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Mottowoche in Köln
Forscherin sieht Abi-Randale auch als Reaktion auf Verbote

Mottowoche in Köln: Forscherin sieht "Abi--Krieg" als Reaktion auf Verbote
Die Kulturforscherin Katrin Bauer untersucht die Abi-Rituale. FOTO: dpa, skm kno
Köln. Mit ihrem "Abi-Krieg" haben Schüler in Köln für Diskussionen gesorgt, bei den Auseinandersetzungen gab es sogar Verletzte. Die Kulturwissenschaftlerin Katrin Bauer hat sich wissenschaftlich mit Abi-Ritualen beschäftigt. Sie hält die Eskalation für ein Randphänomen - das aber eine neue Qualität habe.

In der Nacht zu Mittwoch ist es nach Angaben der Polizei zwar ruhig geblieben. Trotzdem fragen sich nach den Randalen von Abiturienten rivalisierender Schulen in Köln: Wo hört der Abi-Scherz auf und wo beginnt die Straftat? Die Kulturwissenschaftlerin Katrin Bauer vom LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte in Bonn beschäftigt sich schon lange mit den Ritualen von Abiturienten. Im Interview berichtet sie von den ersten Anzeichen für die Eskalation, die neue Tradition der Mottowoche und warum man in den Randalen auch eine Form von Reaktion auf Vorangegangenes sehen könnte.

Als Sie erfahren haben, dass vermeintliche Abi-Streiche in Köln wohl nun auch Verletzte gefordert haben - hat Sie das überrascht?

Bauer: So richtig überrascht hat es mich nicht. Wenn man sich die letzten zwei, drei Jahre anguckt, hat es sich ein wenig angedeutet.
Wir hatten auch schon letztes Jahr in Köln eine ähnliche Situation mit nicht ganz so vielen teilnehmenden Abiturienten und nicht ganz so viel Gewalt. Es gab schon erste Anzeichen. Dass es dieses Jahr so massiv und tatsächlich auch gewalttätig geworden ist, hat eine neue Qualität.

In der Stadt gibt es offenbar rivalisierende Gymnasien, deren Abiturienten sich seit einigen Jahren gegenseitig provozieren. Kennt man das auch aus anderen Städten?

Bauer: Das ist in Köln wahrscheinlich eine relativ spezifische Situation, weil wir sehr viele Gymnasien auf engem Raum zusammen haben. Und bei den Abi-Gags geht es eigentlich immer darum, sich selber als Stufe kollektiv zu erleben und eine ganz starke Identität zu stiften. Und das geschieht häufig in Abgrenzung zu anderen, in diesem Fall in Abgrenzung zu anderen Schulen. Das ist ein Phänomen, was wir generell - schon seit den 90er Jahren - bei den Abi-Gags beobachten können.

Mal zum Abi-Scherz an sich gefragt: Anscheinend hat sich da ja viel verändert in den vergangenen Jahrzehnten.

Bauer: Abi-Gags kennen wir eigentlich erst seit den 1970er Jahren.
Wenn man sich die 60er und die Studentenprotestgeneration anschaut, dann gab es da so etwas eigentlich überhaupt nicht. Da hat man sich das Abi-Zeugnis zuschicken lassen. Danach veränderte sich etwas, auch durch die Oberstufenreform, so in den 70er Jahren, in denen eher harmlosere Spielchen und Streiche gespielt werden. Und ab so den 90er Jahren wird das ganze professioneller, dann stehen die Abi-Shows im Mittelpunkt. Seit den letzten zehn Jahren ungefähr haben wir die Mottowoche als relativ neues Element, was wahrscheinlich aus den USA zu uns gekommen ist. Die Schüler verkleiden sich in der letzten Schulwoche und geben sich jeweils ein anderes Motto.

Richtige Anarchie war man aus den Schulen ja eigentlich im Großen und Ganzen nicht mehr gewohnt. Schüler berichteten gelegentlich, dass oft auch ziemlich strikte Regeln für Abi-Scherze ausgegeben würden. Hat die Eskalation damit etwas zu tun?

Bauer: Was man schon beobachten kann ist, dass die Abi-Gags in den vergangenen Jahren stärker reglementiert wurden durch die Schulen, auch aufgrund von Vorfällen mit Alkohol. Abiturienten mussten teilweise richtige Verträge unterschreiben und wurden haftbar gemacht für eventuelle Schäden. Teilweise wurden Abi-Gags verboten oder abgesagt. Es kann schon sein, dass das hier sozusagen die Reaktion darauf ist. Dass man sagt: Wir gehen aus dem Schulgebäude raus und verlagern es ein Stück weit in den öffentlichen Raum.

(lnw)
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