| 00.00 Uhr

Köln
Neue Dokumentationen zur NS-Zeit

Fotos: Peter Scholl-Latour: Bilder aus seinem Leben
Fotos: Peter Scholl-Latour: Bilder aus seinem Leben FOTO: dpa, tba fdt lre cul
Köln. In Band 18 aus der Schriftenreihe des NS-Dokumentationszentrums geht es um die Rolle des Karnevals und der Karnevalisten zwischen 1933 und 1939. Die zweite Neuerscheinung beleuchtet die Besuche ehemaliger Zwangsarbeiter. Von Monika Salchert

Im Abstand von wenigen Tagen sind zwei bemerkenswerte Bände aus der Schriftenreihe des NS-Dokumentationszentrums erschienen. Keine leichte Lesekost, doch wichtige Beiträge, um die Zeit des Nationalsozialismus in Köln noch einmal ein Stück transparenter zu machen.

Karneval in der NS-Zeit

Noch viele Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges herrschte in der Kölner Karnevalsszene die Meinung vor, die damaligen Funktionäre hätten sich lange erfolgreich gegen der Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten gestemmt. Überhaupt sei der Karneval eher unpolitisch gewesen. Diese Verklärungsgeschichten sind längst widerlegt. Einer der renommiertesten Experten auf diesem Gebiet ist der Historiker Marcus Leifeld. In seinem Buch "Der Kölner Karneval in der Zeit des Nationalsozialismus" zeigt er unter anderem die Entwicklung des Karnevals vom regionalen Volksfest zum Propaganda-Instrument der Nationalsozialisten auf. Das Werk bietet einen genauen Blick auf die gesellschaftlichen Vorgänge in Köln zwischen 1933 und 1939. Der Karneval hatte für den Nationalsozialismus eine große Bedeutung. Die Nazis hatten rasch erkannt, dass sich so die Massen gut mobilisieren und unterhalten ließen. Der Nutzen für den Tourismus und die Wirtschaft kam ebenfalls sehr gelegen. Ab dem Jahr 1936 dienten die Büttenreden, Liedtexte und Motivwagen im Rosenmontagszug zunehmend der überregionalen Verbreitung des Antisemitismus. In dem Rosenmontagszug 1936 fuhr ein Wagen mit der Aufschrift "Däm han se op d'r Schlips getrodde" mit. Er spielte auf die ein Jahr zuvor erlassenen Nürnberger Rassegesetze an, mit denen die Juden in Deutschland vollends ihrer Rechte beraubt worden waren.

Zwangsarbeit in Köln

In der gleichen Reihe ist der Band "Uns verschleppten sie nach Köln" erschienen. Die außergewöhnliche Dokumentation bietet ein einzigartiges Bild der Zwangsarbeit in Köln während der Zeit des Nationalsozialismus. Von 1989 bis 2014 gab es in Köln jedes Jahr ein Besuchsprogramm für ehemalige Zwangsarbeiter. Mitarbeiter des NS-Dokumentationszentrums und der Projektgruppe Messelager organisierten in diesen 25 Jahren 36 Reisen von über 500 Gästen. Angelika Lehndorff-Felsko begleitete diese Besuche über viele Jahre. Sie wertete für das Buch eine Fülle an Bildern und Texten aus. Wichtigste Quellen waren annähernd 500 Interviews, die während der Besuche entstanden sind. Das Buch leistet einen wichtigen Beitrag zur Erforschung des Themas Zwangsarbeit. In Köln und Umgebung gab es in den Kriegsjahren rund 100 000 ausländische Arbeitskräfte, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge, die Zwangsarbeit leisten mussten.

Beide Bände sind im Emons Verlag erschienen und kosten jeweils 39,95 Euro.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Köln: Neue Dokumentationen zur NS-Zeit


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.