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Kölner Silvesternacht
Massenpanik auf der Hohenzollernbrücke ist Thema im Ausschuss

Kölner Silvesternacht: Massenpanik auf der Hohenzollernbrücke ist Thema im Ausschuss
In der Silvesternacht kam es auf der Hohenzollernbrücke in Köln zu einer Massenpanik. FOTO: dpa
Köln/Düsseldorf. Im Untersuchungsausschuss zur Kölner Silvesternacht ist am Montag die Massenpanik auf der Hohenzollernbrücke das Hauptthema. Mehrere Zeugen werden dazu gehört. Auch die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker wird aussagen.  Von Christian Schwerdtfeger

Die Massenpanik auf der Kölner Hohenzollernbrücke in der Silvesternacht ist heute Thema im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (Pua) im Düsseldorfer Landtag. Das Gremium will unter anderem aufklären, wie es zu der brenzligen Situation kommen konnte. Unter anderem werden auch Zeugen gehört. "Die Menschen hatten Angst und spürten die Gefahr - es ist ein Wunder, dass niemand verletzt wurde", sagt Anne Richter. Die 35-jährige Kölnerin war mit ihrem Mann Bernd Rosenbaum mitten im Gedränge. "Weil von hinten gedrängelt wurde, wurden wir gegen die Balustraden gedrückt."

Das Paar war an Silvester nach Köln gefahren, weil Rosenbaum dort Fotos vom Feuerwerk machen sollte. Gegen 0.30 Uhr gingen die beiden über die Hohenzollernbrücke Richtung Hauptbahnhof. "Plötzlich stockte alles. Wir hatten Angst, und deshalb flüchteten wir mit anderen über die Gleise aus dem Gedränge", sagt Richter. Dort kamen ihnen dann etwa zehn Polizisten entgegen. "Sie sagten uns, wir sollten die Gleise verlassen. Sie verstanden aber nicht, dass das nicht möglich war." Die 35-Jährige und ihr Mann laufen an den Polizisten vorbei. Den meisten anderen gelingt das nicht. "Wir hatten wohl einfach nur Glück", sagt sie.

Die Ereignisse rund um die Silvesternacht in Köln FOTO: dpa, obe kno

Was genau zu dem gefährlichen Gedränge geführt hat, steht noch nicht fest. Nach Informationen unserer Redaktion sollen Gruppen aus nordafrikanischen Männern absichtlich für einen Stau auf der Brücke gesorgt haben, um in dem Gedränge zu stehlen. Die Polizei bestätigte das aber nicht.

Völliges Chaos auf der Brücke

Rund um den Hauptbahnhof und der Hohenzollernbrücke herrschte zu diesem Zeitpunkt in der Silvesternacht längst völliges Chaos. Unter den Augen der Polizei waren Hunderte Frauen von Männergruppen eingekesselt, beraubt und sexuell bedrängt worden. Es soll auch Vergewaltigungen gegeben haben.

Die Bundespolizei bestätigte die Massenpanik auf der Brücke, schiebt die Verantwortung dafür allerdings auf das Ordnungsamt der Stadt Köln. Der Einsatzleiter der Bundespolizei in der Nacht, Detlef M., sagte im Ausschuss bereits aus, dass das Ordnungsamt für die Absperrung der Brücke zuständig gewesen sei. Die Stadt, betonte M., habe auf die Massenpanik nicht reagiert. Deshalb seien die Menschen aus Angst auf die Gleise gelaufen. Einen Funkverkehr mit dem Ordnungsamt habe es nicht gegeben. Das Ordnungsamt wies die Kritik zurück, räumte aber ein, an den Zugängen zur Hohenzollernbrücke Absperrgitter aufgestellt zu haben, die geschlossen werden sollten, wenn es zu voll werde. Es war nach eigenen Angaben mit 24 Mitarbeitern und 72 externen Kräften (private Security) im Einsatz.

Henriette Reker wird als Zeugin gehört

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker sagt am Montag (10.00 Uhr) zu den Silvester-Übergriffen im Untersuchungsausschuss des Düsseldorfer Landtags aus. Auch sie war nach den Gewaltexzessen in der Domstadt in die Kritik geraten. Am 5. Januar hatte Reker in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem damaligen Polizeipräsidenten Wolfgang Albers über die Vorfälle berichtet. Weil sie Frauen empfahl, im Gedränge als Vorsichtsmaßnahme "eine Armlänge" Abstand zu halten, erntete sie danach Spott.

Rekers Sprecher Gregor Timmer hatte kürzlich im U-Ausschuss erklärt, die Oberbürgermeisterin habe in den Tagen nach Neujahr schnell agieren wollen, um die Sicherheitslage zu verbessern. An Silvester waren rund um den Hauptbahnhof unter den Augen der Polizei mehrere Hundert Frauen Opfer sexueller Übergriffe geworden.

(RP/lnw)
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