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Nach sexuellen Übergriffen in Köln
OB Reker rät Frauen anderes Verhalten zu Karneval

Köln: OB Reker rät Frauen anderes Verhalten zu Karneval
Jagdszenen am Silvesterabend vor dem Kölner Hauptbahnhof. Mehrere hundert Männer haben sich zusammengerottet und offensichtlich Frauen in übler Form sexuell belästigt. Ein Amateur-Filmer stellte diese Aufnahme ins Internet. FOTO: Screenshot:Youtube
Köln. Die zahlreichen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln durch ausländische Täter haben deutschlandweit Empörung und eine Debatte über den Umgang mit kriminellen Migranten ausgelöst. Kölns Oberbürgermeisterin Reker rät indes Frauen, sich an Karneval anders als üblich zu verhalten. Von Christian Schwerdtfeger und Eva Quadbeck

Die Stadt Köln will für den Karneval Anfang Februar nach den Übergriffen auf Frauen die Polizeipräsenz erhöhen. "Wir haben heute Morgen gemeinsam Maßnahmen entwickelt, die dazu führen sollen, dass es solche Vorfälle hier nie wieder gibt", sagte Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos).

Demnach sollen Frauen bei Großveranstaltungen wie Weiberfastnacht zu Fremden eine Armlänge Distanz halten, innerhalb der eigenen Gruppe bleiben und sich nicht von ihr trennen. Die Verhaltensregeln will Reker auf die Internetseite der Stadt Köln stellen lassen. Mehr zu den Aussagen des Krisenstabs lesen Sie hier. 

In der Silvesternacht hatten nach Polizeiangaben rund 1000 Männer, überwiegend aus dem nordafrikanischen Raum, Frauen umzingelt, sexuell belästigt und ausgeraubt. Bei der Polizei gingen bislang 90 Anzeigen ein – darunter auch mindestens eine wegen Vergewaltigung. "Wir gehen davon aus, dass sich die Zahl der Anzeigen noch erhöhen wird", erklärte Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers. Es werde aber schwer, die einzelnen Delikte den Tätern zuzuordnen. "Die Frauen, die bislang ausgesagt haben, können die Angreifer nicht beschreiben", erklärte Albers. Die Polizei hofft, dass Überwachungskameras am Bahnhof die Taten aufgezeichnet haben.

Presse: "Wer das Recht so verhöhnt, muss ausgewiesen werden" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Sowohl Reker als auch Albers betonten, dass bislang keine Hinweise auf Flüchtlinge als Täter vorlägen. "Es hat noch keine Festnahmen von Verdächtigen gegeben", erklärte der Polizeipräsident. Nach Informationen unserer Redaktion ist die Szene, aus der die Täter vom Kölner Hauptbahnhof stammen, der Polizei seit langem bekannt. Offenbar warnten szenekundige Polizisten schon länger vor der Bildung "rechtsfreier Räume" rund um den Kölner Hauptbahnhof.

"Hilferufe von Kölner Beamten und Appelle von Behördenleitern über die Kriminalität in Köln verhallten bei der Landesregierung", sagte der innenpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Marc Lürbke. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) verurteilte die Übergriffe. "Wir nehmen es nicht hin, dass sich nordafrikanische Männergruppen organisieren, um wehrlose Frauen mit dreisten sexuellen Attacken zu erniedrigen", sagte Jäger unserer Redaktion. CDU-Innenexperte Peter Biesenbach forderte Jäger auf, umgehend für Aufklärung zu sorgen. Auf gemeinsamen Antrag von CDU und FDP wurde zu den Vorfällen in Köln für kommenden Montag eine Sondersitzung im Landtag anberaumt. Mehr Reaktionen lesen Sie hier. 

Die Ereignisse von Köln lösten bundesweit eine Welle der Empörung und eine in Teilen emotionale Debatte aus. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) kündigte ein hartes Vorgehen gegen die Täter an. Die Kanzlerin telefonierte mit Kölns Oberbürgermeisterin und ließ sich die Lage schildern. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sprach von "schockierenden Gewaltexzessen". Es sei untragbar, dass Frauen in deutschen Großstädten nachts auf offener Straße, auf öffentlichen Plätzen von jungen Migranten sexuell traktiert und beraubt werden, sagte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer unserer Redaktion. Wenn Asylbewerber oder Flüchtlinge solche Übergriffe begingen, sei das ein eklatanter Missbrauch des Gastrechts und kann nur ein sofortiges Ende des Aufenthalts in Deutschland zur Folge haben, betonte Scheuer. Er forderte in Ballungszentren "eine deutlich stärkere Polizeipräsenz an Brennpunkten, eine flächendeckende Videoüberwachung sowie unangekündigte Personenkontrollen bei Menschenansammlungen im öffentlichen Raum".

Während Scheuer eine Verknüpfung zwischen den Taten und Asylbewerbern herstellte, warnten Vertreter aus Politik und Kirche vor Vorverurteilungen. So mahnte der Kölner Domprobst Gerd Bachner zur Besonnenheit. Grünen-Chef Cem Özdemir warnte vor einer politischen Instrumentalisierung der Taten. Es gebe keinen Hinweis, dass es sich bei den Tätern um Menschen handle, die in der Domstadt Unterkunft als Flüchtling erhalten hätten, sagte Oberbürgermeisterin Reker. Justizminister Heiko Maas (SPD) sprach von "organisierter Kriminalität".

Nach Übergriffen an Silvester: Mahnwache in Köln FOTO: dpa, obe kno

Dafür erntete er Widerspruch vom Kriminologen Christian Pfeiffer. Diese Behauptung sei eine Ablenkungsmanöver und verschleiere die eigentliche Ursache der Vorfälle, nämlich die misslungene Integration der vielen alleinstehenden männlichen Zuwanderer. Ähnlich äußerte sich die frühere Familienministerin Kristina Schröder (CDU). "Wir Demokraten dürfen das Thema der Gewaltbereitschaft vieler junger muslimischer Männer auf keinen Fall totschweigen. Denn dann würden rechtspopulistische oder rechtsextreme Parteien erst Recht Zulauf bekommen", sagte Schröder unserer Redaktion. Sie sieht das Frauenbild vieler Muslime, wonach unter anderem sich die Frau in der Öffentlichkeit verhüllen soll, als mögliche Ursache für die Attacken der Silvesternacht.

"In dieser Vorstellung gilt es dann als legitim, sich Frauen, die sich nicht dieser Vorstellung einer ehrbaren Frau unterwerfen, auch unehrenhaft zu nähern."

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