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"Halb nackt und parfümiert"
Kölner Imam gibt Frauen Mitschuld an Silvester-Übergriffen

Kölner Imam gibt Frauen Mitschuld an Übergriffen an Silvester
Der Imam bei dem Interview mit dem Sender Ren TV. FOTO: REN TV
Köln. Ein Kölner Imam hat im russischen Fernsehen den Opfern der Übergriffe aus der Silvesternacht eine Mitschuld gegeben. Medienberichten zufolge wird Sami Abu-Yusuf vom Verfassungsschutz beobachtet. Volker Beck von den Grünen stellte Strafanzeige. Von Ludwig Krause

Es wirkt wie Hohn angesichts der Taten aus der Kölner Silvesternacht. Ein Kölner Imam sagte dem russischen Fernsehsender "Ren TV", die Frauen hätten die Taten aus der Silvesternacht teilweise provoziert.

"Die Ereignisse der Neujahrsnacht waren die eigene Schuld der Mädchen, weil sie halb nackt waren und Parfüm getragen haben." Es sei nicht erstaunlich, dass Männer sie angreifen wollten. "Das ist, wie Öl ins Feuer zu gießen", sagte der Imam übereinstimmenden Medienberichten zufolge.

Das Interview hatte am Donnerstag weltweit Aufsehen ausgelöst. In den USA und Großbritannien berichtete unter anderem die konservative Webseite "Breitbart" ausführlich über das Gespräch.

Wie der "Express" berichtet, ist Sami Abu-Yusuf den Behörden kein Unbekannter. Der NRW-Verfassungsschutz habe den Imam schon länger im Fokus und stufe ihn als salafistischen Extremisten ein. Das soll ein Sprecher des NRW-Innenministeriums dem Blatt bestätigt haben. Auch die Moschee in Köln-Kalk stehe unter Beobachtung des Verfassungsschutzes.

Auch die Staatsanwaltschaft Köln wird sich des Falls annehmen müssen. Wie der Grünen-Politiker Volker Beck auf Twitter mitteilte, habe er Strafanzeige gegen Sami Abu-Yusuf gestellt. Er werfe ihm demnach Öffentliche Aufforderung zu Straftaten (Paragraph 111 Strafgesetzbuch) vor.

Einen Tag nach der öffentlichen Empörung ruderte Sami Abu-Yusuf in einem Gespräch mit dem "Express" zurück: Man habe seine Aussage aus dem Kontext gerissen. Natürlich dürfe man keine Frauen bedrängen, das "ist natürlich verboten und nicht nur für Muslime", sagt der Imam. Und weiter: "Es waren Frauen leicht bekleidet und sie trugen Parfüm, als sie durch die betrunkene Menge liefen. Das war für einige Nordafrikaner Anlass, die Frauen zu begrapschen. Das heißt aber nicht, dass ich glaube, dass Frauen sich nicht so kleiden dürfen. Jeder hat das zu akzeptieren. Und wem das nicht passt, der muss in ein anderes Land gehen. Das ist die Wahrheit."

(lukra)