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Prozess in Köln
39-Jähriger soll Harald Schmidt gestalkt haben

Köln: 39-Jähriger soll Harald Schmidt gestalkt haben
Entertainer Harald Schmidt (Archivbild). FOTO: dpa, Hendrik Schmidt
Köln. Über Jahre soll ein 39 Jahre alter Mann den Entertainer Harald Schmidt und dessen Familie belästigt und gestalkt haben. Nun steht der Mann vor Gericht.  Von Claudia Hauser

Es ist schier unmöglich, einen Prozess zu führen am Dienstagmorgen in Saal 5 des Kölner Landgerichts. Die Vorsitzende Richterin der 20. Großen Strafkammer wird schon im ersten Satz von dem Mann unterbrochen, der als Beschuldigter auf der Anklagebank sitzt. Der 39-Jährige beschimpft sie wüst, nachdem er sich geweigert hat aufzustehen. Ein Justizbeamter bringt ihn noch einmal raus. Als er zehn Minuten später wieder Platz genommen hat, zieht er sich die Jacke über den Kopf und hält der Staatsanwältin den ausgestreckten Mittelfinger entgegen. 

Der Mann aus Koblenz soll Harald Schmidt gestalkt haben, außerdem Schmidts Lebensgefährtin und seine Managerin. Er soll die Managerin des Entertainers mit Mails belästigt haben, an einem Tag im April dieses Jahres soll er ihr 17 Sprachnachrichten geschickt haben, in denen er sie, aber auch Schmidt und dessen Familie massiv bedroht haben soll, sollte Schmidt ihm nicht 200.000 Euro bezahlen. 

"Kein normaler Alltag möglich"

Die Nachstellungen haben nach den Ermittlungen der Polizei schon 1998 begonnen. Der Beschuldigte soll im vergangenen Jahr auch immer wieder am Haus des 60-jährigen Moderators in Köln aufgetaucht sein, Fotos, Münzen oder Flaschen in den Briefkasten gesteckt und einen Koffer auf das Grundstück gestellt haben. In seinen Mails wurde deutlich, dass er offenbar auch dann am Haus war, wenn die Familie verreist war. 

Die Staatsanwältin nennt die Folgen für Schmidt und seine Familie: "Die Angst überträgt sich auf das gesamte Familienleben und macht einen normalen Alltag unmöglich." 

Am 18. April wurde der 39-Jährige festgenommen und ist seitdem in einer psychiatrischen Klinik. Bereits im Januar war es ihm per Beschluss des Gerichts untersagt worden, sich der Familie zu nähern oder Mails zu schicken. Er hielt sich nicht daran. Der Mann stammt aus gut bürgerlichen Verhältnissen und leidet seit Jahren an paranoider Schizophrenie. Im Prozess gilt er von vorne herein als schuldunfähig und kann deshalb nicht verurteilt werden. Da Wiederholungsgefahr besteht, wird er vermutlich dauerhaft in einer Psychiatrie untergebracht. 

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Die Opfer sind im Prozess für einen späteren Zeitpunkt als Zeugen geladen. Eine Entscheidung des Gerichts soll noch im Dezember verkündet werden.