Kölner Prozess um Juwelendiebe Ausnahmezustand zum Start des "Pink Panther"-Prozesses

Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen ist am Dienstag im Kölner Landgericht der Prozess gegen drei Männer gestartet, die Mitglieder der "Pink-Panther-Bande" sein sollen. Ihnen wird vorgeworfen, wertvolle Juwelen gestohlen zu haben.

 Die drei mutmaßlichen Juwelenräuber sitzen im Landgericht in Köln auf der Anklagebank.

Die drei mutmaßlichen Juwelenräuber sitzen im Landgericht in Köln auf der Anklagebank.

Foto: dpa, mb kd

Schwer bewaffnete Polizisten sichern am frühen Dienstag den Parkplatz der Kölner Staatsanwaltschaft hinter dem Justizgebäude. Autos dürfen hier schon seit Montag nicht mehr parken, alles ist bereit für die Ankunft dreier Gefangener, die per Hubschrauber zu ihrem Prozess gebracht werden. Um kurz vor acht landet der erste, im 20-Minuten-Abstand je zwei weitere Helikopter. Die drei Männer werden mit verbundenen Augen in gepanzerte, schwarze Limousinen gesetzt und die wenigen Meter zum Landgericht gefahren.

Milan L., Danila D. und Mario V., 38, 36 und 41 Jahre alt, sollen Mitglieder der Pink-Panther-Bande sein, die in den vergangenen 15 Jahren für mehr als 250 Überfälle in ganz Europa verantwortlich sein soll. Den Namen bekam die Bande von Scotland-Yard-Beamten, weil einige Mitglieder nach einem Überfall auf einen Londoner Juwelier Diamanten im Wert von einer halben Million Pfund in einer Creme-Dose versteckt hatten - diese Art des Verstecks ist in einem der "Pink Panther"-Filme aus den 1960er Jahren zu sehen.

Rund um das Kölner Landgericht herrschte vor dem Prozess auch deshalb der Ausnahmezustand, weil Milan L. nach einem Raub auf einen Juwelier vor vier Jahren in einer spektakulären Aktion von Komplizen aus einem Gefängnis in der Schweiz befreit wurde. Die Männer durchbrachen damals die Gefängnismauer mit einem Auto, bedrohten die Justizbeamten mit Sturmgewehren und halfen Milan L. und einem weiteren Häftling mit einer Leiter über den Sicherheitszaun.

Im aktuellen Prozess wirft die Staatsanwaltschaft Milan L. und Danila D. vor, im Oktober vergangenen Jahres in Esslingen am Neckar einen Werttransporter überfallen zu haben. Die maskierten Männer sollen mit Waffen und einem Teleskopschlagstock auf die Fahrer des Transporters zugelaufen sein. Einer fragte: "Ist das ein Scherz?" und wurde niedergeknüppelt. Die Täter erbeuteten neun Kartons voller Schmuck und Edelmetalle der Schweizer Firmen Chopard und Richemont im Wert von fast 600.000 Euro.

Einen Monat später — diesmal soll auch der dritte Angeklagte als Fahrer dabei gewesen sein — sollen die Angeklagten wieder einen Überfall auf einen Transporter der Schmuckfirmen in Süddeutschland geplant haben. Was sie nicht ahnten: Ermittler hatten einen GPS-Sender an ihrem Audi A4 angebracht, der Innenraum wurde abgehört. Am 11. November nahmen sie das Trio in einem Pforzheimer Hotel fest und stellten unter anderem ein vollautomatisches Sturmgewehr, einen Revolver und mehr als 100 Patronen sicher, die die Männer in einem Trolley ins Hotel gebracht hatten. Zeitgleich wurden weitere Waffen im Keller einer Wohnung in Köln-Ehrenfeld entdeckt. In der Wohnung lebte Milan L. mit seiner Verlobten.

Der Prozessauftakt verzögerte sich wegen der außergewöhnlichen Sicherheitsvorkehrungen. Jeder Zuschauer musste durch eine Schleuse und wurde von Justizbeamten abgetastet. Ein Spürhund schnüffelte sämtliche Taschen und Rucksäcke nach Sprengstoff ab. Sieben Beamte waren im Saal, als die Angeklagten nacheinander aus dem Keller in Saal 112 gebracht wurden. Lässig spazierten sie in den Saal, äußerlich unbeeindruckt von all den klickenden Kameras und Journalisten. Danila D. schlug Milan L. lachend auf die Schulter, küsste ihn auf die Wange. Der Justizbeamte beendete das Ganze und bat den 38-Jährigen, Platz zu nehmen.

Ob die Angeklagten sich zu den Vorwürfen äußern wollten, will der Vorsitzende Richter wissen. Doch alle drei lassen über ihre Verteidiger mitteilen, dass sie schweigen. Am Donnerstag möchten sie aber etwas über ihre Lebensläufe erzählen. Der Vorsitzende machte gleich am ersten Tag deutlich, dass viel auf dem Spiel steht: Milan L. und Danila D. droht Sicherungsverwahrung. Die Sicherungsverwahrung soll dazu dienen, die Allgemeinheit vor Tätern zu schützen, die ihre Strafe verbüßt haben, aber als gefährlich gelten. Sie kann neben einer Freiheitsstrafe angeordnet werden, die immer zuerst verbüßt werden muss. Kommt ein Täter nach seiner Haftstrafe in Sicherungsverwahrung, muss alle zwei Jahre geprüft werden, ob weiterhin eine Gefahr von ihm ausgeht.

Ein Urteil wird für den 24. November erwartet.

(hsr)
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