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Entsetzen in Köln
Abiturienten drohen mit Pistole und Messer

Mottowoche Köln 2016: Abiturienten drohen mit Pistole und Messer
FOTO: Screenshot Youtube
Köln. Die Mottowochen der Schüler haben eine neue Eskalationsstufe erreicht. In Köln wurden sieben Schulgebäude beschädigt. Die Polizei stellte Waffen sicher. In einem Internetvideo wird weitere Gewalt angekündigt. Von Christian Schwerdtfeger

Abiturienten haben ein Video ins Internet gestellt, das die Kölner Polizei nach den massiven Ausschreitungen bei Abiturfeiern am vergangenen Wochenende besonders interessieren dürfte. In der 3:29 Minuten langen Aufnahme namens "Kölsche Gören und Buben" werden die Regeln für die anstehenden Mottowochen verlesen - und das demonstrativ mit brennenden Fackeln in düsterer Atmosphäre. Die Jugendlichen, die ihre Gesichter hinter schwarzen Kapuzen und Masken verbergen, erklären in dem Video, dass Wasser die einzig zu respektierende Waffe sei. In einer anderen Szene streckt ein Schüler aber eine Pistole in die Kamera. Gezeigt werden auch blutverschmierte Schlachtermesser.

Dass ein solches Video nicht auf die leichte Schulter genommen und als Dummejungenstreich abgetan werden sollte, zeigen die Vorkommnisse der vergangenen Tage an Kölner Schulen. So haben in der Nacht zu Montag rund 100 angehende Abiturienten insgesamt 15 Polizeieinsätze ausgelöst. Es gab schwere Sachbeschädigungen an sieben Gymnasien. "Es gibt auch Anzeigen wegen teils gefährlicher Körperverletzung sowie Verstößen gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz", sagt ein Polizeisprecher. Es wurden Drogen, Baseballschläger und eine zur Schlagwaffe umgebaute Fahrradkette sichergestellt.

Davor hatte am Freitagabend ein Großaufgebot der Polizei in Köln einen Platz mit rund 50 feiernden Schülern geräumt. Dabei mussten die Beamten Pfefferspray und Schlagstöcke einsetzen. Einige Jugendliche hatten Polizisten angegriffen. Mehrere waren in Gewahrsam genommen worden. "Das hat nichts mit Feiern zu tun", betonte Kölns Polizeipräsident Jürgen Mathies.

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Marc Lürbke, Innenpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, zeigt sich entsetzt: "Während früher nur durch bloße Anwesenheit eine einzelne Streifenwagenbesatzung eine einschüchternde Wirkung auf eine eskalierende Abi-Feier gehabt hätte, müssen heute 70 Einsatzkräfte anrücken."

In NRW haben die sogenannten Mottowochen der Abiturienten begonnen. Viele Schulen blicken mit Sorge auf die kommende Zeit. Denn die Polizei meldete in den vergangenen Jahren wie jetzt in Köln immer wieder schwere Auseinandersetzungen, Sachbeschädigungen wie eingeschlagene Fensterscheiben und Farbschmierereien. Auch zu Brandanschlägen kam es schon.

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Der Vorsitzende des Philologenverbandes NRW, Peter Silbernagel, hat für das krawallige Verhalten der Heranwachsenden überhaupt kein Verständnis. "Von jemandem, der vor seiner Reifeprüfung steht, sollte man doch ein Mindestmaß an Verantwortung erwarten können", sagt Silbernagel. "Die Schüler, die so etwas machen, gehören bestraft. Das ist eine Blamage für die Gymnasien", betonte er.

Stefan Drewes leitet das Zentrum für Schulpsychologie in Düsseldorf. Er meint, dass die Jugendlichen solche heftigen Aktionen starten, um sich von anderen abzuheben. "Die Mottowochen sind ein Ritual, sich gegen Autoritäten aufzulehnen. Sie wollen noch einmal ein Gemeinschaftsgefühl schaffen, bevor man auseinandergeht", sagt der Psychologe.

Randale zu unterbinden, ist eigentlich Aufgabe der Schulen. "Es ist die dringende Empfehlung ausgesprochen worden, das Thema Abi-Streiche im Rahmen der Schulkonferenz zu besprechen", sagt ein Sprecher der Düsseldorfer Bezirksregierung.

Was auf die Schulen noch alles zukommen kann, zeigt ein Blick ins vergangene Jahr. In Bochum hielten etwa 60 als Filmstars verkleidete Schüler Autos an, besetzten diese und ließen sich durch die Stadt fahren. Die Polizei rückte mit mehreren Streifenwagen aus. In Aachen stürmten neun Abiturienten in Tarnkleidung und mit täuschend echt aussehenden Spielzeugwaffen die Schule.

"Die Vorfälle in Köln am vergangenen Wochenende zeigen, dass es in diesem Jahr noch heftiger werden kann", sagt ein Polizeisprecher. Das neue Internetvideo der "Kölsche Gören und Buben" bestätigt seine Befürchtung.

Quelle: RP
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