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Kritik an OB Henriette Reker
Warum der #EineArmlänge-Shitstorm vom Wesentlichen ablenkt

#Armlänge Abstand nach Köln: Was Frauen dazu sagen
Meinung | Köln. Wegen einer Verhaltensempfehlung für Frauen ist Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker viel kritisiert worden – nicht ganz zu Unrecht. Doch darf das nicht vom eigentlichen Thema ablenken: der Ermittlung der Täter und dem Verhalten der Polizei. Von Dana Schülbe

Es war auf der Pressekonferenz am Dienstag, als Henriette Reker nach den Übergriffen in Köln erklärte, dass bereits existierende Hinweise aktualisiert werden sollen, wie sich Frauen gegen Übergriffe schützen könnten. Eine Journalistin hakte nach, sagte, sie habe keine Vorstellung, wie sie sich schützen könne und fragte, was denn das für Tipps seien.

Reker erwiderte: "Es gibt immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft. Also von sich aus gar nicht eine große Nähe zu suchen zu Menschen, die einem fremd sind und zu denen man kein gutes Vertrauensverhältnis hat." Ein fataler Satz, der ihr in den sozialen Netzwerken viel Kritik und Spott einbrachte.

Die Empörung ist groß, weil diese Äußerung impliziert, die Betroffenen müssten ihr Verhalten ändern, um nicht zu Opfern zu werden. Und das kann und darf von niemandem verlangt werden. Entsprechend ist die Aufregung durchaus nachzuvollziehen.

Ganz sicher war es nicht die Absicht der Oberbürgermeisterin, Frauen eine Mitschuld zu geben, wenn sie Opfer sexueller Übergriffe werden. Reker war deutlich ihre Unsicherheit anzumerken bei der Beantwortung der Frage, nachdem sie sich zuvor hilfesuchend im Raum umgeschaut hatte. Denn auch ihr dürfte durchaus bewusst gewesen sein, dass sie sich damit aufs Glatteis begeben kann. Leider tat sie es dann trotzdem.

Übergriffe in Köln: Frauen fordern Aufklärung

Stattdessen hätte Reker an dieser Stelle deutlich machen müssen, dass diese Hinweise nicht das eigentliche Thema sind, sondern vielmehr die Ermittlung der Täter und wie die Arbeit der Polizei verbessert werden kann und muss, um Exzesse wie in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof in Zukunft zu vermeiden.

Denn – und das ist das Problem bei der Debatte – die Empörung über Rekers Äußerung lenkt vom eigentlichen Thema ab. Sie lenkt davon ab, dass die Polizei die Lage in der Silvesternacht falsch eingeschätzt hat. Sie lenkt davon ab, Zeugen und Bildmaterial zu finden, um mögliche Täter ausfindig zu machen und strafrechtlich zu verfolgen.

Die Empörung lenkt auch davon ab, dass die Sicherheitsbehörden der Domstadt offenbar ein Problem damit haben, Gefahrenlagen richtig einzuschätzen. Aber vor allem lenkt sie davon ab, was die Polizei an ihrem Sicherheitskonzept ändern muss, um in Zukunft (etwa im Karneval) solche Situationen zu verhindern.

All das aber sollte nun im Vordergrund stehen. Das sind die Polizei und die Stadt den Betroffenen schuldig.

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