| 18.28 Uhr

Prozess in Köln
Das ungute Ende einer Liebe

Köln: Prozess wegen Stalkings: Das ungute Ende einer Liebe
Der Angeklagte vor Gericht mit seinem Verteidiger Martin Mörsdorf. FOTO: Claudia Hauser
Köln. Ein 48 Jahre alter Kfz-Mechaniker musste sich am Donnerstag wegen schwerer Nachstellung vor dem Kölner Amtsgericht verantworten. In fast 60 Fällen hat er seine Ex-Freundin bedroht, er lauerte ihr nachts auf und verletzte sie. Für die junge Schauspielerin wurde das Wiedersehen vor Gericht zur Belastungsprobe.  Von Claudia Hauser, Köln

Es ist ein Paar, das unterschiedlicher kaum sein könnte: Sie ist 27 Jahre alt, Theaterschauspielerin, eine kleine, zierlich-zarte Frau, dunkelblonde Locken. Er ist Kfz-Mechaniker, ein Kerl wie ein Baum, Glatze, Tätowierungen, 48 Jahre alt – und zur Zeit im Gefängnis. "Es war immer ein besonderes Verhältnis", sagt sein Verteidiger am Donnerstag vor dem Kölner Amtsgericht. "In Frankreich würde man sagen: Es war eine Amour fou." Diese Liebe war alles andere als gesund. Weil Thomas K. (Namen geändert) Teresa D. angegriffen und verletzt hat, sitzt er in Haft. Weil er sie in der Zeit vor der Inhaftierung immer wieder belästigt, gestalkt, angegangen und bedroht hat, muss er sich nun erneut vor Gericht verantworten, wegen schwerer Nachstellung, Körperverletzung und Bedrohung.

Für Teresa D. ist es ein schwerer Gang. Zitternd und nervös nimmt sie auf dem Zeugenstuhl Platz. Jedes Mal, wenn Thomas K. seinem Anwalt etwas zuzischt oder den Kopf schüttelt, zuckt sie zusammen. Es geht um 57 einzelne Taten, dazu gehören Anrufe, SMS oder Versuche, ihr aufzulauern, nachts vor ihrer Kölner Wohnung. "Er stand zwei Tage nach der letzten Verurteilung wieder vor meiner Tür", sagt sie. Diese Verurteilung war zur Bewährung ausgesetzt worden, die dann widerrufen wurde. "Er wollte mit mir reden und alles fing von vorne an."

"Es hat mir keiner geholfen, wenn er nachts vor meiner Tür stand"

Aus Angst, er könnte ihrer Familie oder ihrem Hund etwas antun – damit soll er gedroht haben – habe sie sich auf eine Art Deal eingelassen. "Er meinte, das Gericht hätte ihm Bewährung gegeben, ich solle das auch tun." Der Deal sah so aus, dass sie weiterhin Kontakt haben sollten, zu ihren Bedingungen. Sollte sie nach einer gewissen Zeit immer noch davon überzeugt sein, dass sie die Beziehung beenden wolle, würde er sie gehen lassen – so lautete die Vereinbarung. Sie sei auf diese Vereinbarung aber nur eingegangen, weil sie keinen anderen Ausweg gesehen habe. "Es hat mir ja keiner geholfen, wenn er nachts vor meiner Tür stand. Was hätte ich denn machen sollen?"

Wegen eines Theater-Engagement ging sie nach Braunschweig, Thomas K. folgte ihr. Als er sie mit einem Kollegen auf der Straße sah, schlug er zu, weil er dachte, sie habe einen anderen. Der Kollege und Teresa D. wurden verletzt. Sie erwirkte eine polizeiliche Verfügung, er durfte sich ihr nicht nähern, tat es aber trotzdem. "Es gab kein Leben ohne ihn. Entweder er terrorisierte mich oder ich ließ mich wieder auf ihn ein, um meine Familie zu schützen." In Braunschweig stand sie kurzzeitig unter Personenschutz. Erst als er im Januar dieses Jahres ins Gefängnis musste, hatte sie Ruhe. Sie ist in psychiatrischer Behandlung, leidet unter Schlaf- und Angststörungen.

Neue Freundin von Thomas K. will auf ihn warten

"Ihre Seele wird noch lange brauchen, um wieder gesund zu werden", sagt der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Er beantragt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten und beschreibt den Angeklagten als "enthemmten Charakter mit einem degenerierten Hang zur Gewalt". Thomas K. hat 30 Vorstrafen, sieben wegen Gewalttaten, drei wegen Nötigung. Sein Verteidiger moniert, dass sein Mandant nicht der "monströse Gorilla" sei, der eine zarte Elfe verfolgt habe. "Sie hat auch immer wieder den Kontakt zu ihm gesucht. Man kann ihn nicht aus jeder SMS ein Stalking drehen." Der Vorsitzende Richter verurteilt Thomas K. schließlich zu einer zweijährigen Haftstrafe, die er nicht zur Bewährung aussetzt. "Das hier ist die Fortsetzung einer Geschichte, die wir nicht haben wollten", sagt er. "Man muss die begründete Sorge haben, dass das nicht aufhört – es hat nur aufgehört, weil Sie verhaftet wurden."

Während er das Urteil verkündet, sitzt eine Frau im Zuschauerraum und weint. Es ist die neue Freundin von Thomas K. Die beiden haben sich kurz vor seiner Inhaftierung kennengelernt. Auch sie war im Zeugenstand. Thomas K. hat sie einmal aus Wut auf das Sofa gestoßen. Vorher hat er die Tür zu ihrer Wohnung eingetreten. Der Richter spricht die Situation an. Sie sagt: "Naja, ich hatte ihn provoziert." Sie will auf Thomas K. warten und mit ihm aus Köln wegziehen, um "sein kaputtes Leben wieder mit ihm aufzubauen", wie sie sagt. 

Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Köln: Prozess wegen Stalkings: Das ungute Ende einer Liebe


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.