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Zu Besuch am Kölnberg
Wo der Müll aus den Fenstern fliegt

Kölnberg in Köln: Wo der Müll aus den Fenstern fliegt
Der Wohnblock am Kölnberg. Nicht gerade die beste Adresse Kölns. FOTO: dpa
Köln. Ein Hausverwalter will aus einem sozialen Brennpunkt einen Wohlfühl-Ort machen. Doch lässt sich am Kölnberg spürbar etwas verändern? Eine neue Dokumentation zeigt, wie schwierig das ist.

Er gilt als sozialer Brennpunkt und Schmelztiegel: der Kölnberg. Rund 4000 Menschen aus 70 Nationen leben in dem Hochhauskomplex am Stadtrand von Köln. Immer wieder ist der Kölnberg Thema von TV-Blaulicht-Reportagen, auch ein Kinofilm und ein "Tatort" spielten schon dort. Nun widmet sich das Magazin "Abenteuer Leben am Sonntag" auf Kabel eins in seiner nächsten Ausgabe dem Problemviertel. Titel: "Kölnberg - Deutschlands härtester Wohnblock auf der Kippe".

Für die Dokumentation hat Autor und Regisseur Karsten Scheuren den Hausverwalter der Anlage ein Jahr lang begleitet und zeigt seinen Versuch, aus dem Moloch eine angenehme Wohnanlage zu machen. Es ist ein Kampf gegen Müll, Verwahrlosung, Vandalismus und Kriminalität. Ein unrealistisch scheinendes Mammutprojekt - oder?

Eines der großen Probleme ist der Abfall, den Bewohner einfach irgendwo abstellen, in die Ecken packen oder schlicht aus den Fenstern werfen. Der Verwalter will das nicht mehr hinnehmen. Aufräumkolonnen sollen für Ordnung sorgen. Kameras werden installiert, um die Müll-Chaoten zu ermitteln. Wenn gutes Zureden nicht hilft, gibt es für sie eine Anzeige und die Kündigung. Die Hausverwaltung lässt Türen mit elektronischen Codes installieren, um Junkies auszusperren.

Neben dem Hausverwalter lässt Grimme-Preisträger Karsten Scheuren auch Bewohner der Anlage zu Wort kommen: Den Rentner, der seine Wohnung als Altersanlage sieht. Die alleinstehende Frau, für die ihr kleiner Balkon ihr Paradies ist. Die irakische Flüchtlingsfamilie, die sich in Deutschland einleben will.

Die Dokumentation zeigt: Bei allem Negativem gibt es auch kleine Schritte nach vorne. Ein Beispiel ist der neue Bolzplatz, der mit Hilfe von Streetworkern und Jugendlichen zum Vorzeigeprojekt des Viertels geworden ist. Doch vom Ziel einer Wohnoase ist der Kölnberg wohl nach wie vor Lichtjahre entfernt.

(lsa/lnw)
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