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Polizei über die Übergriffe von Köln
"Straftaten in einer völlig neuen Dimension"

Köln: Polizei spricht nach Übergriffen von "unerträglichem Zustand"
In Köln kam es in der Silvesternacht massenhaft zu Übergriffen auf Frauen. FOTO: dpa, mjh lof
Köln. "So etwas haben wir noch nicht erlebt": Die Kölner Polizei zeigt sich nach der Serie von Übergriffen am Hauptbahnhof schockiert. Am Dienstag steht eine Krisensitzung mit der Stadt an. Es geht auch um die Frage, ob Karneval wie gewohnt stattfinden kann.  Von Jessica Kuschnik

In Zusammenhang mit der Serie von sexuellen Übergriffen und Diebstählen in Köln in der Silvesternacht spricht der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers von einem "unerträglichen Zustand".

Auf der Pressekonferenz am Montag zeigt sich Albers schwer betroffen: "Das waren Straftaten in einer völlig neuen Dimension. Wir hatten es mit zahlreichen Sexualdelikten auch in massiver Form zu tun, darunter eine Vergewaltigung. Hinzu kommen Diebstahldelikte." Am Dienstag treffen sich daher Albers und die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, um darüber zu sprechen, wie solche Eskalationen künftig zu vermeiden sind.

"Das Verhalten der Täter macht mir große Sorgen, auch im Hinblick auf Karneval", sagt Albers. Nun werde geprüft, ob gewisse Orte bei kommenden Großveranstaltungen temporär videoüberwacht werden müssten, um derartige Straftaten zu verhindern. Inwieweit sich die Vorfälle in der Silvesternacht auf Karneval auswirken könnten, werden die kommenden Wochen zeigen. "Wir wollen nicht jeden Maskierten überprüfen. Es muss präventive Maßnahmen wie die Videoüberwachung geben, ansonsten findet Karneval nicht statt", sagt Wolfgang Wurm, Präsident der Bundespolizei Sankt Augustin.

Um Mitternacht wurde geräumt

Laut Michael Temme, Direktor Gefahrenabwehr, war der Einsatz in der Silvesternacht "in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Bereits um 21 Uhr versammelten sich 400 bis 500 junge Männer auf dem Bahnhofsvorplatz, die reichlich Alkohol getrunken hatten und unkontrolliert Feuerwerkskörper in die Menge warfen", so Temme. Dabei soll es sich um Männern aus dem nordafrikanischen Raum gehandelt haben, so die Ermittler. Ob sich diese zufällig dort trafen oder ob sie verabredet waren, könne man derzeit nicht sagen. 

Auf einer Pressekonferenz informierte die Polizei im Kölner Präsidium über die ersten Erkenntnisse zur Serie von Übergriffen auf Frauen am Bahnhof. FOTO: Jessica Kuschnik

Die Gruppe wuchs innerhalb kurzer Zeit auf 1000 Menschen an, die Stimmung wurde immer aggressiver, so dass die Einsatzkräfte der Polizei zusammengezogen wurden und der Platz kurz vor Mitternacht geräumt wurde.

Polizei: So etwas haben wir noch nie erlebt

Um 0.40 Uhr konnte die Sperrung wieder aufgehoben werden. Wie viel kriminelle Energie es an diesem Abend und in der Nacht tatsächlich gegeben hatte, zeichnete sich erst am Neujahrsmorgen ab. Temme: "Es gingen vermehrt Anzeigen bei uns ein, dass kleinere Gruppen von Männern vor allem Frauen sexuell angegangen sind. Daraufhin zeigten wir eine höhere Polizeipräsenz am Bahnhof und auf dem Vorplatz." 

"Es muss präventive Maßnahmen geben, ansonsten findet Karneval nicht statt", sagt Wolfgang Wurm von der Bundespolizei. FOTO: Jessica Kuschnik

Vorwürfe, dass das nicht ausgereicht habe, weist  Wurm, zurück. Eine Vorbereitung auf solch einen Einsatz habe es nicht geben können. "So etwas haben wir noch nicht erlebt - und wir werden es auch nicht hinnehmen."

"Noch keine konkreten Täterhinweise"

Insgesamt gab es laut Polizei-Bilanz bis jetzt 60 Anzeigen von 80 Geschädigten. Ein Viertel der Delikte steht im Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen. Drei von vier Opfern stammten den Angaben nach nicht direkt aus Köln. Albers geht zudem davon aus, dass es noch mehr Geschädigte gibt, die sich noch nicht bei der Polizei gemeldet haben. 

So funktioniert die Masche der "Antänzer"

Wer die Täter sind, könne man noch nicht sagen, so Heidemarie Wiehler, Direktion Kriminalität. "Wir haben noch keine konkreten Täterhinweise. Die Täter werden aber vorwiegend als aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum stammend beschrieben."

Krisentreffen mit Henriette Rekers

Die fünf Männer, die am Sonntag verhaftet worden sind, stehen nicht unter konkretem Verdacht, etwas mit den Delikten in der Silvesternacht zu tun gehabt zu haben. Sie wurden wegen ähnlicher Diebstahlsdelikte festgenommen. Zwei von ihnen wurden inzwischen in die JVA Ossendorf verlegt.

Reker sagte dem "Kölner Stadtanzeiger", es könne nicht sein, dass Köln-Besucher Angst haben müssten, überfallen zu werden. "Wir können nicht tolerieren, dass hier ein rechtsfreier Raum entsteht." Polizei und Bundespolizei seien "dringend gefordert". An dem Krisentreffen werden dem Bericht zufolge auch der Leitende Polizeidirektor, ein Vertreter der Bundespolizei, der Kölner Stadtdirektor Guido Kahlen und der Leiter des städtischen Ordnungsamts teilnehmen.

Weiteres Videomaterial wird ausgewertet

"Wir werden auch unseren Kräfteeinsatz überprüfen und unsere Einsatzform anpassen", ergänzt Temme beim Blick auf kommende Großveranstaltungen. Wurm betont jedoch, dass die Einsatzkräfte der Polizei mit insgesamt 173 und der Bundespolizei mit mehr als 70 Kräften im Normalfall ausreichend gewesen wären: "Dass sich der Einsatz so entwickeln würde, konnten wir nicht voraussehen."

In den kommenden Tagen wird nun das Videomaterial aus dem Hauptbahnhof ausgewertet. Zudem fordert die Polizei Zeugen und Geschädigte auf, sich zu melden. Auch Videomaterial von Smartphones könnte den Ermittlern weiterhelfen. "Wir haben außerdem 10 Kollegen mit einbezogen, die sich sonst mit Sexualdelikten beschäftigen und die sich jetzt mit dem Geschädigten zusammensetzen", sagt Wiehler.

Der NRW-Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Arnold Plickert, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die stark alkoholisierten Täter seien "völlig enthemmt gewaltvoll" vorgegangen. Ein Täter griff demnach einer Zivilpolizistin in die Hose.

Wie Täter bei Diebstahldelikten oftmals vorgehen und welche Tricks sie verwenden, erfahren Sie hier.

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