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Kölner Brennpunkt
Hooligans randalierten nach AfD-Veranstaltung am Ebertplatz

Brennpunkt Ebertplatz in Köln
Brennpunkt Ebertplatz in Köln FOTO: dpa, obe pil
Köln. Keine Ruhe am Kölner Ebertplatz: Am Samstag musste die Polizei anrücken, weil etwa 60 Rechtsextremisten und Hooligans randaliert haben. Die Initiative "Köln gegen Rechts" befürchtet weitere Aktionen.  Von Claudia Hauser

Die Hooligans, die von der Polizei zur rechtsextremen Szene gerechnet werden, waren am Ebertplatz aufgetaucht, nachdem AfD-Mitglieder gegen Mittag eine Veranstaltung mit Infostand abgebrochen hatten, nachdem etliche Gegendemonstranten dazu gekommen waren. Ein Sprecher der Initiative "Köln gegen Rechts" spricht von einem "Showtermin der AfD": "Die Geschehnisse am Ebertplatz beherrschen seit Tagen den Facebook-Auftritt der AfD", sagte er.

Die Partei nutze die Tatsache, dass schwarzafrikanische Kleindealer auf dem Platz Drogen verkaufen, um sich selbst darzustellen und gegen Migranten zu hetzen. Ein 22-Jähriger aus Guinea wurde vor drei Wochen auf dem Platz niedergestochen und tödlich verletzt, ein 25 Jahre alter Tatverdächtiger aus Marokko sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Eine Woche später sind zwei Nordafrikaner mit abgebrochenen Flaschen auf zwei Männer losgegangen, die dabei verletzt wurden.

Aufruf zur Gewalt

Nun "missbrauchen Rechtsextreme den Ebertplatz für ihre perfide Stimmungsmache", wie Kölns Polizeipräsident Uwe Jacob am Sonntag mitteilte. Die Rechtsextremen haben nach Angaben des "Köln gegen Rechts"-Sprechers am Samstag zuerst ein Video von sich selbst gedreht, das sie später auf Facebook veröffentlichten. In dem Film wird zur Gewalt gegen die Drogendealer aufgerufen.

Gegen 14 Uhr hätten sie am Samstag eine Kunstperformance vor einer Galerie auf dem Platz gestört, die Teilnehmer als "Künstlerpack" beschimpft. "Sie warfen mit Gegenständen und beleidigten die Besucher", sagte der Sprecher. Drei Stunden später seien weitere Hooligans dazu gekommen, hätten nach zwei Schwarzafrikanern getreten und mit Bierflaschen nach den Künstlern geworfen. "Vor einer afrikanischen Kneipe haben sie eine schwarze Frau bedrängt. Dann kam die Polizei und die Hooligans sind durch die Gänge der U-Bahn-Station geflüchtet."

Die Polizei nahm zwei Männer (45, 55) in Gewahrsam. Gegen den 55-Jährigen wurde ein Verfahren eingeleitet wegen volksverhetzender Äußerungen, gegen einen weiteren unbekannten Mann wird ermittelt, weil er am Eigelstein den "Hitlergruß" gezeigt hat.

Der Sprecher von "Köln gegen Rechts" sagte: "Es steht zu befürchten, dass die Situation am Ebertplatz weiter eskaliert und hier ein Schauplatz rechtsextremistischer Hetze und Gewalt entsteht. Insbesondere aus dem extrem gewaltbereiten Spektrum der sogenannten Bürgerwehren und der Hooliganszene ist von weiteren Aktionen auszugehen."

Die Rechtsextremen sollen aus dem Umfeld einer Gruppe stammen, die nach der Silvesternacht 2015/16 zu "Spaziergängen" in der Kölner Altstadt aufgerufen hatte, bei denen es zu mehreren Übergriffen auf Ausländer kam. 

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