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Köln
NS-Dok-Schau: Zeichnungen von Philibert und Fifi

Köln. Eine ungewöhnliche Sonderausstellung zeigt das NS-Dok am Appellhofplatz bis zum 21. August: Zeichnungen und Karikaturen eines französischen Zwangsarbeiters, die er während seiner Dienstverpflichtung in den Jahren 1943 bis 1945 in der Steiermark anfertigte. Der junge französische Künstler Philibert Charrin (1920-2007) wurde 1943, im Alter von 23 Jahren, vom Vichy-Regime zur Zwangsarbeit in das Deutsche Reich verpflichtet. Es folgte ein Einsatz als Erdarbeiter in der Steiermark, in der Nähe von Graz. Charrin war ein begabter Zeichner und Karikaturist, der schon in jungen Jahren politische Karikaturen anfertigte.

Mit Blick für die Eigenheiten der Menschen, mit spitzer Feder und einer großen Portion Humor hielt er in seinem Skizzenblock die Lebenswelt der Zwangsarbeiter fest und karikierte die österreichischen Vorarbeiter. Eine Besonderheit in seinen Zeichnungen ist das Strichmännchen "Fifi", sein Alter Ego, als beobachtender Kommentator in den Zeichnungen. Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden seine Zeichnungen ausgestellt und publiziert. Als französischer Künstler erlangte er in den Folgejahren mit seinen Gemälden und Collagen großes Ansehen. Für seine Karikaturen als Zwangsarbeiter interessierte sich aber niemand mehr. Er selbst verschloss diesen Lebensabschnitt in sich - bis kurz vor seinem Tod.

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