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Übergriffe in Köln
Reker wusste schon am 2. Januar Bescheid

Köln - Oberbürgermeisterin Henriette Reker wusste schon am 2. Januar Bescheid
Köln Oberbürgermeisterin Henriette Reker. FOTO: dpa, obe tmk
Exklusiv | Köln. Der entlassene Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers (59) hat Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) bereits am 2. Januar über die Einsatzlage in der Silvesternacht in Kenntnis gesetzt. Nach Informationen unserer Redaktion hat Albers sie angerufen und ihr viele Einzelheiten über den Polizeieinsatz geschildert. Von Christian Schwerdtfeger und Detlev Hüwel

Ein Sprecher von Reker bestätigte das Telefonat: "Sie haben am Samstag, den 2. Januar, ab 17.01 Uhr miteinander über die Geschehnisse gesprochen. Darin hat Albers erklärt, was passiert ist." Ob Albers ihr vom Inhalt des Polizeiprotokolls vom 2. Januar berichtet hat, in dem unter anderem steht, dass es 71 Personalienkontrollen am Hauptbahnhof gab, ist nicht bekannt.

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Henriette Reker habe Albers während des Telefonats gefragt, was er wegen der Vorkommnisse unternehmen wolle. "Er hat ihr dann geantwortet: ,Nichts'", so der Sprecher. Reker habe daraufhin für den 4. Januar ein Krisengespräch in ihrem Büro einberufen, an dem unter anderen der Stadtdirektor, der Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, der Leiter des Ordnungsamtes, Vertreter der Bundespolizei sowie Albers teilgenommen haben. In dieser Sitzung sollen die Übergriffe der Silvesternacht vom Leiter der Kölner Polizeidirektion Gefahrenabwehr deutlich angesprochen worden sein - auch die bis dahin bekannten Festnahmen und Personenkontrollen. Der OB-Sprecher bestätigt: "Es kam auch zur Sprache, dass Personen kontrolliert wurden, die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ausgestellte Asylpapiere bei sich hatten."

Einen Tag nach dieser Krisensitzung erklärte Reker am 5. Januar in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Albers, dass es absolut unzulässig sei, die Geschehnisse mit Flüchtlingen in Verbindung zu bringen. Dafür lägen keine Hinweise vor. Am 8. Januar teilte sie in einer Pressemitteilung mit, über das wahre Ausmaß der Silvesternacht erst aus den Medien am Abend zuvor erfahren zu haben. Ihr Vertrauensverhältnis zur Polizeiführung sei deshalb "erheblich erschüttert".

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Der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Kölner Stadtrat, Martin Börschel, hakt jedoch nach. "Viele haben Zweifel an Rekers chronologischer Darstellung", sagte Börschel auf Anfrage unserer Redaktion. Es gebe "sehr unterschiedliche Darstellungen" über den Informationsfluss zwischen der Polizei und Reker. Deshalb habe er Innenminister Ralf Jäger (SPD) schriftlich um Aufklärung gebeten. Reker habe der Polizei "mit großer Geste das Vertrauen entzogen. Das ist ein beispielloser Vorgang, der mich sehr verwundert hat". Der Staat funktioniere nur, wenn Behörden gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten.

Quelle: RP
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