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Übergriffe in Köln
Düsseldorferin Milo Moiré protestiert nackt vor dem Dom

Köln: Nackter Protest nach Übergriffen auf Frauen
Köln. Mehr als ein Paar pinke Turnschuhe trug sie nicht am Körper: Die in Düsseldorf lebende Nackt-Künstlerin Milo Moiré hat am Freitagmorgen als Reaktion auf die Ereignisse in der Silvesternacht in Köln vor dem Dom für die Selbstbestimmtheit von Frauen demonstriert.  Von Sebastian Fuhrmann

In den Händen hielt die gebürtige Schweizerin ein Schild mit der Aufschrift: "Respektiert uns! Wir sind kein Freiwild selbst wenn wir nackt sind!" Moiré demonstrierte damit eine Viertelstunde auf der Domplatte, nur unweit der Stelle, an der in der Silvesternacht Frauen von Männern umzingelt und sexuell belästigt worden waren.

"Ich stehe hier für die Freiheit der Frauen, sich frei bewegen zu können. Und für die Errungenschaften der letzten 50 Jahre, dafür dass man diese Werte nicht mit Füßen tritt. Dafür, dass Frauen sich nicht maßregeln lassen müssen", sagte die Performance-Künsterlin. So nennt sich die Schweizerin selbst.

Milo Moiré protestiert nackt vor dem Kölner Dom FOTO: dpa, obe ink

Von der Politik fordert sie nun Konsequenzen: "Es ist jetzt die Aufgabe der Politik, Maßnahmen zu ergreifen, damit das nicht mehr vorkommt und Frauen weiterhin in Freiheit leben können."

Moiré äußerte sich auch zu der viel kritisierten Äußerung von Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos), Frauen sollten zu Fremden "eine Armlänge Distanz halten", damit es bei Großveranstaltungen nicht erneut zu Geschehnissen wie denen aus der Silvesternacht komme. "Ich denke, es ist der falsche Weg, dass man den Opfern vermittelt, dass sie etwas falsch gemacht haben. Frauen sollen weiterhin mit erhobenem Haupt selbstbewusst durchs Leben schreiten. Mit einem wachsamen Auge, aber trotzdem selbstbewusst und selbstbestimmt", sagte Moiré.

Während die Schweizerin am Freitagmorgen vor dem Dom in zahlreiche Kameras von Zeitungen und TV-Sendern schaut, zeigt die Polizei erhöhte Präsenz. Auf der Domplatte stehen zwei Streifenwagen. Vom Domeingang aus gesehen rechts, dort wo einige Bänke in der Sonne stehen, kontrollieren Polizisten einen jungen Mann.  

Als Moiré sich einen Mantel überstreift und die Protestaktion beendet ist, klatscht ein Passant spontan Beifall. Viele schließen sich ihm an, einige schreien "Bravo!" Ein älterer Herr scheint die Botschaft nicht verstanden zu haben. In kölschem Dialekt sagt er: "Inne Piep-Show musse dafür bezahlen. He krisse dat umsöönss."

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