölner Erzbischof in der Kölner Kirche Sankt Gereon aufgebahrt. Er liegt mit roter Kardinalssoutane, darüber ein lila Messgewand, Brustkreuz und weißer Mitra auf einem sogenannten Katafalk (Totenbahre). Von Joshua Bung

Als Rainer Maria Woelki am Freitagabend die romanische Sankt Gereon Basilika betritt, wirkt er in sich gekehrt. Geradewegs geht der Kölner Erzbischof auf den Altar zu. Dort bleibt er stehen, hält inne, den Kopf zum Gebet gesenkt.

Vor ihm liegt sein Vorgänger und langjähriger Wegbegleiter Joachim Kardinal Meisner, aufgebahrt in einem lila Messgewand, umringt von Kerzen. Ihm galt es, die letzte Ehre zu erweisen, nachdem er Mitte der Woche im Alter von 83 Jahren verstorben war.

Rund 400 Menschen waren gekommen, um es Kardinal Woelki gleichzutun – unter ihnen Hildegard Schmidt. Die 72-Jährige kann sich noch sehr genau daran erinnern, wie sie vor 15 Jahren das erste Mal mit dem ehemaligen Kölner Erzbischof in Berührung kam.

Kardinal Meisner ist tot

Damals feierte ihre Gemeinde in Hürth-Gleuel ihr 100-jähriges Bestehen. Sie sollte Meisner über die Geschichte der Pfarrei aufklären. Er sei sehr interessiert gewesen. Danach sei der Kardinal nicht mehr von ihrer Seite gewichen. Als dann die zwei Pfarrer der Gemeinde ihre Dienste als Organisatorin benötigten, sei Meisner sofort eingeschritten: "Moment mal, die gehört doch zu mir", habe der Kardinal gesagt. Schmidt sei bis heute begeistert von der Aufrichtigkeit und Bodenständigkeit Meisners.

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Gleiches gilt für Elke Maria Stein. Die Ordenschwester, die in Bonn-Endenich aufgewachsen ist, erinnert sich an ein besonders prägendes Erlebnis mit dem Kölner Erzbischof. Elf Jahre lang habe sie in einer Ordensgemeinschaft in Breslau gelebt. Im Jahr 1996 habe Meisner ihnen einen unerwarteten Besuch abgestattet, nur um sich zu vergewissern, ob es ihnen auch an nichts fehle. "Er hat gefragt, ob wir genug zu essen und zu trinken haben oder ob wir sonst etwas brauchen", berichtet Stein.

Sie habe den Kardinal immer als eine väterliche Figur wahrgenommen. "Er war sehr großherzig und barmherzig, vor allem denjenigen gegenüber, die wenig hatten", sagt Stein. Sie werde Meisner immer in guter Erinnerung halten.

Das trifft auch auf Andreas Wosny zu. Der 29-jährige Brühler sieht in dem ehemaligen Kölner Erzbischof einen Menschen, der über die Jahre eine Entwicklung vollzogen hat. Anfangs habe Kardinal Meisner zum Beispiel nicht sehr viel mit Karneval oder anderen typisch kölschen Bräuchen anfangen können und sei eher distanziert gewesen. Das habe sich dann aber geändert: "Irgendwann hat er sich mitreißen lassen und hat sich ein Stück weit geöffnet", erklärt Wosny, der selbst viele Jahre Messdiener gewesen ist und regelmäßig die Messen im Kölner Dom besucht hat. Ihm imponiere auch, dass Meisner immer eine klare Haltung vertreten habe, auch wenn das immer wieder Kritik nach sich zog. Auf diese Weise habe er vielen Menschen eine Orientierung gegeben.

Unter den Teilnehmern des Gottesdienstes waren auch der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, der zuletzt Generalvikar unter Meisner war, Mitglieder des Domkapitels und Seminaristen.

Woelki sagte, dass sich für Meisner nun der Lebenskreis schließe. Er sei immer wieder nach Sankt Gereon gekommen in dem Bewusstsein, dass er eines Tages hier aufgebahrt werde. Der Kardinal dankte seinem Amtsvorgänger für seinen 25-jährigen Dienst an der Spitze des Erzbistums Köln. Dabei sei es ihm vor allem um das Seelenheil der Menschen und die Weitergabe des Glaubens gegangen. "Er hat das immer gut gemeint, was er getan hat", sagte Woelki.

Noch bis Montag bleibt Kardinal Meisner in der Basilika Sankt Gereon aufgebahrt. In dieser Zeit sind von morgens bis abends mehrere Gottesdienste angesetzt.