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"Homophobe Gewalt"
CSD-Teilnehmer wirft Polizei Misshandlung vor

Köln: CSD-Teilnehmer wirft Polizei Misshandlung vor
Der Vorfall soll sich in einem McDonald's in der Nähe des Doms zugetragen haben. FOTO: dpa, mjh hpl
Köln. Während des "Christopher Street Day" am Wochenende in Köln soll ein junger Mann von Polizisten schwer misshandelt worden sein. Das behauptet er in einem Facebook-Post. Die Polizei wehrt sich gegen die Anschuldigungen.

Am Sonntagabend, so schreibt der Mann bei Facebook, sei er im McDonald's am Dom von Beamten grundlos zu Boden geworfen und an Armen und Beinen mit Kabelbinder gefesselt worden. Er habe mehrfach das Bewusstsein verloren. Ärztliche Hilfe sei ihm verweigert worden.

Dann hätten die Polizisten ihn "in den Wagen geprügelt", ihm sei ins Gesicht geschlagen worden. Mit Blaulicht sei die Fahrt zu einem ihm unbekannten Ziel gegangen. Er habe nichts sehen können, da sein Kopf die ganze Zeit heruntergedrückt worden sei.

Am Ziel angekommen, habe er eine Maske aufsetzen müssen und sei in eine Zelle gebracht worden. Dort sei er weiter geschlagen worden und habe gefesselt auf einer Matte liegen müssen. Erst Stunden später sei ein Arzt gekommen, der habe ihm jedoch nur Blut entnommen. Um seine Verletzungen habe er sich nicht gekümmert.

Christopher-Street-Day zieht mit Parade durch Köln FOTO: dpa, mjh tmk

Gegen 0.30 Uhr sei er halbnackt nach draußen geworfen worden, ein geforderter Krankenwagen sei nicht gerufen worden. Er bezeichnet das Vorgehen der Polizei als Folter und homophobe Misshandlungen. Auf Fotos zeigt er Wunden an seinem Körper.

Den ganzen Bericht lesen Sie hier im Facebook-Post des Mannes: 

Die Kölner Polizei weist die Vorwürfe entschieden zurück. Der Mann habe ein zwölfjähriges Mädchen geschubst und sich den eintreffenden Beamten gegenüber "absolut unkooperativ" gezeigt, sagte ein Sprecher: "Er hat um sich geschlagen und gespuckt." Die Polizisten hätten ihn mit Kabelbinder gefesselt und in den Dienstwagen gesetzt. Auf die Anschuldigung des Mannes, er habe eine Maske aufsetzen müssen, sagte der Sprecher: "Wir haben gar keine Masken." Die Kölner Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Nils Schmidt, Sprecher des Kölner Lesben- und Schwulentags, zeigt sich über die Anschuldigungen verwundert. "Wir arbeiten sehr eng mit dem Sicherheitspersonal und der Polizei zusammen", sagt er. "Es gibt eine hohe Wertschätzung und Vertrauen zwischen uns." Als Teil des Koordinierungsteams habe man schon bei den Planungen kooperiert. "Im Rathaus saßen wir nebeneinander", sagt Schmidt. Ähnliche Vorfälle aus der Vergangenheit seien ihm nicht bekannt. "Man kann der Kölner Polizei viel vorwerfen, aber beim CSD ist sie ein zuverlässiger Partner", sagt der Sprecher.

(csr)