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NRW-Innenministerium
Sechs Erkenntnisse aus dem Köln-Bericht

NRW-Innenministerium: Sechs Erkenntnisse aus dem Köln-Bericht
Der Videoscreenshot zeigt die Situation am Hauptbahnhof in der Silvesternacht. FOTO: dpa, hjb
Köln. Das NRW-Innenministerium hat eine Liste des Polizeipräsidiums Köln veröffentlicht, welche die Anzeigen im Zusammenhang mit den Übergriffen von Köln in der Silvesternacht zusammenfasst. Sechs Erkenntnisse aus dem Bericht. Von Dana Schülbe

Am Montag hatte Innenminister Ralf Jäger bei der Sondersitzung des NRW-Innenausschusses die Geschehnisse rund um die Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof dargelegt und dabei auch massive Kritik an der Polizei in der Domstadt geübt. Zugleich veröffentlichte sein Ministerium einen 27-seitigen Bericht dazu, der unter anderem einen Überblick über den Verlauf des Polizeieinsatzes in jener Nacht enthält. 

Zudem sind Protokolle des Polizeipräsidiums Köln angefügt, die auch eine Liste der Anzeigen beinhaltet, die bis zum 8. Januar 2015 eingegangen sind – 170 an der Zahl. Daraus geht deutlich hervor, wie massiv die Opfer von den Tätern bedrängt worden waren. 

Der Einsatz im zeitlichen Ablauf

Laut Bericht hatte die Polizei bereits gegen 21 Uhr 400 bis 500 Personen auf dem Bahnhofsvorplatz und der Domplatte bemerkt. Dabei habe es sich in der Mehrzahl um männliche Personen mit Migrationshintergrund gehandelt, die von den Opfern als "nordafrikanisch/arabisch" beschrieben worden seien.

Wie bereits mehrfach berichtet wurde, waren die Personen "zum Teil stark alkoholisiert, enthemmt und brannten unkontrolliert Feuerwerkskörper in der Menge ab". Nach und nach wurden die Einsatzkräfte der Bereitschaftspolizei zum Hauptbahnhof gerufen.

Als sich bis 23 Uhr die Gruppe auf dem Vorplatz und der Domtreppe auf 1000 bis 1500 Menschen vergrößert hatte und diese nicht auf Ansprachen der Polizei und Platzverweise reagiert hätten, sei beschlossen worden, den Platz zu räumen. Vor der Räumung kam es demnach bereits zu sexuellen Übergriffen auf Frauen. "Diese wurden durch die Bereitschaftspolizeikräfte in der Menschenmenge nicht erkannt", heißt es in dem Bericht des Innenministeriums.

Um 23.35 Uhr begannen die Beamten schließlich mit der Räumung, gegen 0.27 Uhr aber wurde der Zugang zum Vorplatz und zum Hauptbahnhof über die Treppen des Doms aber wieder zugelassen.

"Nach Angaben des Polizeipräsidiums Köln haben gegen 00.50 Uhr Kräfte der Bereitschaftspolizei erstmals Kenntnis davon erhalten, dass Frauen durch Personengruppen angegangen und belästigt wurden", heißt es weiter. Gegen 1.20 Uhr hätten die Einsatzkräfte vor Ort dann den Auftrag erhalten, "anlassbezogene Straftaten (Sexual-, Körperverletzungs- und Eigentumsdelikte) zu verhindern", unter anderem indem Ansammlungen von Personen verhindert werden sollten. Gegen 4 Uhr habe sich dann die Lage entspannt.

Die Delikte

Aus der Liste der Anzeigen geht unter anderem hervor, welche Delikte von den Opfern zur Anzeige gebracht wurden. Neben Taschendiebstahl sind dabei die sexuellen Übergriffe auf Frauen am häufigsten vermerkt, sie wurden von der Polizei als sexuelle Belästigung, sexuelle Beleidigung oder sexuelle Nötigung deklariert. Von den 170 Einträgen in der Liste haben 110 einen Bezug zu einem sexuellen Übergriff, vier davon sind als Vergewaltigungsdelikt deklariert. In vielen Fällen ging auch ein Taschendiebstahl oder Raub mit einem sexuellen Übergriff einher.

Die Opfer

Die Auflistung bestätigt, dass es sich bei den meisten Opfern in der Silvesternacht um Frauen handelt. Die Männer, die Anzeige erstatteten, wurden Opfer von Diebstahl und Raub. In einigen Fällen waren mit ihnen Frauen unterwegs, die sexuell belästigt wurden, während die Männer bestohlen wurden.

Die Orte der Übergriffe

Anhand der Anzeigen lässt sich feststellen, dass die meisten Übergriffe auf dem Bahnhofsvorplatz und im Bahnhof selbst geschahen. Auch die Domplatte kommt als Ort für einen Übergriff in der Liste immer wieder vor. Vereinzelt beziehen sich Anzeigen aber auch auf Plätze wie die Hohenzollernbrücke, den Neu- und den Altmarkt oder auch den Breslauer Platz.

Die Tatzeiten

Bei den Tatzeiten wird deutlich, dass viele Übergriffe bereits vor der Räumung des Bahnhofvorplatzes geschahen. Auch während der Räumung kam es noch zu Übergriffen. Auch die vier Anzeigen, die als Vergewaltigungsdelikt registriert wurden, beziehen sich auf Zeiten vor der Räumung. Konkret: 22.30 Uhr, 22.45 Uhr, 0.20 Uhr und 0.50 Uhr. 

Die Verdächtigen

Der Bericht enthält zudem eine Liste des Polizeipräsidiums, die sich auf die 19 Verdächtigen bezieht, gegen die mit Stand 8. Januar ermittelt wurde (inzwischen sind es 23). Bei elf von ihnen handelt es sich um Asylbewerber, sechs haben einen illegalen Status, bei einem konnte dies nicht festgestellt werden. Sieben Verdächtige stammen aus Marokko, drei aus Algerien, je einer aus Albanien, Tunesien, Syrien, Lybien, der Türkei, Iran und Somalia, bei zwei Personen ist das Herkunftsland unbekannt.

Hier können Sie sich den Bericht in voller Länge anschauen.

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