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1400 Polizisten an Silvester im Einsatz
"Köln steht immer noch im Fokus"

Köln: Sicherheitszone um Dom an Silvester erweitert
Der Kölner Polizeipräsident Uwe Jacob und die Oberbürgermeisterin Henriette Reker während der Pressekonferenz am Mittwoch. FOTO: dpa, hka kde
Köln. Nach den massenhaften Übergriffen in der Kölner Silvesternacht vor zwei Jahren wird die Sicherheitszone rund um den Dom für die diesjährigen Neujahrsfeiern erweitert. Die Polizei rechnet damit, dass auch dieses Jahr Männergruppen anreisen. Von Claudia Hauser

Henriette Reker hat für den Jahreswechsel zwei Wünsche: Die Kölner Silvesternacht 2015/16, in der Hunderte Frauen sexuell bedrängt und bestohlen wurden, soll "ein einmaliges, unrühmliches Ereignis" bleiben, wie Kölns Oberbürgermeisterin sagt. Außerdem möchte sie gerne "allmählich zur Normalität zurückkehren" – es soll nun nicht jedes Jahr eine große Pressekonferenz im Historischen Rathaus geben, bei der Landespolizei, Bundespolizei und die Stadt das Sicherheitskonzept für Silvester vorstellen.

In diesem Jahr gibt es sie aber noch und Kölns neuer Polizeipräsident Uwe Jacob sagt: "Köln steht eben im besonderen Fokus der Öffentlichkeit." Als Konsequenz aus den massenhaften Übergriffen vor zwei Jahren wird die Präsenz von Polizisten in der Stadt deshalb auch in diesem Jahr groß sein.

Starke Polizeipräsenz

Etwa 1400 Beamte werden in der Silvesternacht im Einsatz sein, darunter fünf Hundertschaften. Die Bundespolizei wird mit mehreren hundert Beamten in den Zügen und auf den Bahnhöfen in Nordrhein-Westfalen präsent sein, uniformiert und in Zivil. Man will mögliche Straftäter so rechtzeitig abfangen, aber auch Taschendiebe möglichst schon auf der Anreise enttarnen.

Gegen 24 polizeibekannte Gewalt- und Sexualstraftäter sollen Bereichsbetretungsverbote ausgesprochen werden – sie dürfen dann gar nicht erst anreisen.

Die Polizei hält es für sehr wahrscheinlich, dass auch in diesem Jahr Gruppen junger Männer anreisen – im vergangenen Jahr wurden viele junge und nordafrikanisch aussehende Männer im Kölner Hauptbahnhof kontrolliert und hunderte Platzverweise ausgesprochen. Das so genannte "niedrigschwellige Eingreifen" der Polizei führte auch dazu, dass viele Männer kontrolliert wurden, die einfach nur zum Feiern nach Köln gekommen waren. Uwe Jacob sagt: "Wir werden uns bemühen, die Kontrollen so kurz wie möglich zu halten." Man werde vor allem diejenigen kontrollieren, die betrunken seien oder durch bedrohliches Verhalten auffallen.

Größere Gruppen, die sich im Kölner Hauptbahnhof oder auf dem Vorplatz aufhalten, sollen dort nicht länger bleiben, wie Wolfgang Wurm, Präsident der Bundespolizei, sagt. "Alle Feiernden sollen zügig zu den Gleisen gelangen – ohne belästigt zu werden."  Der Bahnhofsvorplatz wird als Fläche zum Feiern nicht zur Verfügung stehen.

Die Polizei ist nicht allein im Einsatz. 124 Mitarbeiter des Ordnungsamts werden von 400 Sicherheitskräften privater Unternehmen unterstützt, dazu kommen 20 Streetworker sowie 526 Feuerwehrleute und Rettungskräfte.

Schutzzone am Dom und Böllerverbot

Die Sicherheitszone um den Dom wird erweitert. In diesem abgesperrten Bereich ist das Abbrennen von Feuerwerk verboten. An den Eingängen der Zone wird es Kontrollen geben. Die Polizei setzt außerdem dort Betonsperren und Spezialfahrzeuge ein, wo Lastwagen als Waffen eingesetzt werden könnten wie bei den Attentaten in Nizza oder Berlin. Die Hohenzollernbrücke ist ab 18 Uhr gesperrt, die Deutzer Brücke ab 21 Uhr.  

Videoüberwachung

Inzwischen gibt es 25 Kameras am Hauptbahnhof und im Umfeld des Kölner Doms. Auf den Ringen sind weitere 19 Kameras, die Straftäter abschrecken sollen. Im Hauptbahnhof wurden schon im vergangenen Jahr 200 neue Kameras installiert.

Beratungsmobil für Mädchen und Frauen

Auf dem Rudolfplatz steht zwischen 21 und 2 Uhr ein Beratungsmobil als Anlaufstelle für Mädchen und Frauen, die möglicherweise Unterstützung brauchen. Beraterinnen sind auch telefonisch erreichbar unter 0221/221-27777.

Kampagne "Respekt" und Lichtinstallation

Am Silvesterabend startet die Stadt eine mehrsprachige Kampagne namens "Respekt". Das Wort soll in der Stadt präsent sein und für respektvollen Umgang miteinander werden. An Silvester werden etwa Armbänder verteilt. Am Abend wird es am Dom eine Lichtinstallation des Künstlers Ingo Dietzel geben.

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Bürgertelefon

Ab 27. Dezember beantwortet die Kölner Polizei Fragen unter Telefon 0221/229-7777. Das Bürgertelefon ist bis zum 30. Dezember zwischen 8 und 18 Uhr besetzt – am 31. ab 14 Uhr bis Neujahr, 2 Uhr. In der Silvesternacht wird die Polizei auch via Facebook und Twitter informieren.

 
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