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Köln
Notlösung aus Zeltplane: In Köln entsteht Mini-Stadt für Flüchtlinge

Chorweiler: So sieht die Zeltstadt für Flüchtlinge aus
Chorweiler: So sieht die Zeltstadt für Flüchtlinge aus FOTO: dpa, mb soe
Köln. Container, Eissporthallen, Kasernen: Deutschland sucht nach Orten, an denen Flüchtlinge unterkommen können. In Köln ist nun eine der ersten Zeltstädte nahezu fertig, die das Land in der Not angekündigt hat.
Sie sorgt für Diskussionen.

Doppelstockbetten, grüne Schlafdecken mit einem Blümchenmuster, fahles Licht. So sieht es also aus, wenn innerhalb von rund zwei Wochen eine Zelt-Notunterkunft für bis zu 900 Flüchtlinge hochgezogen werden muss. Zweckmäßigkeit geht vor, gemütlich wirkt es nicht. Die winterfeste Mini-Zeltstadt steht im Kölner Stadtteil Chorweiler und soll nach Möglichkeit noch an diesem Wochenende die ersten Menschen aufnehmen können. Sie ist eine von vielen Versuchen, mit den steigenden Flüchtlingszahlen umzugehen. Die Erstaufnahme-Einrichtungen des Landes laufen über.

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"Wir sind uns alle darüber im Klaren, dass ein Zelt keine Ideallösung ist für die Unterbringung der Menschen. Und wir alle hätten uns sicher lieber eine feste Unterkunft etwa in einer ehemaligen Klinik oder in einem ehemaligen Seniorenheim gewünscht", sagt Kirsten Hols vom Landesverband der Johanniter, die sich um den Betrieb kümmern sollen. Aber es habe in Köln eben keine Alternative gegeben.

Das Land hat angekündigt, acht dieser winterfesten Zelt-Unterkünfte errichten zu wollen. Die Kölner ist nach Angaben der Bezirksregierung die erste, die in Betrieb gehen kann. Umstritten ist sie in mehrfacher Hinsicht.

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Zuerst gab es Streit mit einem Freizeitbad, das in der direkten Nachbarschaft liegt. Es pachtet seit Jahren einen Teil der Fläche, auf dem die Notunterkunft nun steht, von der Stadt. Vorab war der Betreiber nicht über die Pläne informiert worden. Betriebsleiter Christian Bierth spricht nun von einem "bisschen schwierigen Start".
Schlussendlich gab es eine Einigung.

Umstritten sind Zeltstädte aber auch an sich. SPD-Chef Sigmar Gabriel nannte sie kürzlich "beschämend, nicht nur im Winter". Und der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, André Kuper sagt: "Ich schäme mich, dass es solch ein Organisationsverschulden mit derartigen Konsequenzen in Nordrhein-Westfalen gibt. Es geht leider jetzt nur noch darum, die blanke Obdachlosigkeit zu vermeiden."

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Auf derartige politische Diskussionen lässt sich Hans Nix von den Johannitern nicht ein. Der Bereichsleiter der Hilfsorganisation ist eher ein Mann der Fakten. 18 Zelte stehen nun in Köln, in 13 davon können Flüchtlinge schlafen. Man wolle ihnen ein "Mindestmaß an Privatsphäre" ermöglichen, sagt Nix und deutet auf die Spinde, die vor den Betten stehen. Es sollen Spielecken für Kinder entstehen.

Dass das alles keine Dauerlösung sein kann, ist allen Beteiligten klar. Die Zeltstadt solle allerhöchstens bis Ende Januar stehen, sagt die Bezirksregierung. Dann müssten bessere Alternativen geschaffen sein.

 

 

(lnw)
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