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Schließung zu Karneval
"Kölner Dom ist kein Zufluchtsort bei drohender Gefahr"

Kölner Dom wird an Karneval vor "Wildpinklern" geschützt
An Karneval wird der Kölner Dom zeitweise mit Gittern abgesperrt. FOTO: dpa, Oliver Berg
Köln. Erstmals wird der Kölner Dom über Karneval mit Absperrgittern geschlossen, um das Gotteshaus vor "Wildpinklern" zu schützen. Den Dom über Karneval zu öffnen, um Menschen Zuflucht zu gewähren, sollte es Übergriffe wie zu Silvester geben, hält Kölns Stadt- und Domdechant für illusorisch.

Kölns Stadt- und Domdechant Robert Kleine hat die temporäre Schließung des Doms zu Karneval verteidigt. Er sei kein Zufluchtsort bei drohender Gefahr, sagte er mit Blick auf die Gewaltexzesse der Silvesternacht. "Wir können doch nicht mit zwei Domschweizern sicherstellen, dass jemand, der verfolgt wird, in den Dom kommt, die Verfolger aber nicht."

Zu Karneval gelten in jedem Jahr eingeschränkte Öffnungszeiten. Erstmals wird zusätzlich die Westfassade mit dem Hauptportal an Weiberfastnacht und Rosenmontag abgesperrt, sagte Kleine. Die Idee, den Dom in diesem Jahr zu öffnen, um Menschen Zuflucht zu gewähren, sollte es Übergriffe wie zu Silvester geben, hält er für den falschen Weg. Der Dom stehe grundsätzlich allen offen und sei "kein Zufluchtsort in dem Sinne, dass da Leute hereinkommen und dann das Hauptportal schnell geschlossen werden kann". Diese Vorstellung sei illusorisch. "Dann müssten wir auch Polizeibeamte im Dom haben."

Kleine fordert stattdessen mehr Polizeipräsenz und Zivilcourage, damit "sich solche schlimmen Vorkommnisse wie an Silvester nicht wiederholen und die Freude und Fröhlichkeit überschatten". Dass es jetzt "zu Gegengewalt und so etwas wie Selbstjustiz in Form von sogenannten Bürgerwehren" komme, verurteile die Kirche aufs Schärfste, sagte der Domdechant. Politik, Polizei und Justiz müssten die Geschehnisse "mit klarem Kopf aufarbeiten und dafür sorgen, dass sich so etwas nicht wiederholt".

Wir erklären die Anzeigen von Köln FOTO: Radowski

Probleme mit Wildpinklern und Taschendieben

Der Dom wird nach den Gottesdiensten an Weiberfastnacht, Karnevalssamstag und Rosenmontag ab 10 Uhr, an Karnevalssonntag ab 12 Uhr aus Sicherheitsgründen geschlossen. Die Westfassade mit dem Hauptportal wird an Weiberfastnacht und Rosenmontag abgesperrt. An der Nordseite gebe es bereits seit einiger Zeit entsprechende Absperrungen, sagte Kleine. "Dass jemand dort seine Notdurft verrichtet, können wir nicht hinnehmen." 

Ein weiteres Problem seien Taschendiebstähle, sagte Kleine. "Das haben wir leider gerade in der Weihnachtszeit erlebt oder überhaupt, wenn es im Dom sehr voll ist." Auch wenn Menschen vor dem Dom auf Einlass warteten, sei es schon zu Diebstählen gekommen. "Das ist schlimm." Manchmal hinterließen Diebe leere Geldbörsen im Dom, in denen noch ADAC-, Gesundheitskarten oder andere Papiere seien, auch von ausländischen Touristen. "Wir versuchen dann, ihnen wenigstens diese Sachen zukommen zu lassen", sagte der Domdechant.

Kirche macht von ihrem Hausrecht Gebrauch

Weiter beklagte der Geistliche sinkenden Respekt vor dem sakralen Raum. "Ich habe das Gefühl, dass in unserer Gesellschaft immer weniger bekannt ist, wie man mit einem gewissen Anstand und Respekt in ein Gotteshaus geht", sagte Kleine. "Wenn Sie in eine Moschee gehen, gebietet es der Respekt, die Schuhe auszuziehen. In einer Synagoge trägt man eine Kopfbedeckung. In der Kirche ist es eben umgekehrt."

Manche Besucher versuchten, mit Hund und Getränken durch den Dom zu schlendern, andere behielten ihren Hut auf. "Wenn die Domschweizer dann freundlich bitten, die Würde des religiösen Ortes zu respektieren, sorgt das öfter für erregte Diskussionen." Der Dom sei kein öffentlicher Raum, sondern in erster Linie ein Gotteshaus. "Im allerschlimmsten Fall müssen wir von unserem Hausrecht Gebrauch machen und bitten, den Dom zu verlassen", sagte Kleine.

(jnar/KNA)
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