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Prozess in Köln
Lebenslange Haft für Mord an schwangerer Ehefrau

Prozess in Köln: Lebenslange Haft für Mord an schwangerer Ehefrau
FOTO: Claudia Hauser
Köln. Das Kölner Landgericht hat am Mittwoch den 49-jährigen Jamal O. (Namen geändert) zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes an seiner im fünften Monat schwangeren Ehefrau verurteilt.

In der Urteilsbegründung hieß es, die Tat gleiche einer "regelrechten Hinrichtung". Die Verteidigung hatte einen Freispruch gefordert. Bei seiner Urteilsfindung stützte sich das Gericht auf ein kurz nach der Tat bei der Polizei abgelegtes Geständnis. Das hatte der 49-Jährige zwar beim Prozessbeginn widerrufen, das Gericht verwertete die Aussage aber dennoch. Etliche Details ließen "eindeutig auf Täterwissen" schließen, sagte der Vorsitzende Richter. Zudem habe der Mann nach den tödlichen Schüssen aktiv versucht, die Tat zu verschleiern. Einen vom Angeklagten am vorletzten Verhandlungstag ins Spiel gebrachten unbekannten Dritten, der die Frau angeblich erschossen haben soll, wertete das Gericht als Schutzbehauptung.

Lebensstil des Opfers Grund für Streit

Neben der Trennungsabsicht sei vor allem der Lebensstil des Opfers, ihr Zigaretten-, Alkohol und gelegentlicher Drogenkonsum, Motiv für die Bluttat gewesen. Die gelernte Kosmetikerin Mia G. (36, Name geändert) war am 23. November 2016 mit zwei Schüssen in die Brust und einem Schuss in den Kopf aus nächster Nähe von ihrem Ehemann getötet worden. Zwischen dem Paar soll es zum Streit auf dem Weihnachtsmarkt am Kölner Heumarkt gekommen sein, als die Frau ein Glas Glühwein trinken wollte.

Zu Hause im Kölner Stadtteil Weiden soll der Streit eskaliert sein. Die 36-Jährige wollte nicht mit in die Wohnung kommen, sondern zur Beruhigung noch etwas spazieren gehen. Jamal O. folgte ihr mit dem Auto und ertappte seine schwangere Ehefrau dabei, wie sie an einen Fahrradständer gelehnt eine Zigarette rauchte. Wieder kam es zur Auseinandersetzung, wobei die Mia G. ankündigte, ihren Mann zu verlassen.

Daraufhin zog der 49-Jährige nach Auffassung des Gerichts die Waffe und schoss seiner Ehefrau auf offener Straße in die Brust. Als sie zusammensackte, schoss er ihr nochmals in den Kopf. Der Täter ließ sein Opfer zurück.

Ein Suizidversuch des Mannes in der Wohnung misslang. Zwei Tage später wurde er festgenommen. Die Polizei konnte damals die Tote nicht sofort identifizieren, weil sie keine Papiere bei sich hatte. Noch im November legte der 49-Jährige ein Geständnis ab – das er am ersten Prozesstag am 12 Juni allerdings widerrief.

(beab/top/lnw)