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Petition gegen Abriss
Kölner Kulturkampf um bedrohte Litfaßsäulen

Petition gegen Abriss: Kölner Kulturkampf um bedrohte Litfaßsäulen
So sehen die umfunktionierten Litfaßsäulen aus. Etwa 50 alte Säulen werden von Künstlern genutzt. FOTO: Damian Zimmermann
Köln. Monatelang haben Kölner Künstler ihre Werke auf Dutzenden Litfaßsäulen gezeigt. Nun sollen die ausgemusterten Werbeträger abgerissen werden. Ein Bündnis versucht, sie mit einer Petition zu retten.  Von Sebastian Fuhrmann

"Erhalten Sie die Kunstsäulen in Köln" - so heißt die Online-Petition, mit der eine Kölner Künstler-Initiative für den Erhalt mehrerer Dutzend Litfaßsäulen in der Stadt kämpft. Seit mehr als einem Jahr zeigt eine Gruppe von Kölner Künstlern darauf ihre Werke. "Wir haben keine Angst", stand auf einem der berühmtesten Plakate, das sich auf die Lauschangriffe der amerikanischen Sicherheitsbehörde NSA bezog; darunter war eine Mobilfunknummer zu sehen. Die Kunstsäulen passten ins hippe Köln. Doch die für sie zuständige Firma Ströer hat damit begonnen, sie abzubauen. 

Die Künstler-Gemeinschaft "Art Initiatives Cologne" (AIC) will das nicht hinnehmen. "Ich weiß, dass es viele Leute in Köln gibt, die die Säulen toll finden", sagt Aktivist Damian Zimmermann. "Ich würde mir wüschen, dass sie stehenbleiben." Die Argumente der Kultur-Kämpfer klingen schlüssig: Wenn in den klammen Städten an irgendwas gespart werden muss, treffe es meistens die Kultur. So wie nur ein paar Kilometer weiter in Leverkusen. In der Nachbarstadt hatten Wirtschaftsprüfer der Stadt nahegelegt, über eine Schließung des überregional bekannten Museum Morsbroich nachzudenken. Ende offen. 

Aber warum werden die Kölner Säulen abgebaut? Vor zwei Jahren gewann Ströer die Ausschreibung für die Vermarktung von Werbeflächen der Stadt Köln. Der Vertrag sieht die Reduzierung der Werbeträger in der Stadt vor. 300 von 800 Litfaßsäulen in der Stadt sollen demnach abgebaut werden, um Kölns Werbelandschaft kleiner und digitaler zu machen. Dieser Abbau-Pflicht kommt das Unternehmen nun offenbar nach. Auf Nachfrage bestätigte die Stadt Köln, dass es eine vertragliche Rückbauverpflichtung gibt. Es heißt aber auch, man habe das Unternehmen aus dieser Pflicht entlassen wollen. Dazu sei es aber nicht gekommen. Ströer will sich offiziell nicht zu dem Thema äußern. 

Das Kunstsäulenprojekt hatte im Oktober 2015 unter dem Namen "Kunst an Kölner Litfaßsäulen" begonnen. Absolventen der Kunsthochschule für Medien Köln plakatierten 200 Säulen, bei späteren Plakataktionen waren es noch 50 Säulen im Stadtgebiet. Kosten entstanden der Stadt nicht. Ströer stellte den Künstlern die Säulen zur Verfügung und unterstützte die Künstler bei Druck, Plakatierung und Pflege. Einen Teil der Kosten trug die Hochschule. 

 
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