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Nazi-Spielzeug im Katalog
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Kölner Auktionshaus

Nazi-Spielzeug: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Kölner Auktionshaus
Die Hakenkreuze auf den Armbinden der Figuren, hier Adolf Hitler und Joseph Goebbels, wurden mittlerweile online verpixelt. FOTO: Screenshot / www.liveauctioneers.com
Köln . Eine alte Schreibmaschine, ein antikes Radio - und NS-Spielzeug. Mit diesem Angebot sorgt das renommierte Kölner Auktionshaus Breker derzeit für Aufsehen. Jetzt ermittelt sogar die Staatsanwaltschaft.  Von Marlen Keß

Der Stein des Anstoßes sind insgesamt fünf Figurengruppen, die bei einer Versteigerung am 20. Mai unter den Hammer kommen. Die Püppchen der Hersteller Lineol und Elastolin zeigen unter anderem Adolf Hitler und weitere NS-Größen, bei denen sich teilweise der Arm zum Hitlergruß anheben lässt. Die sogenannten Massefiguren aus bemaltem Holzleim waren in den 1930ern ein beliebtes Kinderspielzeug. 

Bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft geht es allerdings nicht um den Verkauf der NS-Figürchen, sondern um das in Deutschland verbotene Zeigen von verfassungsfeindlichen Symbolen wie dem Hakenkreuz. Das sagte der zuständige Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn unserer Redaktion.

Das Hakenkreuz ist auf mehreren der Figuren abgebildet. Beispielsweise ist es am Arm von Püppchen zu erkennen, die Adolf Hitler und seinen Propagandaminister Joseph Goebbels darstellen und aus dem Jahr 1938 stammen sollen. Bis zu 400 Euro verspricht sich das Aktionshaus von dem Verkauf. Bei einem SA-Wachhäuschen mit drei Figuren aus dem Jahr 1933 könnten demnach sogar 1500 Euro drin sein. 

Die Fotos, wegen derer jetzt ermittelt wird, waren Teil eines gedruckten Katalogs des Auktionshauses. Dieser enthält alle Artikel, die bei der großen Versteigerung Ende Mai unter den Hammer kommen. Die Bilder wurden aber auch im Internet veröffentlicht. Mittlerweile sind die Symbole auf den Online-Fotos verpixelt. 

Das Auktionshaus verweist darauf, nicht gewusst zu haben, dass es die Hakenkreuze nicht zeigen darf. "Die Figuren sind maximal sieben Zentimeter groß, da kann doch keiner Propaganda draus machen", sagt Uwe Breker, Inhaber des weltweit tätigen Hauses. "Da wird viel Wind um nichts gemacht." 

Das sieht die Kölner Staatsanwaltschaft offenbar anders. Die Ermittlungen in der Sache liefen noch, sagt Oberstaatsanwalt Willuhn. "Nazi-Devotionalien dürfen verkauft werden, aber die bildliche Darstellung der NS-Symbole ist eben verboten." Eine Ausnahme bildet der wissenschaftliche Rahmen, das treffe bei einem Verkauf allerdings nicht zu. Ob es angemessen sei, mit solchen Gegenständen überhaupt zu handeln, sei eine andere Frage, sagt Willuhn - erlaubt sei es jedenfalls. 

Auch auf diesem SA-Wachhäuschen sind mittlerweile nur noch verpixelte Hakenkreuze zu sehen. FOTO: Screenshot / www.liveauctioneers.com

Uwe Breker sieht darin nichts Besonderes: Es gebe nicht nur in Deutschland viele Auktionshäuser, die solches Spielzeug im Angebot hätten. Zudem verkaufe man ja auch nicht an irgendwen, jeder potentielle Käufer müsse sich vor dem Bieten registrieren. "Wir halten das für Zeitgeschichte", sagt er und ergänzt: "Was populär ist, wird eben auch zu Spielzeug verarbeitet." Nach dem Hinweis der Staatsanwaltschaft habe sein Haus die Fotos aber rasch verpixelt. "Wenn das ungesetzlich ist, halten wir uns natürlich daran." 

 
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