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Kölner Philharmonie
Publikum pöbelt bei Konzert gegen Musiker Esfahani

Mahan Esfahani: Kölner Publikum pöbelt gegen Musiker
Der Musiker Mahan Esfahani. FOTO: Bernhard Musil / Deutsche Grammophon
Köln. Das Konzert eines iranischen Musikers in der Kölner Philharmonie musste am Wochenende unterbrochen werden. Mehrere Zuhörer störten die Darbietung mit Pfiffen. Einige sollen den Musiker ausländerfeindlich angegriffen haben: "Sprechen Sie gefälligst Deutsch!" Von Merle Sievers

Mahan Esfahani, der bereits in England und den USA gelebt hat und inzwischen in Prag wohnt, gilt in der Klassik-Szene als absoluter Virtuose am Cembalo. Er trat am vergangenen Sonntag im Programm der Alte-Musik-Formation Concerto Köln auf. Das Orchester hatte für den Abend ein ungewöhnliches Programm, das die verschiedenen Stile der Barockmusik und Minimalmusic (einer neueren Musikrichtung) durch das Cembalo als verbindendes Element präsentieren sollte, entworfen.

Musiker sprach auf Englisch zum Publikum

Die Musiker spielten vier Stücke, drei davon bereits mit Cembalo-Begleitung duch Esfahani. Vor Beginn des fünften Stückes des Abends, der "Piano Phase" von Steve Reich, wandte Esfahani sich auf Englisch an das Publikum. Seine Moderation wurde von Zwischenrufen aus dem Publikum unterbrochen. Die Forderung "Sprechen Sie Deutsch!" war laut des Orchester-Managers Jochen Schäfsmeier mehrfach zu hören.

"Es war eine Unruhe unter den Zuschauern zu spüren, die sich auch nach Beginn des Stückes nicht legte", sagte Schäfsmeier unserer Redaktion. Die sonst üblicherweise einkehrende Stille habe sich nicht eingestellt. Die Leute boykottierten die laufende Darbietung auf der Bühne demonstrativ durch Murmeln, Klatschen und laute Unterhaltung, berichtet Schäfsmeier. Viele Zuschauer verließen demnach den Saal vorzeitig. 

"Wovor haben Sie Angst?"

Nach wenigen Minuten brach Esfahani sein Spiel ab. "Why are you afraid?" (deutsch: Wovor haben Sie Angst?), fragte der Musiker ins Publikum. Die Kölner sollten seiner Meinung nach froh sein, eine solche Musik hören zu können. "Ich komme aus einem Land, in dem so etwas verboten ist", sagt der Cembalist mit iranischen Wurzeln. 

Sehen Sie hier eine Darbietung des Stückes "Piano Phase" von Reich: 

Die Reaktion des Kölner Publikums stößt auch bei den restlichen Musikern auf Unverständnis. "So etwas habe ich noch nie erlebt. Die Menschen haben sich regelrecht schlecht benommen", so Schäfsmeier. Allerdings wehrt er sich dagegen, den Zuschauern Rassismus zu unterstellen. Ihm zufolge war eher die ungewöhnliche Musik Auslöser für den Eklat in der Philharmonie. 

"Anspruchsvoll und neu"

"Das besagte Stück ist anspruchsvoll und neu für unser hiesiges Publikum. Es verlangt seinen Zuhörern viel ab. Bei der Aufführung eines Händel- oder Mozartkonzertes wäre so etwas vermutlich nicht passiert", sagte der Geschäftsführer. Für ihn leite sich daraus die Frage ab, wie man den Zuhörern in Zukunft erfolgreich Musik vermittelt, die ihnen fremd ist. 

Nichtsdestotrotz war das Verhalten mancher Zuschauer dem musikalischen Gast gegenüber an diesem Abend unangenehm. Am Ende des Konzerts ergriff ein aufgebrachter Besucher in der Philharmonie das Wort und entschuldigte sich für "den empörenden Vorfall." 

Nach dem Eklat spielte Mahan Esfahani wie geplant zu Ende und gab sogar noch eine Zugabe. Auf der Internetseite des Musikmagazins SlippeDisc äußerte sich der Musiker zu dem Vorfall: "Manche Menschen sind Dummköpfe, manche Menschen drücken ihre Angst durch Feindseligkeit aus, manche Menschen sind sauer, wenn sie etwas Fremdes nicht verstehen, und entwickeln deswegen Angst."

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